Weltklasse am Nachmittag

Kultur / 09.10.2022 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
David Fray in seinem Lieblingsstuhl, den er jeweils auch nach Schwarzenberg mitnimmt.
David Fray in seinem Lieblingsstuhl, den er jeweils auch nach Schwarzenberg mitnimmt.

Fulminantes Klavierkonzert von David Fray in Hohenems.

Hohenems Der französische Pianist David Fray zählt zu den Topstars der jüngeren Generation. „Klavierspiel auf höchstem Niveau“, urteilte “The Guardian”, der “Spiegel” lobte seinen „singenden, tastenden und dennoch erzählerisch auftrumpfenden Klavierstil“. 1981 in Tarbes, Südfrankreich, geboren, begann David Fray im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel und absolvierte später seine Studien bei Jacques Rouvier am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris. Frays Liebe gilt vor allem den großen deutschen Komponisten: Bach, Mozart, Haydn, Brahms, Schumann und natürlich Schubert. Davon konnten sich die Besucher bei einem großartigen Konzert im Zuge der Schubertiade am Freitagnachmittag in Hohenems selbst überzeugen. “Der Teufel soll dieses Zeug spielen!”, schimpfte Franz Schubert über seine “Wanderer-Fantasie”, das Opus 15 in C-Dur (D 760), darüber verzweifelnd, dass er es selbst nie beherrscht hat. Ganz anders als Fray, der das so anspruchsvolle Werk mit einer technischen Meisterschaft, gepaart mit poetischer Sensibilität, spielte, die ihresgleichen weltweit sucht. Die musikalische Reife und die künstlerischen Fähigkeiten des Franzosen raubten dem fachkundigen Schubertiade-Publikum schier den Atem.

Standing Ovations

Im zweiten Teil des Klavierkonzerts folgte Franz Liszt. Der österreichisch-ungarische Komponist war so beeindruckt von den Klangmöglichkeiten, die sich in der Wanderer-Fantasie verbargen, dass er diese häufig aufführte und zusätzlich eine eigene Version für Klavier und Orchester schrieb. David Fray nutzte den Nachmittag, um die musikalische Verwandtschaft von Schubert und Liszt aufzuzeigen. Eine Hommage, bei der die ganze unglaubliche Virtuosität Frays zum Ausdruck kam. Die vier Stücke aus den „Années de Pèlerinage“ („Pilgerjahre“) komponierte Liszt in den Jahren 1835 und 1836, blind vor Liebe nach Marie Gräfin d’Agoult. Auch hier wieder atemberaubend, wie sicher Frays Technik ist, die bei diesem Werk auch absolut notwendig ist. Da fliegen die Finger nur so über die Tasten, jede Note sitzt perfekt, forte und piano greifen voller Leidenschaft und tiefer Emotionen kunstvoll ineinander. Nachdem der Jubel am Schluss kaum ein Ende finden wollte, gab der Pianist als Zugabe noch den 1. Teil der „Goldberg Variationen“ von Johann Sebastian Bach.

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