Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Es geht nicht ums Geld

Kultur / 19.08.2022 • 18:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein etwas kurioser Streit ist in Tirol entbrannt. Der bekannte Autor und Dramatiker Felix Mitterer, der seit vergangenem Jahr wieder in Schwaz in Tirol lebt, wurde vom Land aufgefordert, die Tourismusabgabe zu leisten. Die Tourismusabgabe wurde in Tirol vor bald hundert Jahren eingeführt und ist „von der am Tourismus direkt oder auch nur indirekt partizipierenden Wirtschaft“ zu leisten. Des gilt nicht nur für Tourismusbetriebe, sondern praktisch für alle Erwerbsgruppen.

In der sogenannten Beitragsgruppenverordnung werden all jene aufgezeichnet, die unter diese Tourismusabgabe fallen. Da gibt es praktisch keinen Berufsstand, der nicht genannt ist, insgesamt sind über 800 Gruppen angeführt, vom Alteisenhändler über den Bäcker und Dentisten bis zu Glaser und Hausapothekeninhaber bis zu Kerbschneider (was immer man darunter versteht) – und dann eben auch noch die Schriftsteller. Und da wehrt sich Felix Mitterer.

Unterstützung erhält er dabei auch von politischen Gruppierungen, von Neos, Grünen und der „Liste Fritz“, vor allem aber auch von der IG Autorinnen und Autoren. Deren Chef Gerhard Ruiss meinte, es sei „hoch an der Zeit, aus der Tourismusabgabe von Künstlern eine Tourismusabgabe für Künstler zu machen“. Konkret auf Mitterer bezogen sagte Ruiss: „Dass mit Felix Mitterer selbst noch der Autor zur Tourismusabgabe etwas beitragen soll, der mit seiner ‚Piefke-Saga‘ die mit der Tourismusabgabe finanzierten Auswüchse des Tourismus angeprangert hat, ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten.“

Die Tourismusabgabe in Tirol ist ein Unikum, das es beispielsweise in Vorarlberg in dieser Form nicht gibt. In Vorarlberg können sich Orte, die in besonderem Maße vom Fremdenverkehr abhängig sind, per Gemeindevertreterbeschluss zu Tourismusgemeinden erklären. (Tourismusgesetz des Landes, § 2) Die betreffenden Gemeinden „sind ermächtigt, zur Deckung ihres Aufwandes für tourismusfördernde Maßnahmen und Einrichtungen Tourismusbeiträge einzuheben“. (§ 6) Da allerdings müssen dann auch alle Selbstständigen Tourismusabgabe zahlen. Eine Abgabe, die aber eben nur in bestimmten Gemeinden, nicht aber über das ganze Land vorgeschrieben wird.

Felix Mitterer wehrt sich nun gegen diese Abgabe in Tirol, er hat auch schon angekündigt, dass er Tirol wieder verlassen werde. „Es geht mir nicht ums Geld, es geht ums Prinzip“, meint er, und: „Ich habe mit meinem Gesamtwerk wohl genug Werbung für Tirol gemacht.“ Dafür wolle er nicht auch noch zahlen. Übrigens: Felix Mitterer liest kommende Woche im Bregenzerwald. Am Dienstag, 23. August, aus seiner Biografie „Mein Lebenslauf“, am Freitag, 26. August, aus Franz Michael Felders Biografie „Aus meinem Leben“. Jeweils in Bizau im Gebhard-Wölfle-Saal um 20 Uhr.

„Die Tourismusabgabe in Tirol ist ein Unikum, das es beispielsweise in Vorarlberg in dieser Form nicht gibt.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.