Sängerinnen und Sänger sind auf der “außergewöhnlichsten” Bühne gelandet

Kultur / 21.06.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das zentrale Podium gleicht einer angeschwemmten japanischen Zeichnung. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Das zentrale Podium gleicht einer angeschwemmten japanischen Zeichnung. VN/Hartinger

Zum Probenbeginn bei den Bregenzer Festspielen sind 85 Prozent der Karten für den See bereits abgesetzt.

Bregenz Abgesehen von allen künstlerischen Kompetenzen, die Mitwirkende einer Opernproduktion auf der Seebühne haben müssen, ist heuer besondere Trittfestigkeit gefragt. Regisseur Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Michael Levine haben sich für eine leicht gewellte japanische Zeichnung als zentrales Podium für Puccinis „Madame Butterfly“ entschieden. Die Bregenzer Festspiele verwenden diesen internationalisierten Titel für die 1904 uraufgeführte „Madama Butterfly“, die aber selbstverständlich in der Originalsprache Italienisch gesungen wird. Nach mehreren Proben, die unter anderem in Zürich stattgefunden haben, wird von nun an bis zur Premiere am 20. Juli auf der Seebühne gearbeitet.

Sängerinnen und Sänger sehen die Bühne als Herausforderung, fühlen sich aber gut behütet. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Sängerinnen und Sänger sehen die Bühne als Herausforderung, fühlen sich aber gut behütet. VN/Hartinger

Die gewellte Zeichnung, die wie angeschwemmt erscheint, misst 1340 Quadratmeter, wird sich im Laufe der Handlung mittels Projektionen verändern und enthält mehrere Auftrittsöffnungen. Homoki will vom Aufeinanderprallen der tradierten japanischen Gesellschaft mit einer Kultur, in der Traditionen keine Rolle spielen, erzählen. Bekanntlich verliebt sich die noch jugendliche Geisha Cio-Cio-San in den US-amerikanischen Leutnant Pinkerton und sieht in der Verbindung auch eine Möglichkeit, dem strengen Rollengeflecht ihrer Familie zu entfliehen. Dieser erwidert die Liebe zwar, nimmt die Verbindung aber keineswegs ernst. „Madame Butterfly“ zählt zu den meistgespielten Opern. Das tragische Ende ist bekannt und die Musik von Puccini so großartig, dass sie die Aufführung eines Werks, das an sich einem Kammerspiel gleicht, auf der großen Seebühne rechtfertigt, erklärte Intendantin Elisabeth Sobotka.

Die Kostüme werden japanisches Kolorit sowie das Amerika der 1950er-Jahre in die Szene bringen. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Die Kostüme werden japanisches Kolorit sowie das Amerika der 1950er-Jahre in die Szene bringen. VN/Hartinger

Das Publikum zeigt jedenfalls enormes Interesse. 85 Prozent der aufgelegten 189.000 Tickets (inklusive öffentliche Generalprobe und Jugendtag) sind bereits abgesetzt. Laut Pressesprecher Axel Renner sind noch Tickets in nahezu allen Kategorien erhältlich. Bis Ende Juli dürften die 26 Aufführungen ausverkauft sein.

"Madame Butterfly" steht zum ersten Mal auf dem Programm der Bregenzer Festspiele. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
"Madame Butterfly" steht zum ersten Mal auf dem Programm der Bregenzer Festspiele. VN/Hartinger

Die Hauptrollen sind mit jeweils drei Künstlerinnen und Künstlern besetzt. Am Dienstag hat sich die irische Sopranistin Celine Byrne mit der Bühne sowie mit dem kleinen Schiff vertraut gemacht, auf dem sie auftritt. Leutnant Pinkerton ist Lukasz Zaleski aus Polen. Es sei die außergewöhnlichste Bühne, auf der sie je gestanden sind, hieß es, bei den Bregenzer Festspiele fühle man sich angesichts der Herausforderung aber bestens behütet.

Die Premiere von “Madame Butterfly” findet am 20. Juli statt. Die Festspiele dauern heuer bis 21. August.

Ein kleines Papierschiffchen ist das Auftrittspodium von Cio-Cio-San. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Ein kleines Papierschiffchen ist das Auftrittspodium von Cio-Cio-San. VN/Hartinger
Das Setting von "Madame Butterfly" wird nach Sonnenuntergang auch mittels Projektionen lebendiger. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Das Setting von "Madame Butterfly" wird nach Sonnenuntergang auch mittels Projektionen lebendiger. VN/Hartinger