Ein schönes musikalisches Geschenk

Kultur / 10.09.2022 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie gastierte im Festspielhaus Bregenz. <span class="copyright">JU </span>
Die Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie gastierte im Festspielhaus Bregenz. JU

Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie überraschte ihren Dirigenten mit der „Vierten“ Mahler.

BREGENZ. Es ist endlich wieder Quarta-Time, nicht auf Sparflamme wie zuletzt durch Corona verursacht, sondern in opulenter Besetzung mit gleich 75 jungen, gut vorgebildeten Musikern aus der Bodenseeregion.

Das zweite von fünf Konzerten des aktuellen Projektes am Donnerstag im Festspielhaus bringt dann auch die in dieser Form nicht erwartete faustdicke Überraschung, auf die man zwei Jahre gewartet hat. Angesicht einer „Vierten“ Mahler, wie man sie dem Alter von 12 bis 22 Jahren und dem Ausbildungsstand dieser Youngsters nicht zugetraut hätte, verstummen augenblicks auch alle voreiligen Unkenrufe von Überforderung und Leistungsdruck und machen einem großen Respekt Platz.

Die vielseitige junge Künstlerin Isabel Pfefferkorn stellt sich als glänzende Bühnenerscheinung bereits im ersten Teil mit orchestrierten Liedern von Schubert vor.
Die vielseitige junge Künstlerin Isabel Pfefferkorn stellt sich als glänzende Bühnenerscheinung bereits im ersten Teil mit orchestrierten Liedern von Schubert vor.

Es ist wohl das schönste Geschenk, das dieses junge Orchester seinem jung gebliebenen Motor und Motivator Christoph Eberle machen kann, der dieses Werk selber des Öfteren am Pult seines SOV und anderer Profiorchester geleitet hat.

Dementsprechend hat er es auch im kleinen Finger, dirigiert auswendig, mit der Partitur im Kopf, dafür Aug‘ in Aug‘ mit seinen Musikern, was ihm lieber ist als ständiges Umblättern. Und ruft mit größter Ruhe und Sicherheit all das ab, was einstudiert wurde. Da ist von Beginn an auch alles da, was den besonderen Reiz dieses Konzertsaal-Hits ausmacht: die herbe Süße der geschärften Volksmelodie-Elemente mit messerscharfen Piccolos und gerade gehaltenen Klarinetten, die ihre punktierten Rhythmen hinaustrompeten, die umgestimmte Solovioline der Konzertmeisterin Valerie Ettenauer als Gevatter Tod, die kindliche Schellentrommel, das Schlagwerk-Gewitter, die traumhaften Hornsoli von Franziska Bär und vor allem der Geist, der dieses so herrlich zwielichtige Werk beflügelt und sich präzise in einer Klangkultur mit sauberer Artikulation und Intonation spiegelt.

Die Musiker, die für die Erarbeitung dieses Werkes etliche Ferientage geopfert haben, spielen mit einer Konzentration, Leidenschaft und Begeisterung, die einen einfach staunen lässt. Nach den beiden ersten Sätzen mit ihren übermütigen Ländlermelodien wird der zentrale dritte Satz zu einem Ruhepol, der sein Thema von den Celli ausgehend über einen Wald von kompakten Streichern auf das ganze Orchester ausbreitet: eine Insel aus reinstem Wohlklang.

Bis sich dann im Finale noch die menschliche Stimme dazugesellt mit der heimischen Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn, die in kindlich naiver Art den „himmlischen Freuden“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ viel stimmliche Wärme und Ausdruck verleiht, gut eingebettet in den dichten Orchesterklang.

Die vielseitige junge Künstlerin, die auch Jazz und Neue Musik im Köcher hat und mit der „Winterreise“ schon in den USA war, stellt sich als glänzende Bühnenerscheinung bereits im ersten Teil mit orchestrierten Liedern von Schubert vor. Nach einer Phase der Verhaltenheit verleiht die Sängerin dem „Erlkönig“ die Spannung der verteilten Rollen, dem „Ständchen“ jugendlich strahlende Verliebtheit. Eingeleitet wird der Abend mit Ausschnitten aus Schuberts Schauspielmusik zu „Rosamunde“, in vorbildlicher Zartheit der Streicher, die manchem Profiorchester zur Ehre gereichen würde. Allein etwas mehr Zuhörer hätten sich die jungen Musiker und ihr Chef für ihre Leistungen an diesem Abend verdient. Umso dankbarer fällt der Schlussjubel aus.

Weitere Quarta-Konzerte: 10. September Wangen, Waldorfschule, 19.30 Uhr, 11. September Feldkirch, Montforthaus, 18.00 Uhr