“Momo“ gegen die grauen Männer

Kultur / 20.09.2022 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch als Oper und Musical vertont, war Momo bereits mehrfach am Theater zu sehen – so auch bei der Premiere am vergangenen Sonntag in Götzis. <span class="copyright">Stefan Bösch</span>
Auch als Oper und Musical vertont, war Momo bereits mehrfach am Theater zu sehen – so auch bei der Premiere am vergangenen Sonntag in Götzis. Stefan Bösch

Wunderbarer Theaterabend des Spielkreis Jugend in Götzis.

GÖTZIS. Momo, die Hauptfigur aus Michael Endes gleichnamigem Kinderbuch, steht seit fast 50 Jahren für Freundschaft und Mut. Die Geschichte des kleinen Mädchens, das sich gegen die Zeit-Diebe stellt, wurde inzwischen in 46 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Auch als Oper und Musical vertont, war Momo bereits mehrfach am Theater zu sehen – so auch bei der Premiere am vergangenen Sonntag in Götzis.

Das kleine Mädchen lebt ohne Eltern in einem Amphitheater – doch allein ist sie nicht: Momo hat viele Freunde und ist bei allen beliebt, weil sie so gut zuhören kann. Die Dorfbewohner schließen Momo immer mehr ins Herz. Doch bald hat keiner mehr Zeit für den anderen – alle arbeiten nur noch. Schuld daran sind unheimliche graue Gestalten, die den Menschen die Zeit stehlen. Mit der Hilfe von Hora, dem Hüter der Zeit, kann Momo die Zeiträuber besiegen.

Bevor dies gelingt, wird die anfänglich Idylle zerstört, dargestellt durch den fortschreitenden Abbau des Amphitheaters auf der Bühne. Die Dystopie erreicht ihren Höhepunkt, wenn die anfangs einander zugewandten Freunde immer mehr auseinanderdriften. Die Blöcke des Amphitheaters fallen auseinander wie die Beziehungen der Figuren. Michael Ende hat in seinem Werk die Auswüchse und Folgen einer Gesellschaft dargestellt, deren oberste Maxime Rationalität, Nützlichkeit und Wachstum heißen. Dies führt zu Zeitdruck, Burn-out, Stress, Leistungsdruck – Symptome einer Gesellschaft, mit denen die Kinder heute konfrontiert sind. Doch durch die Rückbesinnung auf das Innerste des Menschen – wo nicht nur unsere eigenen Herzen schlagen, sondern auch die unserer Freunde – kann das selbst gewählte Hamsterrad verlassen werden. Wenn alle zusammenhelfen, wird die Idylle wieder errichtet.

Für Regisseur Stefan Bösch liegt der zentrale Aspekt in den Beziehungen der Figuren untereinander. Zuwenden, Zuhören und Zuschauen lösen die Differenzen auf, die rücksichtslose Eigenperspektive vertieft diese. Das Anliegen, nicht nur seine Sicht der Geschichte zu verwirklichen, sondern auch die der Jugendlichen, erreicht er zusammen mit der großen Energie und der Begeisterungsfähigkeit der Darsteller eindrucksvoll.

Paula Futscher hat die schwere Aufgabe übernommen, die Titelfigur zu spielen, und es gelingt ihr vom ersten Augenblick an, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Laura Dünser, Rafaela Hudec, Melissa Heinzle, Marius Krampl, Leandro Baur und Anika Fend als Kassiopeia überzeugen ebenfalls durch ihr beträchtliches schauspielerisches Talent. Natürlich tragen auch die Kinder, die alle mit großer Leidenschaft ihre Rollen spielen, zu diesem durch und durch gelungenen Theaterabend bei. Alle Darsteller spielen mit so viel Spaß und Vergnügen, dass die rund 1 1/2 Stunden wie im Fluge vergehen. Der langanhaltende Applaus am Ende bezeugte den gelungenen Abend. Auch das Fazit der zwölfjährigen Lina war eindeutig: „Es ist ein interessantes Theaterstück und die Schauspieler sind wirklich spitze. Ich kann „Momo“ absolut empfehlen.” Andreas Marte