Überraschungen am Berg

Kultur / 22.07.2022 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elektrischer Stuhl von Andreas Miketa, auf dem die Besucher Platz nehmen können. VN/Stiplovsek
Elektrischer Stuhl von Andreas Miketa, auf dem die Besucher Platz nehmen können. VN/Stiplovsek

Auf dem Pfänder, wo früher Adler ihre Runden zogen, sind wieder Kunstwerke zu sehen.

Bregenz Schon von Weitem kann man eine Schaufensterfigur in einem schneeweißen Brautkleid erkennen. Sie ist Teil der Ausstellung „Hor(s)t der Kunst“, die heuer zum siebten Mal in der ehemaligen Adlerwarte am Pfänder veranstaltet wird. Unter dem künstlerischen Leitmotiv „On Off“ werden zahlreiche Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler gezeigt. „Am Berg können sich Interessierte Zeit nehmen und die Werke auf sich wirken lassen. Der Besuch ist eine Chance, um aus der Alltagsmonotonie auszubrechen“, sagt Kurator Gregor Koller.

Ein Atomkoffer

Die Interpretation von „On Off“ wurde auf vielfältige Weise umgesetzt. Alexandra Wacker legte das Motto auf politische Abgänge um und porträtierte unter anderem Angela Merkel, Heinz Christian Strache und Sebastian Kurz. Auch das näher rückende Ende des britischen Premierministers Boris Johnson wurde von ihr aufgegriffen.

Wie man Dingen einen neuen Sinn geben kann, zeigt Edgar Leissing. Gemeinsam mit Studierenden der Kunstschule Liechtenstein verwandelte er buntes Papier aus der Mülltonne in eine farbenfrohe 18-teilige Collage. Von dem freischaffenden Künstler Richard Bösch sind ebenfalls zwei vielschichtige Werke ausgestellt. Eindrücklich wird das Thema vom Bregenzer Andreas Miketa in Szene gesetzt. Anhand eines künstlerisch ausgearbeiteten Atomkoffers möchte er auf die weitreichenden Konsequenzen solcher Systeme aufmerksam machen. Von ihm stammt auch ein elektrischer Stuhl, auf dem die Ausstellungsbesucher Platz nehmen können. Eine Rauminstallation aus Stoffbändern und einem Metallring wurde von der Deutschen Corinna Wrana entworfen. Sie stellt das Thema Hochzeit in den Mittelpunkt und lässt einen goldenen Ehering in der Mitte des Raums schweben. „Das Jawort einer Braut stellt eine starke Aussage dar und unterstreicht die Bedeutung von ‚on‘ im Beziehungskontext.“ Unter den mitwirkenden Künstlern findet man unter anderem auch Linus Barta, Ilse Konrad, Josef Wurm und Tone Fink.

Zugang bieten

Darüber hinaus nahm Koller Werke von verstorbenen Kunstschaffenden in die Ausstellung auf, die damit das Kriterium „off“ erfüllen. Dazu zählt ein stimmungsvolles Bild eines Leuchtturms des Bregenzer Malers Heinz Greissing aus dem Jahr 1987. „Die Lichtsignale von Leuchttürmen waren insbesondere früher für die Navigation von Segelbooten unersetzlich. Wer einen Fehler gemacht hat, war schnell in Lebensgefahr“, betont Koller. Der gebürtige Bregenzerwälder Herbert Albrecht ist mit einer schwarzen Bronzefigur vertreten. „Nach seiner Vorstellung sollen Besucher die Figur bewusst berühren, um ein Begreifen zu ermöglichen.“

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 28. August in der ehemaligen Adlerwarte am Pfänder. „Die Rückmeldungen sind bisher sehr positiv. Am Berg werden die Menschen von den vielfältigen Werken überrascht und angezogen. Unter den Besuchern finden sich viele Kunstinteressierte, aber auch Wanderer, die zufällig in der Ausstellung landen. Es ist mir ein großes Anliegen, einen unkomplizierten Zugang zu bieten und Kunst in den Fokus zu rücken“, unterstreicht Gregor Koller. MIR

Werk von Josef Wurm.
Werk von Josef Wurm.

Die Ausstellung „Hor(s)t der Kunst“ in der ehemaligen Adlerwarte am Pfänder läuft noch bis zum 28. August, bei gutem Wetter täglich von 10.30 bis 15 Uhr.