Fotos von enormer Erzählkraft

Kultur / 21.10.2022 • 17:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Vorarlberger Marko Zink hat sich als Fotokünstler international etabliert. R. Sagmeister
Der Vorarlberger Marko Zink hat sich als Fotokünstler international etabliert. R. Sagmeister

Der Künstler Marko Zink bereitet besondere Ausstellungsprojekte vor.

Bregenz, Wien Mitte Dezember wird im Vorarlberg Museum in Bregenz eine Ausstellung eröffnet, in der sich österreichische Geschichte und der Umgang damit aussagekräftig verdichten. Die dabei zu sehenden Exponate wurden mittlerweile in mehreren Ländern gezeigt. 2019 aber an dem Ort, an dem die Fotografien entstanden sind, die der Vorarlberger Künstler Marko Zink für sein Projekt über die Gedenkstätte im einstigen KZ Mauthausen bearbeitete. Er hatte den Ort in Oberösterreich über die Jahre mehrmals besucht, um sich klar zu werden, ob er eine solche Arbeit überhaupt bewältigen kann. Gelungen ist ihm ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur.

Als außergewöhnlichen Künstler schätzt ihn die Geschichtswissenschaftlerin und Gedenkstätten-Direktorin Barbara Glück. Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, sei es umso wichtiger, Sehhilfen zu bieten, um den Ort und dessen Geschichte besser verstehen zu können.

Familiäre Prägungen im Montafon

Bevor Marko Zink nun dieses spezielle Projekt erstmals auch in seiner Heimat zeigt, wurde der Künstler zum Rotlicht Festival, einer international ausgerichteten Veranstaltung für analoge Fotografie, in Wien geladen. Dabei zeigt er Fotografien aus seinen anderen Werkgruppen inklusive jener mit starkem Vorarlbergbezug. In den Arbeiten des 1975 in Gaschurn geborenen Künstlers spiegelt sich seine intensive Auseinandersetzung mit der Gegenwartsliteratur, der eigenen Biografie, familiären Prägungen im Montafon und mit den Veränderungen, denen sich Menschen zu stellen haben. Das führte beispielsweise zur Zusammenarbeit mit der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die einige Texte zu seinen Werken verfasst hat, und zu fotografischen Arbeiten bzw. Installationen, die sich wie Bildgeschichten lesen, obwohl sie das vom Format her nicht sind.

Zink entwickelte ein derart subtiles Spiel mit Masken oder tierischen Verkleidungen, dass es den Betrachterinnen und Betrachtern seiner Bilder möglich wird, Detail um Detail in eine Szene einzudringen, die sich zu einem Theaterraum öffnet, in dem sich wie etwa in der Serie in der Stube eines Montafoner Hauses eine Familiengeschichte abzeichnet. Es ist ein Abschiednehmen, aber auch ein sachtes und gerade deshalb so schönes Festhalten an Erinnerungen. Marko Zink hätte vielleicht auch literarisch tätig sein können, die Annahme, dass er sich Videoarbeiten zuwendet, ist bei der Betrachtung seiner Bilder nicht von der Hand zu weisen. Warum? Weil in diesen Arbeiten so viel Kraft steckt, weil die Nähe zur Literatur, zur Malerei und zum Film offenkundig ist. Die Bilder brauchen aber keine weitere Bewegung, um ungemein viel aussagen zu können.

Ausstellung in Wien

Der Vorarlberger Künstler arbeitet mittlerweile in Wien. Im Gespräch mit den VN verwies er besonders darauf, dass er als Jugendlicher vom Pädagogen, Künstler und Schriftsteller Ingo Springenschmid gefördert und zu künstlerischer Betätigung animiert wurde. Er entschied sich unter Entbehrungen zur universitären Ausbildung an verschiedenen Institutionen, die er jeweils mit Auszeichnung abschloss. In Vorarlberg waren seine Arbeiten unter anderem im Künstlerhaus Bregenz und in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen. In Wien wird er von der Galerie Michaela Stock vertreten. Im Rahmen des Wiener Rotlicht Festivals wurden ihm für die Präsentation seiner Arbeiten einige Räume am Franz-Josef-Kai 3 eingerichtet, wo die Ausstellung „Manege frei in Suite 17“ vom 20. Oktober bis 27. November von Mittwoch bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, zu sehen ist.

Arbeit aus Marko Zinks Werkserie „Ich habe dir nie was versprochen“. Marko Zink
Arbeit aus Marko Zinks Werkserie „Ich habe dir nie was versprochen“. Marko Zink

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