Vorarlbergerin auf besonderer Italienreise

Kultur / 23.09.2022 • 17:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szene aus der Uraufführung „Little Italy“ von Kathi Klein. Kosmos/Mistura
Szene aus der Uraufführung „Little Italy“ von Kathi Klein. Kosmos/Mistura

Theater Kosmos hat dem Gedicht „Little Italy“ von Kathi Klein überzeugende Bühnengestalt verliehen.

Bregenz Der Titel evoziert sonnenbeschienene Landschaften und bestimmte Düfte, dass Kathi Klein in „Little Italy“ aber keine Italienklischees verquantet, davon geht jeder aus, der mit dem Werk der Schriftstellerin auch nur in Berührung gekommen ist. Nachdem die Vorarlbergerin (geb. 1996), die Sprachkunst und Philosophie studierte, zu den Preisträgerinnen der Wettbewerbe des Theaters Kosmos zählt, das von ihr etwa das Kurzdrama „Eine geschlossene Tür und davor und dahinter oder Gutenachtgeschichten“ zur Uraufführung brachte, ist das Team miteinander vertraut.

Sich für einen Text zu entscheiden, der als Gedicht ausgewiesen ist und der daher von Hubert Dragaschnig auch noch einiges an Dramaturgenarbeit verlangt, ist eine Herausforderung für alle. Für die Künstlerinnen und Künstler sowieso, aber auch für das Publikum ist er ein Gewinn, wenn es bereit ist, sich auf introspektive Literatur einzulassen.

Künstlichkeit und Überhöhung

Stephan Kasimir, der als Leiter der kleinen Kosmos-Bühne Kosmodrom in der Zusammenarbeit mit jungen Autorinnen und Autoren bereits enorme Vorstellungs- und Umsetzungskraft bewies, ist der geeignete Regisseur für ein solches Unterfangen. Mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Caro Stark leitet er auch das in Dornbirn verortete Ensemble Unpop. Stark verfrachtet die Akteurinnen hier in eine Installation aus gebrochenen Spiegeln, erzeugt mit lila glänzenden Anzügen und rosa Perücken viel Künstlichkeit bzw. eine weitere Überhöhung, tut aber genau das Richtige.

Jeder Ansatz von Realität in der Ausstattung bei dieser Italienreise einer Elisa, die nichts anderes als eine Reise ins Innere ist, die aber auch komplexe Themen wie Gentrifizierung und Umweltverschmutzung greifbar streift, würde die Tiefe, die der Text hat, verschleiern. Dass der Musiker Paul Winter die optische Ästhetik mit durchaus Hörfälligem unterwandert, hat ebenso seinen Reiz, wie der italienische Akzent, mit dem Kaija Ledergerber den Sätzen der Protagonistin nicht nur kurios kontert, sondern manch erzeugtem Bild in dieser Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten („Ich sitze am Bahnhof und warte auf einen verpassten Zug, einen, der abgefahren ist vor Jahren“) die Wehmut nimmt.

Subtil betonter Humor

Obwohl das Theater Kosmos zu jenen Unternehmen gehört, die sich noch die Mühe machen, hervorragende Programmhefte zu gestalten, wird auf die Aufzählung der Figuren in „Little Italy“ verzichtet. Das Spiel beginnt sozusagen mit deren Vorstellung, aber bald wird klar, dass Massimo und Shoeshine auch Aspekte der Persönlichkeit der Touristin, deren Fantasie oder deren Wunsch nach Erdung verkörpern. Dazu kommt ein Chor der Müllmänner in der Tradition der antiken Literatur, den alle vier Schauspielerinnen übernehmen. Dass gerade in diese Passagen auch Humor hereinweht, wird von Stephan Kasimir subtil betont. Überhaupt bezieht er daraus die Möglichkeit, mit Simone Loser viel Witz walten und den Partien von Laura Dittmann und Maria Strauss viel Luftigkeit angedeihen zu lassen.

Das geschieht in einer Konzentration, die auch Sätze fassbar macht, die weder Monologe sind noch zu Dialogen werden. Dass die Produktion trotz einiger Erzählpassagen nicht auseinanderdriftet und das an sich breit gefasste Thema, nämlich die Beschäftigung einer Person mit sich und der Welt, auf den Punkt bringt, ist eine überzeugende Leistung. Das Premierenpublikum hat diese und auch die anwesende Autorin mit viel Applaus bedacht. CD

Nächste Aufführung am 24. September und weitere bis 8. Oktober.