Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Große Kunst im Park

Kultur / 17.06.2022 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ganz sicher bin ich mir nicht, was man mehr loben soll: die Kunst oder das Engagement des Restaurantbesitzers mit seiner Küche, die der Kunst schon sehr nahe kommt. Aber bei genauer Betrachtung ist es klar: Die Kunst, natürlich die Kunst gehört in den Mittelpunkt der Betrachtung. Es ist die Kunst des Bizauer Bildhauers Herbert Meusburger, die im Restaurant Guth in Lauterach in einer Art aufgestellt ist, die mehr an ein Museum als ein einen Gastrotempel erinnert. Ein riesiger Park mit wunderschönen alten Bäumen, im Zentrum eine Trauerweide, erstreckt sich hinter dem Gastgarten, in dem die Menschen bei schönem Wetter sitzen. Fast zum Greifen nahe steht die erste Skulptur, ein Brunnen, bestehend aus drei Stelen, gefertigt aus verschiedenen Steinen, aus deren oberem Ende Wasser fließt und die Steine im wechselnden Licht damit in einer Zartheit umgibt, die der Härte des Materials sonst nicht eigen ist.

Vor mehr als zwanzig Jahren machte dieser Brunnen den Anfang zum heutigen Skulpturengarten im Guth. Viel bewundert führte er dazu, dass Architekt Christian Lenz dem Patron Thomas Scheucher die Idee einer Erweiterung, möglicherweise eines Skulpturengartens machte. Die Zeitspanne vom ersten Gespräch bis zur Umsetzung währte nur wenige Wochen – und nun steht im Guth eine permanente Ausstellung von Skulpturen Herbert Meusburgers aus etwa dreißig Schaffensjahren. Und das in einer Umgebung, die sich ein Bildhauer nur wünschen kann. Völlig unbekannte Arbeiten sind dabei, etwa das noch nie ausgestellte „Möbel aus Stein“, eine Art Regal, das ganz praktisch verwendet oder auch nur betrachtet werden kann, das man bisher nur im Atelier in Bizau bewundern konnte. Dann findet man auch die fast schon monumentale „Behausung“, die vor einigen Jahren bei der Ausstellung von Herbert Meusburger im Vorarlberg Museum auf dem Kornmarktplatz gezeigt wurde. Aber auch ganz neue Arbeiten in Bronze machen diese Ausstellung zum Erlebnis: der stehende „Knoten“, der dem gesamten Motto „Trennen und Verbinden“ in besonderer Form gerecht wird, und der „Rebstock“, der in seiner Subtilität nicht zuletzt ein handwerkliches Kunstwerk des Bronzegießers darstellt.

Es ist einfach unglaublich, was Thomas Scheucher mit Familie und vielen Freunden, vor allem mit Herbert Meusburger, hier auf den Weg gebracht hat, nämlich nicht weniger als die einzige private permanente Bildhauerausstellung im Land. Der Eintritt in den Skulpturengarten kostet ein Essen im Guth, nicht ganz billig, aber dafür so großartig wie die Skulpturen selbst. Und vielleicht darf man sogar fragen, ob man auch eingelassen wird, um überhaupt nur die Kunst zu betrachten.

„Es ist einfach unglaublich, was Thomas Scheucher mit Familie und vielen Freunden, vor allem mit Herbert Meusburger, hier auf den Weg gebracht hat.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.