Wortgewaltiger Familienkrieg ohne Adolf

Kultur / 19.10.2022 • 17:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei der Familienkonstellation im Hause Böttcher kann man schon mal leicht durcheinanderkommen.
              
              Praesens Film

Bei der Familienkonstellation im Hause Böttcher kann man schon mal leicht durcheinanderkommen.

Praesens Film

Melange aus Krieg und Komik in Sönke Wortmanns neuem Kinofilm.

Komödie Sönke Wortmanns Komödie „Der Vorname“ war 2018 ein veritabler Kinohit. Kein Wunder also, dass nun ein folgerichtig „Der Nachname“ betitelter Nachfolger ins Kino kommt. Erneut mit dem Starensemble um Iris Berben, Christoph Maria Herbst oder Caroline Peters besetzt, geht es diesmal im schnellen Sprachwitz nicht um die Konfrontation linksliberaler Bürgerkreise mit der neuen Rechten, sondern um Sexualität, Familienbilder und uneingestandene Schwächen. „Der Nachname“ stellt damit keine Wiederholung des Erfolgsrezepts von vor vier Jahren dar, das noch auf einem französischen Boulevardstück beruhte. Nun stammt das Originaldrehbuch gänzlich aus der Feder von Claudius Pläging, der als Autor auf lange Comedyerfahrung („Pastewka“) zurückblicken kann.

Versammlung auf Lanzarote

Spielte der Vorgänger, bei dem sich die Geschwisterpaare in der Debatte verstrickten, ob man seinen Sohn heute noch Adolf nennen kann, beinahe zur Gänze in der klaustrophoben Atmosphäre einer Wohnung, versammelt sich Familie Böttcher nun, zwei Jahre später, auf Lanzarote. In die dortige Finca hat Mutter Dorothea (Iris Berben) ihre Tochter Elisabeth (Caroline Peters), deren Mann Stephan (Christoph Maria Herbst), ihren Sohn Thomas (Florian David Fitz) und dessen Partnerin Anna (Janina Uhse) geladen. Und so durchweht stets ein frischer Wind die Szenen. Auch, als der Grund für die Zusammenkunft offenbart wird: Es ist derjenige, der vom Nachwuchs anfangs noch als die unwahrscheinlichste Möglichkeit für die Einberufung des Familienrates abgetan wurde: Die lebensweise Alt-68erin Dorothea hat ihren Adoptivsohn René (Justus von Dohnányi) geheiratet und dessen Nachnamen angenommen. Die folgende Debatte um die Bedeutung des neuen Nachnamens wirkt zwar etwas gekünstelt – aber gut, irgendwie muss die Anbindung an den Vorgängerfilm ja gewährleistet werden. Und letztlich dient die Diskussion darüber, ob Mama nun „König“ heißen darf, lediglich als Türöffner für ganz andere Debatten in der Familie.

Der Nachname

Regie Sönke Wortmann

Darsteller Iris Berben, Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz,
Caroline Peters, Justus von Dohnányi

Start 20. Oktober

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