Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die großen Sieben

Kultur / 26.06.2022 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Selbst wenn wir noch nie etwas über die G7 gehört haben – spüren tun wir sie derzeit fast alle. Denn nahezu überall in Vorarlberg, wo es zu einer deutschen Grenze geht, stehen die Autos kilometerweit. Und das alles wegen der G7, jener Gruppe von Staaten, die sich 1975 gebildet und damals geglaubt hatten, sie seien die wichtigsten Industriestaaten der Welt. Das sind Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, die Europäische Kommission hat einen Beobachterstatus. Ein interessanter Klub, denn da ist keine einzige Nation aus Südamerika vertreten, natürlich keine aus Afrika, da bestimmt – wie gewohnt – der reiche Norden über den armen Süden. Zudem fehlen Russland und die derzeit zweitwichtigste Industrienation der Welt, China. Und die werden dann alles, was von den Regierungschefs auf dem Tagungsort Schloss Elmau in Bayern ab morgen beschlossen wird, nicht nur hinterfragen, sondern wohl auch hintertreiben.

„Warum bringt man die sieben Regierungschefs nicht auf eine abgelegene, kleine Insel im Atlantik?“

Aber zurück zu den Ärgernissen, die wir alle wegen der G7 ertragen müssen. Bei uns gibt’s nur ärgerliche Staus auf allen Straßen, bei uns ist etwa Bregenz seit Längerem unpassierbar geworden. Noch ärgerlicher aber ist das etwa in München, wo reihenweise Polizeiautos in Brand gesteckt wurden. Denn solche Gipfel der Mächtigen fordern immer auch Proteste und Anschläge von Randgruppen heraus, die sich gegen die Macht stellen und eine gerechtere Verteilung der Güter auf der Welt fordern.

Die Probleme, die solche Gipfel immer mit sich bringen, kennen wir, die sind sozusagen erwartbar. Warum also, so fragt sich ein zugegebenermaßen blutiger Laie wie ich, legt man so einen Gipfel in ein Nobelhotel mitten in dicht bewohntem Gebiet. Warum bringt man die sieben Regierungschefs nicht auf eine abgelegene, kleine Insel im Atlantik oder Pazifik, wo sie dann unter sich sind und den anderen nicht zur Last fallen. Diese Insel könnte von den so mächtigen Staaten im Luftraum und im Seeweg vollkommen überwacht werden, niemand könnte in böser Absicht die Mächtigen bei ihren bedeutenden Gesprächen stören – und alle anderen hätten Ruhe. Und vielleicht könnte man es dann auch noch so wie die alten Bregenzerwälder mit ihrem Rathaus auf der Bezegg machen. Da durften die Ratsherren nämlich erst wieder aus dem auf Stelzen stehenden Haus, wenn sie ihre Beschlüsse einstimmig gefasst hatten. So könnte man dann auch heute die Großmeister der Politik erst wieder von der Insel lassen, wenn sie ihre Beschlüsse nicht nur gefasst, sondern vor allem im Sinne der Menschen der Welt so gefasst hätten, dass es wieder mehr Gerechtigkeit, vielleicht sogar Frieden gäbe auf Erden.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.