Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Ignoranz des Bildungsministeriums

Kultur / 23.06.2022 • 08:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wie hoch ist der Betrag für sieben Halbtagsstellen für Lehrerinnen und Lehrer von Gymnasien in Österreich? Er schwankt je nach Berufsjahren der Personen, aber es kann hier gesagt werden, dass es sich wohl nur um eine eher niedrige fünfstellige Summe handelt. Diese will sich das Bundesministerium nun einsparen und ignoriert dabei, dass es damit ein völlig falsches Signal setzt.

Warum? Konkret geht es nämlich um sieben Schultheatercoaches in ganz Österreich, deren Tätigkeit der Bund bisher mitfinanziert hat. Auf Vorarlberg bezogen, handelt es sich dabei um eine Lehrperson. Um deren Verdienst wird man nicht bangen müssen, denn wenn die Schultheatercoachtätigkeit endet, erhält dieser Lehrer wohl umgehend eine volle Unterrichtsverpflichtung. Fällt die Schultheatercoachtätigkeit allerdings weg, so entgehen Hunderten Schülerinnen und Schülern wichtige Erfahrungen, die ihnen im Regelunterricht nicht vermittelt werden können. Pädagoginnen und Pädagogen sprechen von theatraler Bildung, die über die Coaches in die Schulen getragen wird, die sich ungemein positiv auf die Lernfähigkeit und Motivation der Schülerinnen und Schüler auswirkt und in deren Rahmen sie sich wertvolle Kompetenzen aneignen können.

Die Aktivität nur eines der Schultheatercoaches lässt sich gut mit Zahlen belegen. In den Schuljahren vor der Pandemie stand in Vorarlberg eine der Personen mit rund 25 Schulen (vorwiegend AHS und BHS) sowie der Pädagogischen Hochschule in Verbindung. Unmittelbar profitiert von seiner Arbeit haben jeweils zwischen 700 und 800 Schülerinnen und Schüler. Was tut so ein Coach? Er berät die Lehrerinnen und Lehrer bei Schultheateraktivitäten und ist vor Ort, um unterstützend mitzuwirken. Auch wer kein Pädagoge ist, weiß, etwa als Elternteil oder interessierte Zuschauerin, von den positiven Effekten diverser Schultheateraktivitäten. Dies will das Ministerium mit einem Strich beenden bzw. mit einer kurzen Mitteilung per E-Mail an die betroffenen Coaches.

Zur Info: In Vorarlberg sind zwei Schultheatercoaches aktiv, einen hat bislang der Bund finanziert, einen das Land, das nun am Zug ist, weil man leider nicht davon ausgehen kann, dass im Bildungsministerium ein Nachdenkprozess in Gang kommt. Hier herrscht Ignoranz.