Erstmals mit heimischem Ensemble

Kultur / 16.09.2022 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sein Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass seine Werke mit Vorliebe auswärts bei internationalen Festivals von renommierten Ensembles aufgeführt werden.<span class="copyright">Judith Krasser Schurig</span>
Sein Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass seine Werke mit Vorliebe auswärts bei internationalen Festivals von renommierten Ensembles aufgeführt werden.Judith Krasser Schurig

Endlich wird Musik des Komponisten Wolfram Schurig auch in Vorarlberg aufgeführt.

FELDKIRCH. Der in Feldkirch lebende, vielfach ausgezeichnete Wolfram Schurig (54), der mit seinen Arbeiten gerne mit bedeutenden Interpreten und Orchestern wie dem Klangforum Wien kooperiert, spielt unter den Vorarlberger Komponisten eine Art Außenseiterrolle.

Sein Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass seine Werke mit Vorliebe auswärts bei internationalen Festivals von renommierten Ensembles aufgeführt werden, in unserem Land jedoch höchstens zufällig bei Gastspielen, niemals aber von heimischen Musikern. Das kann am geflügelten Wort vom Propheten im eigenen Land liegen, das sich bei ihm auf besondere Weise manifestiert. Manche meinen auch, es seien gewisse Berührungsängste heimischer Musiker mit seinen Kompositionen, die an die Interpreten besondere Herausforderungen stellen.

Das Ensemble Plus bei einem Auftritt im Magazin 4.
Das Ensemble Plus bei einem Auftritt im Magazin 4.

Wie auch immer, jetzt ereilt uns die freudige Nachricht, dass mit dem Ensemble Plus, seit zwei Jahren unter der Leitung des Bratschisten Guy Speyers, erstmals ein heimisches Neue-Musik-Spezialensemble für die Aufführung eines Werkes von Wolfram Schurig gewonnen werden konnte. Eine Premiere also der ganz besonderen Art. Es ist sein vor drei Jahren entstandenes Cellostück „Fenster“, das die Musikerin Jessica Kuhn als Solistin demnächst in zwei Konzerten in Bregenz und Bludenz aufführen wird. Schurig hat in der Vorbereitungsphase bei den Musikern seine Aufführungswünsche und konkreten Spielanweisungen für die praktische Umsetzung des Werkes deponiert, die er auch von seinen eigenen Erfahrungen als Blockflötist und Spezialist für Barockmusik ableitet.

Die Johanniterkirche wird Schauplatz eines der Konzerte.
Die Johanniterkirche wird Schauplatz eines der Konzerte.

Wenige Tage zuvor bietet die Johanniterkirche Feldkirch mit ihrem besonderen Ambiente den Schauplatz für ein Porträtkonzert von Wolfram Schurig, das in Zusammenarbeit mit Arno Egger vom dortigen Verein realisiert wird. Unter dem Titel „Capricci & Soli“ interpretieren Caroline Mayrhofer, Blockflöte, Ivana Pristasova, Violine und Viola und Petra Ackermann, Viola, vier Kompositionen Schurigs. Den Begriff „Capriccio“ erläutert der Komponist: „Das meint lustvollen Regelverstoß, fantasievolle Überschreitung der Norm, spielerische Unerschrockenheit, aber auch künstlerische und technische Disziplin.“ Wie für die Johanniterkirche geschaffen wirkt das „Capriccio per manganelli“, ein Bratschenduett nach einem Buch des italienischen Autors Giorgio Manganelli im Spannungsfeld zwischen Stimmen und Geräuschen, gesprochener Musik und gesungener Sprache, das dabei zur Uraufführung kommt. Unter den drei in den letzten Jahren entstandenen weiteren Kompositionen ist auch das „Capriccio per goldner“ durch eine außermusikalische Anregung entstanden, eine Ausstellung des Grafikers und Zeichners Egon Goldner 2016 im vorarlberg museum. Schließlich gibt es im Oktober noch ein Konzert in Leipzig mit der Uraufführung von Schurigs „Les Sirènes – Virelai“.

Fritz Jurmann

28. September, 20 Uhr, Johanniterkirche Feldkirch – „Capricci & Soli“

30. September, vorarlberg museum Bregenz/1. Oktober, Fabrik Klarenbrunnen Bludenz, jeweils 19.30 Uhr – Ensemble Plus „Fenster“