“Geheimnisvolles und schönes Instrument”

Kultur / 16.09.2022 • 18:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Geigerin Raikan Eisenhut über ihre musikalische Karriere.

Bregenz Die in Feldkirch lebende Geigerin Raikan Eisenhut wurde 1966 in Bishkek in Kirgistan geboren und studierte dort und am Moskauer Tschaikovsky-Konservatorium, dann an der Musikuniversität Wien bei Prof. M. Schnitzler und am Mozarteum Salzburg Barockvioline bei Prof. H. Kurosaki. Ihre reiche Berufserfahrung führte sie vom Moskauer Kammerorchester ARCO über Japan, wo sie erste Konzertmeisterin beim Osaka Symphonieorchester war und in vielen japanischen Städten auch als Solistin auftrat. Seit 1999 spielt sie beim Symphonieorchester Vorarlberg. Sie arbeitet an der Musikschule Werdenberg und gibt regelmäßig Meisterkurse am Konservatorium Bishkek. Barockvioline spielt sie auch bei Concerto Stella Matutina.

 

Wie sind Sie zur Violine gekommen?

Eisenhut Ich komme aus einer großen Familie mit zehn Kindern, wir haben zu Hause viel gesungen und auf traditionellen kirgisischen Instrumenten musiziert. Im Opernhaus Bishkek habe ich klassische Musikinstrumente kennengelernt. Ich entschied mich dann für die Geige, weil sie mir so geheimnisvoll und schön erschien.

 

Welche Beziehung haben Sie zur kirgisischen Musiktradition?

Eisenhut Mein Großvater und mein Vater haben Komus, ein dreisaitiges kirgisisches Zupfinstrument, gespielt. Ich war eine begeisterte Zuhörerin. Heute noch singen wir bei Familientreffen kirgisische Lieder. Besonders möchte ich das Genre „Ajtysch“ hervorheben: Hier improvisieren Sänger – sie begleiten sich selbst am Komus – bei Feierlichkeiten wettkampfartig über den Anlass der Feier.

 

Sie haben am legendären Tschaikovsky-Konservatorium noch zu Sowjetzeiten studiert. Was war das Besondere an der „russischen Schule“?

Eisenhut Das Streben nach Perfektion im instrumentaltechnischen Bereich, es wurde großer Wert auf Tonleitern und Etüden, aber auch auf entspannte Haltung und Spielweise gelegt. Die Kehrseite ist, dass Musik sehr ernsthaft betrieben wurde, das Spielerische war dann die Belohnung für die große Mühe.

 

Was hat Sie zur Barockvioline gebracht?

Eisenhut Die besondere Tongebung – Barockinstrument, Darmsaiten, Barockbogen – und die Lebendigkeit der Interpretation.

 

Wie sind sie zum SOV gekommen?

Eisenhut Ich habe im Orchester Philharmonia Wien gespielt, da waren auch Musiker aus Vorarlberg, die mich bei Michael Löbl empfohlen haben. Ich bin kurzfristig für ein Konzert des Ensemble Plus eingesprungen und dann hiergeblieben.

 

Sie haben als Solistin, als Konzertmeisterin und als Tutti-Geigerin gespielt. Was sind jeweils die Herausforderungen und was tun Sie am liebsten?

Eisenhut Als Solistin teile ich meine persönlichen künstlerischen Ideen mit den musikalischen Partnern. Als Konzertmeisterin kommuniziere ich mit dem Dirigenten, den Stimmführern der Streicher und den Solobläsern – der Dirigent Thomas Sanderling hat einmal zu mir gesagt, als Konzertmeister leitet man mit der Schulter – und versuche eine Einheit herzustellen. Im Tutti füge ich mich in allen musikalischen Belangen in die Gruppe ein. Alle Aufgaben sind spannend und interessant für mich. Was ich tue, das tue ich gerne.

 

Was hat Sie nach Vorarlberg geführt und was schätzen Sie hier?

Eisenhut Wie so oft in meinem Leben, die Musik. An Vorarlberg schätze ich das reichhaltige Kulturleben, meine Freunde, die ich hier gewonnen habe, meine Nachbarn, die immer hilfsbereit und freundlich sind, und natürlich die Natur mit ihren Bergen und Seen, die mich an meine Heimat Kirgistan erinnert.

 

Im nächsten Konzert spielen Volksweisen aus Rumänien und Armenien eine Rolle, bei Ligeti und Berio. Sind Sie in Ihrem Studium damit in Berührung gekommen?

Eisenhut Die Sowjetunion war ein riesiger Vielvölkerstaat. Volksweisen waren in den Kompositionen von vielen Komponisten präsent. Im Studienplan war auch das Fach Zeitgenössische Musik, wo wir natürlich auch Ligeti und Berio kennengelernt haben. Ende der 80er Jahre gab es Konzerte mit moderner Musik mit Gidon Kremer. Er hat sehr viel Schnittke gespielt, der auch Folklore-Elemente einsetzt.

 

Was ist für Sie das Besondere am SOV?

Eisenhut Die freundschaftliche Atmosphäre, die große Bereitschaft zum Proben und die Leidenschaft für Musik. UL

Nächste Termine: 17./18. September mit dem SOV in Feldkirch und Bregenz, 14. und 16. Oktober mit Concerto Stella Matutina in Götzis.