Ein brisanter Lichtblick im Komödiensektor

Kultur / 11.09.2022 • 17:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Stück „Der Fiskus“ von Felicia Zeller spielt im Finanzamt. Burgtheater/Ruiz Cruz
Das Stück „Der Fiskus“ von Felicia Zeller spielt im Finanzamt. Burgtheater/Ruiz Cruz

„Der Fiskus“ von Felicia Zeller am Burgtheater erinnert auch an große Erfolge des Theaters Kosmos.

Wien, Bregenz Die Situation ist handfest und wer das Stück „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller in der vor Jahren gezeigten Inszenierung des Bregenzer Theaters Kosmos noch in Erinnerung hat, stellt fest, dass die deutsche Autorin erstens keine Scheu und zweitens ein gutes Gespür hat, Themen zu variieren. Sind es in „Kaspar Häuser Meer“ Jugendsozialarbeiterinnen in einer personell unterbesetzten Behörde, die angesichts von Gewalt und Verwahrlosung hinter bürgerlichen Fassaden nahezu kapitulieren, so beleuchtet „Der Fiskus“ die schleichende Resignation jener, die um die Schlupflöcher im Steuerrecht wissen.

Nach der Uraufführung in Braunschweig hat sich das Wiener Burgtheater das Stück jüngst geschnappt, um es, hervorragend mit Stefanie Dvorak, Sabine Haupt, Dorothee Hartinger, Nina Stewart und Bardo Böhlefeld besetzt, nun immer wieder im kleinen Haus, dem Akademietheater, anzubieten.

Sensibilität für den feinen Humor

Die für „dritte republik (eine vermessung)“ von Thomas Köck am Schauspielhaus Graz mit einem Nestroy-Preis ausgezeichnete Regisseurin Anita Vulesica macht erstens deutlich, wie die Ästhetik und das mittlerweile legendäre Bewegungstheater von Christoph Marthaler eine Fortsetzung und Verjüngung findet ohne somit jemals Abklatsch zu sein und beweist Sensibilität für den feinen Humor, der in den abgehackten Sätzen von Zeller mitschwingt. Über Namen wie Bea Mtinnen, Elfi Nanzen oder Reiner Lös lacht man lauthals, die behinderte Aufdeckung von Steuerbetrug oder die Anweisung, Akte durchzuwinken hat feine Spitzen wie so manche der gut dechiffrierten Skurrilitäten im Steuerrecht.

Nein, „Der Fiskus“ ist keine flache Komödie, ihr Ertrag ist vielschichtig und auch in der Diskrepanz von einer 1980er-Jahre-Ausstattung mit Röhrenbildschirmen und Faxgeräten von Henrike Engel und Janina Brinkmann zu erwähnten Online-Datings und Social Media liegt zusätzlich Brisanz. Der Publikumsjubel am Wochenende hat es gerade bestätigt. Felicia Zeller (Jahrgang 1970) schließt mit ihrem Stück übrigens auch dort an, wo Ingrid Lausund (geb. 1965) mit „Bandscheibenvorfall“ und „Hysterikon“ (beide ebenfalls vom Theater Kosmos mit Bravour gespielt) aufgehört hat, um mit Film- und TV-Drehbüchern zu reüssieren. Ein Lichtblick im Komödiensektor. CD

Nächste Aufführung am 23. September im Akademietheater Wien. www.burgtheater.at