Da wird Schubert zum puren Vergnügen

Kultur / 05.10.2022 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Grazer Sopranistin Sophie Rennert sang Mozarts „Non temer amato bene“.
Die Grazer Sopranistin Sophie Rennert sang Mozarts „Non temer amato bene“.

Mix aus Liederabend und Kammerkonzert fand bei der Schubertiade begeisterte Aufnahme.

HOHENEMS Das war am Montag wieder einmal eines jener Konzerte mit „gemischtem“ Programm aus Liederabend und Kammerkonzert, die das Publikum so liebt und wie es das nur bei der Schubertiade gibt. Da kann man etwa Schuberts „Forelle“ in direkter Gegenüberstellung zum gleichnamigen Quintett erleben, in dem das Lied zur Keimzelle fantasiereicher Andante-Variationen wird.

Eine selbstredend exzellente Besetzung mit Sopran, Pianist und einem Streichquintett macht den Abend vollends zum puren Vergnügen für ein jubelndes Publikum im ausverkauften Markus-Sittikus-Saal, wo sich derzeit im finalen Zyklus des Festivals in 15 Konzerten Hochkaräter der internationalen Musikszene die Klinke in die Hand geben.

Den Beginn macht das 2003 gegründete, international gefragte junge Wiener Minetti-Quartett, bereits als „Ring Stars“ ausgezeichnet und vom legendären Alban-Berg-Quartett als Mentoren betreut. Bei der Schubertiade debütierten die „Minettis“ 2010 und waren seither jährlich zu Gast. Je zwei Damen und Herren bestechen zunächst optisch in der farblich geschmackvollen Abstimmung ihrer Kleidung zwischen sattem Grün und elegantem Schwarz, und eine solche Farbpalette findet sich auch im fröhlich aufblitzenden „Komplimentierquartett“. Joseph Haydn, der Meister des Streichquartetts, trat damit 1799 in eine Art Wettbewerb mit seinem Schüler Beethoven, den dieser mit seiner zukunftsweisenden Art gewann. Mit ihrem frischen, hellen Klang nehmen die vier Musiker Haydns Spätwerk jede Verzopftheit, erfreuen sich mit großer Spiellust an den harmlosen kleinen Überraschungen, die diesem Quartett den Namen geben.

Fazil Say am Klavier

Die Grazer Sopranistin Sophie Rennert ist seit vielen Jahren als feste Größe im Programm des Festivals verankert. Ihr erster Beitrag ist eine Konzertarie von Mozart, „Non temer amato bene“, die der aufregende türkische Pianist Fazil Say für sich und ein Streichquintett (mit Josef Gilgenreiner am Kontrabass) bearbeitet hat. Rennert gibt ganz die große Bühnenerscheinung, setzt ihr kultiviertes Piano, ihre gurrende Koloraturfreudigkeit gezielt gegen dramatische Ausbrüche um Liebe und Tod. Fazil Say nutzt die Gunst der Stunde für ein virtuoses Feuerwerk der Geläufigkeit an den Tasten, mit dem er die lyrische Melodie umspielt. Dann Schuberts launische „Forelle“, die die Sängerin zum Kabinettstückchen gekonnter Liedgestaltung hochstilisiert, ein Zwei-Minuten-Drama aus minimaler Körpersprache und großer Erzählkunst.

Das "Forellenquintett" ist natürlich Fixpunkt bei jeder Schubertiade.
Das "Forellenquintett" ist natürlich Fixpunkt bei jeder Schubertiade.

Das folgende „Forellenquintett“, ein mehrfacher Fixpunkt jeder Schubertiade, wird diesmal zu einer besonderen Version, die geprägt ist von der überschäumenden Künstlerpersönlichkeit des Pianisten Fazil Say. Bei so viel Leidenschaftlichkeit verzeiht man ihm auch gerne, wenn seine Begeisterung manchmal mit ihm durchgeht und er zu vordergründig wird. Ungeachtet dessen entsteht unter den Musikern ein dichtes Geflecht aus Geben und Loslassen, ein breit gespannter, naturhafter Bilderbogen von großer Farbkraft. Die dynamischen Exzesse im berühmten Variationensatz geben diesem scheinbar so harmlosen biedermeierlichen Werk den nötigen Pfeffer.

FRITZ JURMANN

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