Ein spannender Blick durch die Glaswand

Kultur / 07.09.2022 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Jähnert hat das Theater Mutante während der Pandemie gegründet. Mit "Aquarium" zeigt er eine One-Man-Show zu einem brandaktuellen Thema. <span class="copyright">VN/Rhomberg </span>
Andreas Jähnert hat das Theater Mutante während der Pandemie gegründet. Mit "Aquarium" zeigt er eine One-Man-Show zu einem brandaktuellen Thema. VN/Rhomberg

Theater Mutante bringt mit “Aquarium” ein Stück über Nähe und Einsamkeit auf die Bühne.

Lochau Hätte es das Theater Mutante auch ohne Coronakrise gegeben? “Ja”, sagt der deutsche Schauspieler und Regisseur Andreas Jähnert (37). “Dann hätte es vielleicht andere Rückschläge gegeben, die dazu geführt hätten.” Die Pandemie sei es aber gewesen, die den Anstoß für die Namensgebung gegeben habe. “Ich habe mich gefragt, wie es mit mir weitergeht, auch existenziell. Es standen alle Zeichen auf Veränderung, daher war der Name ,Mutante’ sehr passend”, erklärt Jähnert.

Mit der “Volksversammlung” kam im Sommer 2020 die erste Produktion im Vorarlberg Museum zur Aufführung – eine musikalisch-literarische Revue, die sich dem coronabedingten Lockdown und den Folgen der Krise gewidmet hat. Für das Stück mit dem passenden Zusatztitel „Wiederaufbauprogramm“ konnte der Schauspieler nach langer Pause wieder zahlreiche befreundete Künstler auf der Bühne versammeln.

Schon mit seinem Theater der Sprachfehler bespielte Andreas Jähnert keine gewöhnlichen Bühnen. Besondere Schauplätze sucht er sich auch für die Produktionen des Theaters Mutante aus. Bei Peter Handkes „Kaspar” etwa verwandelte sich ein leer stehendes Steinbockgehege im Wildpark Feldkirch zur Freiluftbühne, beim “Analog Laboratorium” wurde der Vetterhof im Lustenauer Ried zum Ort des Geschehens. “Mich faszinieren Plätze, wo Leben herrscht und wo Geschichte zu erleben ist. Da gibt es auch für mich immer wieder Neues zu entdecken”, schwärmt der gelernte Landwirt.

In der neuen Produktion “Aquarium”, einer One-Man-Show, wird nun die Alte Turnhalle in der Festhalle Lochau zur Theaterbühne. Das Stück unter der Regie von Bernadette Heidegger widmet sich der Nähe und der Einsamkeit – Themen, die uns in Zeiten der Coronapandemie stärker denn je beschäftigen.

Darum geht’s: Gallo (Andreas Jähnert) sozialisiert in der DDR, irgendwann in Vorarlberg gelandet, ist nie ganz angekommen im Westen. Er versucht sich selbst vorzumachen, dass er völlig integriert ist. Er stürzt sich in seinen Job, weil er sonst wenig soziale Kontakte hat. Sein Weltbild ist geprägt von anti-feministischen Ressentiments und sentimentalen Erinnerungen an eine angeblich heile Welt in der DDR. Vermischt ist dies alles mit Sehnsüchten nach einer vormodernen Zeit, jenseits von Digitalisierung und Globalisierung. Als Gallo von seinem Chef ins “Homeoffice” geschickt wird, wird er von einem auf den anderen Tag mit seiner Einsamkeit konfrontiert. Einzig zwei Wellensittiche sind es, die ihm Gesellschaft leisten. “Er wünscht sich nichts mehr als wieder mit jemanden in Austausch zu treten”, sagt Jähnert.

Gallo ist – wie in einem Aquarium hinter einer Glaswand gefangen – getrennt vom Leben. Und so bekommt der Zuschauer einen spannenden Blick ins Aquarium und wird dabei Zeuge eines verzweifelten Hin- und Herschwimmens einer Existenz.

Premiere von “Aquarium”: 8. September, 20 Uhr, Festhalle Lochau (Alte Turnhalle): Weitere Termine: 9. bis 14. September. Infos: www.theatermutante.com