Ein Fest für Literaturliebhaber am Arlberg

Kultur / 11.07.2022 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Literaricum in Lech wartet wieder mit einem spannenden Programm auf. <span class="copyright">Christoph Schoech Photography</span>
Das Literaricum in Lech wartet wieder mit einem spannenden Programm auf. Christoph Schoech Photography

Das Literaricum Lech steht heuer ganz im Zeichen von “Bartleby, dem Schreiber” von Hermann Melville.

LECH Auch beim diesjährigen Literaricum Lech, das vom 14. bis 16. Juli stattfindet, steht ein Klassiker der Weltliteratur im Mittelpunkt, nämlich “Bartleby, der Schreiber” von Hermann Melville. „Wir wollen jedes Jahr im Rahmen des Literaricums Lech auf Spurensuche gehen und uns dabei an einem Leitstern vergangener Tage orientieren. Dabei werden wir darüber diskutieren, inwieweit dieser Klassiker uns heute noch eine Richtung vorzugeben vermag“, erklärt die Schweizer Kulturjournalistin Nicola Steiner, die dieses im letzen Jahr entstandene Format kuratiert.

Initiiert wurde das literarische Großereignis von den beiden Schriftstellern Michael Köhlmeier und Raoul Schrott. Auch „Bartleby, der Schreiber“, der seinen einprägsamen Satz „Ich möchte lieber nicht“ zum Arbeits- und Lebensmotto gemacht hat, hat bis heute nichts an Aktualität verloren.

Kuratorin Nicola Steiner.
Kuratorin Nicola Steiner.

Die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich moderiert heuer den Veranstaltungszyklus. “Man muss sich schon trauen, zu allen Anmutungen zu sagen ‚Ich möchte lieber nicht!‘ Er traut sich, Bartleby verweigert sich komplett, aber letztlich verweigert er sich damit ganz und gar dem Leben selbst, und da wird die Sache dann schon wieder kritisch. Ab und zu Nein zu sagen ist vielleicht ganz gesund, aber immer – das führt ins Nichts”, erläutert Heidenreich die anhaltende Faszination für die doch recht tragische Figur des Bartleby.

Sie sehe Bartleby aber gar nicht als Nonkonformisten, sondern als einen zutiefst einsamen, verstörten Menschen, der jeden Sinn in Tun und Leben verloren hat: “Eher tragisch als unbeugsam also.” Bekannt ist vielmehr, dass er, ehe er in diese Anwaltskanzlei kam, in einem Dead Letter Office arbeitete, also einer Sammelstelle für nicht zustellbare Briefe, sagt Heidenreich. “Das muss etwas tief Verstörendes gehabt haben, es hat ihn wohl mit Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit infiziert. Er wird uns aber auch als bleich, stumm, mechanisch geschildert – eine psychische Störung liegt meiner Meinung nach eher vor als die Idee, er könnte ein störendes Rädchen im funktionierenden Getriebe sein wollen. Er kann nicht anders.” Der Vergleich zur aktuellen Arbeitswelt liegt nahe. Eine Verweigerungshaltung ab und zu könne vielleicht ganz guttun, um dem Einerlei zu entkommen. „Das heißt, man muss nicht alles mitmachen, was einem angedient wird. Das ist aber eine feine Balance, die es einzuhalten gibt zwischen den Pflichten, einem gewissen Funktionieren und doch der Selbsterhaltung des eigenen Willens. Nicht ganz leicht“, betont Heidenreich. Die renommierte Autorin findet in dem zeitlosen Werk von Hermann Melville auch persönliche Berührungspunkte: „Mich macht zunehmend wütend, dass wir immerzu glücklich sein sollen – Tee soll uns froh machen, Kosmetik, Klamotten, sogar unser Haarshampoo. Der ganze Konsum ist auf Selbstoptimierung ausgelegt. Da tut es gut, mal zu sagen: ich möchte lieber nicht, ich will jetzt einfach nur à la Loriot hier sitzen und mich gerade mal nicht optimieren. Verweigerung im Kleinen.“

Das Großereignis wurde von Schriftsteller Michael Köhlmeier mitinitiiert.
Das Großereignis wurde von Schriftsteller Michael Köhlmeier mitinitiiert.

Doch woraus besteht die Faszination für Bartleby? Wie wurde und wird der Roman wahrgenommen, was hat er uns heute eigentlich noch zu sagen? Worin liegt der Reiz des Übersetzens, worin die Herausforderung, gerade wenn es sich um einen Roman aus einer vergangenen Zeit handelt? Und was haben die Romane von David Foster Wallace, Frank Witzel und Herman Melville gemeinsam? Das sind nur einige Fragen, denen sich neben Elke Heidenreich auch Karl-Heinz Ott, Frank Witzel und Ulrich Blumenbach ausführlich widmen werden. Monika Bischof

Das Literaricum Lech wird am 14. Juli um 18 Uhr mit Elke Heidenreich, Michael Köhlmeier und Nicola Steiner eröffnet, Neue Kirche Lech; www.lechzuers.com

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