So kann es klappen mit dem Vampir am Bodensee

Kultur / 24.06.2022 • 22:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Slapstick verkommt hier nie zur Show.
Der Slapstick verkommt hier nie zur Show.

„Nosferatu“ eignet sich auch 100 Jahre nach dem Murnau-Film für die Bühne.

Konstanz Ein Stück wie „Nosferatu“, von Stephan Teuwissen adaptiert bzw. neu geschrieben nach der bekannten Schauermär, im Hof des Münsters bzw. der ehemaligen Konzilskathedrale zu spielen, das hat schon einmal Witz. Das Böse krallt sich hier nicht die Ungläubigen, sondern fast alle und es steckt auch in fast allen. Doch weder eine Moritat, noch ein Mysterienspiel hat das ausführende Theater Konstanz mit der Blutsaugergeschichte im Sinn. Das Ensemble wird heuer zum Ende der Saison auf den Platz unter freiem Himmel geschickt, um Stärken auszuspielen, die nicht nur an der Grenze zu beinahe akrobatischen Fähigkeiten liegen, sondern auch in einem Zusammenspiel, das Regisseurin Mélanie Huber die Möglichkeit gibt, die einzelnen Aktionen jeweils aus der Gruppe heraus zu entwickeln. Nicht verwunderlich, dass es kaum ein Bühnenbild braucht, derart perfektes, humorvolles, choreografisches Theater sieht man selten, wenn der Text dazu noch laufend nach exakten Einsätzen, gleichbleibenden Tonhöhen sowie gut abgestimmten Betonungen verlangt und der Slapstick nie zur Show verkommt. Überlegtes Colourblocking in den Kostümen und schon kann es klappen mit der Geschichte, in der das Unheil erahnt, aber dennoch nicht verhindert wird.

Die Vorlagen sind den meisten geläufig. Der Film „Nosferatu“ von Friedrich Wilhelm Murnau ist exakt 100 Jahre alt und Bram Stokers „Dracula“ erschien vor 125 Jahren. Nicht nur mit Orloks Reise von Transsilvanien an den Bodensee kommt Lokalkolorit ins Geschehen, die Eitlen, Naiven, Unbedarften, aber auch Unerschrockenen sind hier verankert. Der tapferen Mathilda mehr Stärke zu verleihen, als ihr Hutter wohl aufbringen könnte, ist im 21. Jahrhundert geboten, mit der Musik von Sebastian Androne-Nakanishi einen Bogen von damals ins Heute zu spannen, ist eine hervorragende Idee. Regnen sollte es nicht. Dass sich bei der zweiten Aufführung Minuten vor Schluss ein ganzer Wolkeninhalt über das Areal bzw. den schon am Boden liegenden Orlok ergoss, hat dramaturgisch zwar fast gepasst, dem Ensemble sei dennoch Wetterglück beschieden.

Weder eine Moritat, noch ein Mysterienspiel hat das ausführende Theater Konstanz mit der Blutsaugergeschichte im Sinn. theater/ilja mess
Weder eine Moritat, noch ein Mysterienspiel hat das ausführende Theater Konstanz mit der Blutsaugergeschichte im Sinn. theater/ilja mess

Zahlreiche weitere Aufführungen auf dem Münsterplatz in Konstanz vom 25. Juni bis 23. Juli: theaterkonstanz.de