Weltklasse bei der Schubertiade

Kultur / 09.10.2022 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
David Fray spielte traumwandlerisch sicher, gepaart mit poetischer Sensibilität, die anspruchsvollen Werke.
David Fray spielte traumwandlerisch sicher, gepaart mit poetischer Sensibilität, die anspruchsvollen Werke.

Sabine Meyer und David Fray begeisterten an zwei Tagen das Publikum.

HOHENEMS Die deutsche Musikerin Sabine Meyer, gefeierte Klarinettistin aus Deutschland, wählte am vergangenen Donnerstag, bei ihrem zweiten Auftritt in diesem Zyklus im Markus-Sittikus-Saal, aus vielen ihr vertrauten Musikern eine Trio-Besetzung, die von Qualität und Internationalität sowie dem Unterschied der Generationen wohl schwer zu übertreffen ist. Gemeinsam mit Nils Mönkemeyer an der Viola und dem koreanischen Pianisten William Youn, die beide vom Alter her ihre Söhne sein könnten, entfaltete sich ein Abend des tiefgründigen gepflegten Musizierens, des gemeinsamen Atmens. Zur Einstimmung gibt es wieder Mozart, der die Klarinette so sehr geliebt und ihr im berühmten „Kegelstatt-Trio“ einiges an originellen Effekten zugedacht hat. Sabine Meyer ergreift gerne die Gelegenheit, führt alles mit viel Fantasie und Augenzwinkern aus und ist ohne Dominanz stets um eine ideale Balance bemüht, in der jedes der drei Instrumente seinen Platz hat. Die Primadonna spielen darf sie dann in der sehnsuchtsvollen Mozart-Arie „Ah, spiegarti, oh dio“, wo sie virtuos verblüffend viele gesangliche Elemente auf ihr historisches Instrument überträgt. Béla Bartóks Rumänische Volkstänze, von versonnen bis übermütig, bieten Viola und Klavier viele Ausdrucksmöglichkeiten. Zu einem Rausch der dunklen Klangfarben werden die kaum bekannten, expressiv ausgeführten Acht Stücke für Klarinettentrio des Deutschen Max Bruch, von dem eigentlich nur sein gefühlsbeladenes Violinkonzert geläufig ist. Hier entspinnt sich in lyrischen oder virtuosen Duetten zwischen der fein abgedunkelten Klarinette und dem wunderbar sonor intonierenden Bratschisten die Spannung zweier melancholisch geführter Gesangsstimmen, vielleicht eines Liebespaares, bis sie sich endlich in strömendem Zwieklang vereinen. Der exzellente junge Pianist ist mit hochromantischen Klangflächen und harmonischen Modulationen zur Stelle. Bei solcher Überfülle an Melodienseligkeit fühlt man sich wie in einem gut temperierten Wellenbad.

Starpianist David Fray

Die Liebe des französischen Starpianisten gilt vor allem den großen deutschen Komponisten: Bach, Mozart, Haydn, Brahms, Schumann und natürlich Schubert. Davon konnten sich die Besucher bei einem großartigen Konzert im Zuge der Schubertiade am Freitagnachmittag in Hohenems selbst überzeugen. „Der Teufel soll dieses Zeug spielen!“ schimpfte Franz Schubert über seine „Wanderer – Fantasie“, darüber verzweifelnd, dass er es selbst nie beherrscht hat. Ganz anders als Fray, der das so anspruchsvolle Werk mit einer technischen Meisterschaft gepaart mit poetischer Sensibilität spielte, die seinesgleichen weltweit sucht. Die musikalische Reife und die künstlerischen Fähigkeiten des Franzosen raubten dem Publikum schier den Atem. Im 2. Teil des Klavierkonzerts folgte Franz Liszt. Der österreichisch-ungarische Komponist war so beeindruckt von den Klangmöglichkeiten, die sich in der Wanderer-Fantasie verbargen, dass er diese häufig aufführte und zusätzlich eine eigene Version für Klavier und Orchester schrieb. Und David Fray nutzte den Nachmittag, um die musikalische Verwandtschaft von Schubert und Liszt aufzuzeigen. Eine Hommage, bei der die ganze unglaubliche Virtuosität Frays zum Ausdruck kam. Atemberaubend, wie sicher Frays Technik ist, die bei diesem Werk absolut notwendig ist. Da fliegen die Finger nur so über die Tasten, jede Note sitzt perfekt, forte und piano greifen voller Leidenschaft und tiefer Emotionen kunstvoll ineinander. Nachdem der Jubel und die Begeisterung der fachkundigen Zuseher am Schluss kaum ein Ende finden wollte, gab der Starpianist als Zugabe noch den 1. Teil der „Goldberg Variationen“ von Johann Sebastian Bach. VN-AMA, JU

Sabine Meyer gemeinsam mit Nils Mönkemeyer an der Viola und dem Pianisten William Youn.Schubertiade (2)
Sabine Meyer gemeinsam mit Nils Mönkemeyer an der Viola und dem Pianisten William Youn.Schubertiade (2)

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