„Ich habe mich immer mit den Besten gemessen“

Kultur / 27.09.2022 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Am vergangenen Freitagabend lud das FLATZ Museum anlässlich des 70. Geburtstags des namengebenden Künstlers zur großen Ausstellungseröffnung ein.

Dornbirn Im Jahr 1977 ist der aus Dornbirn stammende FLATZ ein junger Vertreter der internationalen Kunstszene, der darauf brennt, seine Kunst und auch sich selbst zu etablieren. In dieser Zeit entstand über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg die ausgestellte Fotoserie.

FLATZ ist damals wie auch heute viel gereist und machte mit für ihn interessanten Künstlern Doppelportraits mit seiner Polaroid-Kamera. Mit seiner stets mitgeführten SX-70 Polaroid-Kamera lichtete er sich in jeweils gleicher Manier – bildmittig, nebeneinanderstehend und in Ganzkörperansicht – mit der anderen Person ab. Für diese Sonderausstellung hat der Künstler die besten daraus ausgesucht und diese signiert und datiert. Viele der Portraitierten lesen sich wie eine Bestenliste der Kunstwelt und haben – wie FLATZ selbst – mit ihrer Kunst Weltruhm erreicht. Unter den 120 Polaroids finden sich beispielsweise Gerhard Richter, Lawrence Weiner, Laurie Anderson, Sigmar Polke oder Valie Export, aber auch lokale Größen wie Richard Bösch, Tone Fink, Gottfried Bechtold und Kurt Matt.

Der bekannte Vorarlberger Künstler FLATZ.
Der bekannte Vorarlberger Künstler FLATZ.

Wie haben Sie Ihren 70. Geburtstag gefeiert?

FLATZ: Ich habe für 24 Stunden mein Telefon ausgeschaltet und habe den Tag allein verbracht. Als ich am anderen Tag die Mobilbox abhörte, waren 257 Anrufe samt Messages drauf.

In den Medien werden Sie meist als Aktionskünstler, Provokateur oder Extremist der Kunst betitelt. Was sind Sie wirklich?

FLATZ: Ich bin Mensch und Künstler. Alle meine Arbeiten sind aus meinen menschlichen Erfahrungen gespeist. Die Etiketten, die man als Künstler verabreicht bekommt, behält man ein Leben lang. Aber solange diese nicht negativ sind, ist es ok. Mich hat immer nur interessiert, ob etwas meinen Ansprüchen genügt.

Was kann, darf, soll, muss Kunst sein?

FLATZ: Kunst ist Kommunikation, Auseinandersetzung, Kunst ist Dialektik, um einen Dialog herzustellen. Das geht nur mit einer Sprache, mit der man jemanden erreicht. Natürlich hat jede Zeit ihre Sprache, somit verändert sich die Form, die mit der Zeit, der Epoche sowie der Haltung zusammenhängt. Sie ist etwas, was beweglich ist und sich verändert, wenn man sich selbst entwickelt. Kunst stellt nur Fragen, gibt keine Antworten.

Woran arbeiten Sie gerade?

FLATZ: Ich arbeite immer an mehreren Dingen gleichzeitig. Die nächste große Ausstellung ist im Museum König in Landshut am 15. Oktober. Ich lebe und arbeite in drei Städten, in München, Neapel und Namibia. Mein vielleicht letztes großes Projekt wird in der letzten Februarwoche des kommenden Jahres in Namibia stattfinden. Dort feiere ich auch gleich meinen 70. Geburtstag. Schließlich habe ich das ganze Jahr Geburtstag!

Die Idee sucht sich das Medium


FLATZ ist auch deshalb ein Ausnahmekünstler, weil er die Beherrschung mehrerer Kunstgenres dazu nutzt, seine Ideen in das dafür optimale Medium umzusetzen. FLATZ war Musiker (seine erste LP hat Kraftwerk produziert), spielte eine Hauptrolle in einem Film, drehte Filme als Regisseur, gewann einen Preis beim Festival in Locarno, inszenierte an den Münchner Kammerspielen, entwarf Bühnenbilder, baute Motorräder und noch vieles mehr. Insofern ist FLATZ tatsächlich ein „Extremist“ der Künste,

YAS

Doppelportraits in jeweils der gleichen Manier.
Doppelportraits in jeweils der gleichen Manier.

FLATZ “KÜNSTLER JÄGER 1977-1981”

Ausstellungsdauer: 11. September – 25. Februar 2022

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.