Ein Truck, der bereits Siebenjährige begeisterte

Kultur / 21.06.2022 • 20:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Friederike Schreiber vom Theater Grüne Sosse mit ihrem Truck auf dem Hof der Volksschule Halden.<span class="copyright"> bischof</span>
Friederike Schreiber vom Theater Grüne Sosse mit ihrem Truck auf dem Hof der Volksschule Halden. bischof

Mit einem „Truckermärchen“ begann das Festival Luaga & Losna.

NENZING Die erste Veranstaltung des Luaga & Losna-Festivals präsentierte das deutsche Theater Grüne Sosse mit dem Stück „Truckermärchen“. Wobei der Titel nicht dem Geschehen entsprach, denn es handelte sich vor allem das Leben von Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern und deren Alltag auf den Autobahnen. „Die Produktion entstand aus der Experimentierfreiheit in der Pandemie. Es ist ein bewusst gewähltes Outdoor-Format für ein kleines Publikum“, erklärte Friederike Schreiber, die Schauspielerin in diesem Ein-Personen-Stück. Die Spielstätte war ein Truck, der von der Protagonistin zu Beginn auf den Hof der Volksschule Halden gelenkt wurde. Den Ort des Geschehens bildete eine Raststätte. „Eine Raststätte ist immer in Bewegung, Tag und Nacht. Die rauschende Autobahn im Hintergrund spuckt kontinuierlich Autos von irgendwoher aus“, erläuterte Schreiber. Eine Raststätte ist ein Ort, an dem sich Menschen für eine kurze Zeit kennenlernen.

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Bischof

Das Ensemble hat sich im letzten Sommer tatsächlich auf den Weg gemacht und ist auf Raststätten mit Truckerfahrern ins Gespräch gekommen. Den Beginn des Stücks bildeten Geschichten in und aus der Fahrkabine. „Wir beginnen mit dem Buchstaben V wie Vorstellung“, war der erste Satz. Und sodann erfolgte ein kleiner, spannender Exkurs zum Begriff Vorstellen, nämlich sich selber vorstellen, aber auch die Vorstellung als Synonym für einen Auftritt sowie die Vorstellung von etwas Bestimmten. In weiterer Folge wurden die Ladefläche und auch der Platz rund um den Lkw herum bespielt.

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Bischof

Zwei große, hölzerne Kisten standen zentral auf der Ladefläche. Schreiber öffnete mit einem Akku-Schreiber eine der Kisten, ein großer Bildschirm war zu sehen. Immer wieder wurden Sequenzen von den Begegnungen eingespielt. Einer der Hauptakteure war der ukrainische Lkw-Fahrer Vadim. „Wir haben Vadim drei Mal getroffen und haben uns später oft geschrieben. Leider haben wir schon lange nichts mehr von ihm gehört“, wurde auch auf die tragischen aktuellen Verhältnisse Bezug genommen. Während Schreiber kochte, sich die Füße wusch, Geschichten erzählte und immer wieder Pausen einlegte, waren neben Schostakowitschs Waltz Nr. 2 auch andere stimmige Musikeinlagen zu hören. Die Buchstaben bildeten eine rote Linie – von W wie Wetter oder Warenkette bis A wie Abschied. „Truckermärchen“ begeisterte selbst Siebenjährige, wie anhand der anschließenden Möglichkeit, Fragen zu stellen, deutlich zu sehen war. Monika Bischof

Weitere Aufführung von “Truckermärchen”, 22. Juni, 17 Uhr, Ramschwagplatz in Nenzing. Luaga & Losna dauert bis 25. Juni, jeweils 10, 17 und 20 Uhr: luagalosna.at