Sie wollen doch nur spielen

Kultur / 02.09.2022 • 04:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sie wollen doch nur spielen
Mit „Begrenzte Spiele“ gelang den Kuratoren Valentin Hämmerle und Jan Klammer eine pointierte Hommage an die Bregenzer Festspiele. DWDS

„Begrenzte Spiele“ im DWDS als Abschluss des Bregenzer Kultursommers.

Bregenz Am heutigen Freitag gilt es für Valentin Hämmerle und Jan Klammer Bilanz zu ziehen. Die beiden Kuratoren des DWDS (Die Wiedergeburt des Schaufensters) haben äußerst produktive Wochen hinter sich, welche sie in Form eines Werkstattgesprächs zu rekapitulieren versuchen.

Mit „Begrenzte Spiele“ wurde der Gedanke, was ein Festival überhaupt ist und was es für die Region, in der es stattfindet, bedeutet, zu einer wohldurchdachten Hommage an die Bregenzer Festspiele. „Wir wollten als Kunstraum Teil des lokalen Kultursommers sein, selbst wenn unsere Möglichkeiten begrenzt sind“, geben die beiden selbstreflektierend preis.

Um die perfekte Imitation zu schaffen, setzt vor dem DWDS die Klima-Skulptur Ready Made 2.0 den Rahmen. Der Raum ist mit Stühlen der Festspielbühne bestückt, die Fenster sind mit wassergefüllten Kunstdarmschläuchen verhangen, ein Pappaufsteller des Bundespräsidenten begrüßt die Gäste. Der Raum wird so zur Bühne und jeder, der ihn betritt, zum Darsteller. So wurde von Ende Juli an ein Programm geboten, welches inhaltlich sowie grafisch als hochreferenziell bezeichnet werden darf.

Sie wollen doch nur spielen

Drei Abende hatten je eine der Seeproduktionen der letzten Jahre als Thema. Der Twist bestand darin, dass die Arien aus Madame Butterfly, der Zauberflöte und West Side Story durch auf der Gefühlsebene adäquate Pop-Songs (REM, Sinéad O‘Connor etc.) mit Hilfe einer Karaoke-Maschine wiedergegeben wurden. Es war dann mehr der Dynamik der Nächte geschuldet, dass das Grundkonzept dem Exzess weichen musste.

Um imitieren zu können, muss man die Materie kennen. Ein Gastspiel wurde daher von den Festspiel-Mitarbeitern Valerie Prinz, Lena Sieder-Semlitsch und Florian Siegel unter dem Titel „Fest-Games“ abgehalten. Als resonanzstärkster Abend darf die „Lesung für den Arsch“ von Aaron Nora Scherer Laurence Hadschief betrachtet werden, in welcher der menschliche Körper – da ist der Name der Veranstaltung Programm – als Verstärker für Texte aus dem Libretto von Madame Butterfly genutzt wurde. „Eine Reaktion darauf war: Das ist Vorarlberg und nicht Berlin!“ Das dürfen die Kuratoren durchaus als Lob deuten – und zwar für das gesamte Konzept und dessen spielerische Umsetzung.

Werkstattgespräch am heutigen Freitag, 18 Uhr, Jahnstraße 13-15 in Bregenz, https://dwds.info/