Spätes Debüt mit großer Wirkung bei der Schubertiade

Kultur / 21.06.2022 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Regula Mühlemann mit der Pianistin Tatjana Korsunskaya im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg.<span class="copyright"> Schubertiade</span>
Regula Mühlemann mit der Pianistin Tatjana Korsunskaya im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg. Schubertiade

Die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann beeindruckte mit ansprechender Liedkunst.

SCHWARZENBERG Nach zwei geplanten Debüts in Vorarlberg, die zuletzt durch Corona vereitelt wurden, war es am Sonnabend bei der Schubertiade soweit. Die junge Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann konnte im Angelika-Kauffmann-Saal endlich unbehindert von allen äußeren Störfaktoren erstmals hier ihre große Liedkunst entfalten.

Die 36-Jährige aus dem Luzernischen hat in den vergangenen Jahren eine der aufregendsten Karrieren ihres Faches hingelegt, im Konzertsaal ebenso wie auf der Opernbühne. Dort kommt jetzt eben eine Auszeichnung dazu, nämlich die Verpflichtung als Pamina in der Neuinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ bei den Salzburger Festspielen. In dieser Partie findet man genau jene stimmlichen Anforderungen, wie sie auch für das romantische Lied essenziell sind. Mühlemann vermag gerade dieses Repertoire mit zwei Liedblöcken von Schubert und Schumann dank ihres hellen lyrischen Soprans auf ideale Weise mit Wärme und Jugendlichkeit zu erfüllen. Der frische, strahlende Ausdruck offenbart ein sympathisches Wesen.

Schubert ist für Mühlemann an diesem Ort gewissermaßen die Pflichtübung, der sie sich mit Anstand stellt, immer den Stellenwert des großen Säulenheiligen vor Augen, die kluge Textausdeutung mit tadelloser Diktion im Blick. Besonders anmutig erzählend gelingen der „Frühlingsglaube“ nach Uhland, der lustige Einschub mit dem unbekannten „Knaben“ nach Schlegel, zur Offenbarung aber wird der Markstein „Gretchen am Spinnrade“ nach Goethe.

Funkelnde Perlen

Weit wohler fühlt sich Mühlemann bei Robert Schumann, wo manche von dessen Liedszenen zu funkelnden Perlen werden, die sie mit ihrer Opernerfahrung auch gerne körpersprachlich etwas ausgestaltet. „Aufträge“ (L’Egru) ist so ein Lied, bei dem das Publikum gerne mitschmunzelt, das wunderbar getragene „Kennst Du das Land?“ nach Goethe oder das neckisch hingeworfene „Singet nicht in Trauertönen“ (Goethe). Am offenen Steinway und doch niemals zu laut, dafür stets absolut präsent, waltet die russische Pianistin Tatjana Korsunskaya als Liedbegleiterin, wie man sie sich eigentlich nur wünschen kann. Der Wunsch, den Weg von Regula Mühlemann als besondere Künstlerpersönlichkeit bei der Schubertiade weiter verfolgen zu können, wird erfüllt, wie das eben aufgelegte Detailprogramm des Festivals für 2023 verrät. Schon diesmal erklatscht sich ein voller Saal mit starker Schweizer Delegation von der jungen Künstlerin zwei Zugaben, darunter die hier besonders launische „Forelle“ aus dem Schubert-Teich. Fritz Jurmann