Vom Schreiben und Teilhaben

Kultur / 29.07.2022 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Muhammet Ali Baş (3. v. r.) will junge Menschen mit Fluchterfahrungen mit Workshopformaten unterstützen. KHM Musuemsverband
Muhammet Ali Baş (3. v. r.) will junge Menschen mit Fluchterfahrungen mit Workshopformaten unterstützen. KHM Musuemsverband

Der Dornbirner Muhammet Ali Baş bringt Menschen ins Museum und öffnet literarische Türen.

Dornbirn, Wien Sie kommen aus der ganzen Welt und haben eines gemeinsam: Sie befinden sich im Prozess des Spracherwerbs.

Die Rede ist von jungen Menschen mit Fluchterfahrungen, die oftmals einen erschwerten Zugang zu Bildung haben. Der Vorarlberger Muhammet Ali Baş (31) lebt in Wien und hat es sich zum Ziel gesetzt, sie mit künstlerisch-literarischen Workshopformaten zu unterstützen. „Sie stammen aus Somalia, Eritrea, Afghanistan oder auch Syrien. Es ist mir ein großes Anliegen, sie zu Wort kommen zu lassen und ihre Stimmen in Projekte einzubeziehen“, sagt Baş. Als Literaturvermittler und Sprachkünstler wirkt er aktiv bei der PROSA-Schule in Wien mit, die 2012 von einem gemeinnützigen Verein gegründet wurde. „Insbesondere in laufenden Asylverfahren kann es dazu kommen, dass die Bildung auf der Strecke bleibt. Mit dem Angebot wird ein zusätzliches Unterstützungsnetz geboten. Für die Teilnahme ist es unerheblich, welchen aktuellen rechtlichen Status die Schülerinnen und Schüler haben.“

Bereits letztes Jahr startete Baş mit dem Autor Luca Manuel Kieser (29) und der Autorin Katharina Pressl (29), die sich beide seit Jahren an der PROSA-Schule engagieren, das Buchprojekt „Prosa für PROSA“. „Unser zentrales Anliegen war die Ermutigung zum literarischen Schreiben frei von Erwartungshaltungen. Nun führten wir ein weiteres Buchprojekt durch.“ Gemeinsam mit den Herausgebern Kieser und Pressl setzte er heuer das Projekt „PROSA für welt“ um. In enger Zusammenarbeit mit dem Weltmuseum Wien entstanden rund 50 literarische Texte, die von jungen Menschen mit Fluchterfahrungen geschrieben wurden. „Zentral war nicht nur das Schreiben von Texten, sondern die aktive Auseinandersetzung mit Museumsinhalten.“

Partizipative Arbeit

Im Weltmuseum unternahmen die Mitwirkenden lehrreiche Führungen und setzen sich aktiv mit den Inhalten auseinander. „Wir möchten ihnen die Angst nehmen, in Kultureinrichtungen zu gehen und Fragen zu stellen. Was ist Aneignung, Kultur oder Rassismus? Um diese Themen drehten sich sehr tiefgründige Diskussionen.“ Ali Baş ist selbst seit vielen Jahren als Kulturvermittler im Weltmuseum tätig und weiß, wie wichtig es ist, Inhalte und Objekte kritisch zu hinterfragen und Räume für Reflexion zu eröffnen. „Wir haben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewusst keine Schablone aufgezwungen, wie es sonst oft in Projekten mit Geflüchteten ist. Sie hatten die Möglichkeit, individuell Inhalte für ihre literarischen Werke zu finden und bei Bedarf Hilfestellungen zu bekommen.“

Kritische Gedanken erwünscht

Baş möchte zeigen, dass jede und jeder im Museum willkommen ist, auch Menschen mit kritischen Gedanken. „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben sich sichtbar gemacht, indem sie in den Museumsräumen waren und ihre Gedanken zu Papier gebracht haben. Objekte, aber auch Leerstellen im Museum flossen teilweise in die literarischen Werke ein.“

Das Werk „PROSA für welt“ soll in Zukunft auch als Lernmaterial dienen. Dafür wurden die Texte mit der Hilfe von Deutsch-Trainerinnen und -Trainern in drei Sprachniveaus eingeteilt, die farblich gekennzeichnet sind. Mit dem Buchverkauf werden neue Schulplätze in der PROSA-Schule finanziert. MIR