Tanz, Doppelkonzert und eine große Sinfonie

Kultur / 25.10.2022 • 17:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Violonist Benjamin Herzl und Xandi van Dijk an der Viola.
              
              Mathis Fotografie (2)

Violonist Benjamin Herzl und Xandi van Dijk an der Viola.

Mathis Fotografie (2)

Beethoven, Britten und Mozart an einem Abend.

Feldkirch Das Konzert 2 des Symphonieorchesters Vorarlberg startete am Sonntagabend im Feldkircher Montforthaus mit Ludwig van Beethovens 12 Kontretänzen, die er seinen Vorbildern Mozart und Haydn nacheifernd in der Zeit zwischen 1792 und 1801 komponiert hatte und zehn Minuten später ausgetanzt waren. Im Anschluss konnte dann das Publikum erleben, was geschieht, wenn ein ausgezeichnetes Orchester, zwei sensationelle Solisten und ein professioneller Dirigent zusammentreffen: höchster musikalischer Genuss.

Zwei tolle Solisten

Nachdem Benjamin Britten den ersten Entwurf des Doppelkonzerts für Violine, Viola und Orchester fertiggestellt hatte, komponierte er drei Wochen lang seine „Sinfonietta für Kammerorchester“. Obwohl die Skizze für das Doppelkonzert, ungewöhnlich für Britten, in praktisch jedem Detail vollständig war, fertigte der Komponist nie eine vollständige Partitur des Werks an und unternahm keinen Versuch, es aufführen zu lassen. Und so dauerte es bis ins Jahr 1987, bevor es zur Uraufführung kam. Zum Glück nahm sich das Symphonieorchester dieses großartigen Werkes an und engagierte zwei Solisten mit ungeheurer Leidenschaft und hörbar großem Vergnügen. An der Violine Benjamin Herzl, 1994 in Salzburg geboren und unter anderem Preisträger des 23. Internationalen Johannes Brahms Wettbewerbs 2016, sowie Xandi van Dijk, geboren und aufgewachsen in Kapstadt, Mitglied des international renommierten Signum Quartetts, an der Viola spielten beide technisch perfekt, selbst die höchsten Töne saßen glasklar, forte und piano meisterhaft variiert. Der zweite Teil stand dann ganz im Zeichen von Mozart. Im Sommer 1788 schrieb der Komponist innerhalb von rund sechs Wochen fast in einem Zug seine drei letzten Sinfonien nieder, die zugleich als seine bedeutendsten gelten: die Sinfonien Nr. 39, Nr. 40 und Nr. 41. Die „Große G-Moll-Sinfonie“ wurde nach seinen Lebzeiten ein Welterfolg, das Eröffnungsmotiv schaffte es bis in die Werbung.

Große G-Moll-Sinfonie

Das berühmte Thema zeugt in seiner Einfachheit von erregter Unruhe und zeigt trotz seiner vielfältigen Verwendung vom Pop-Arrangement bis zum Handy-Klingelton dank der klaren Interpretation des Symphonieorchesters kein bisschen Abnutzungserscheinungen. Gérard Korsten lässt die Musikerinnen und Musiker zur Höchstform auflaufen. Anmutig im ersten Satz endend mit der dunklen Harmoniefolge führt Korsten eindrucksvoll in das erhabene Andante, bevor er zum schnellen dritten Satz leitet. Das Werk endet in unnachgiebiger Bitterkeit, sprüht voll Authentizität drohend entschlossen, Mozarts schwarze Gedanken freien Lauf zu lassen, alle Hoffnung ist verloren. Langanhaltender Applaus des begeisterten Publikums.

Gérard Korsten ließ das Symphonieorchester Vorarlberg zur Höchstform auflaufen.
Gérard Korsten ließ das Symphonieorchester Vorarlberg zur Höchstform auflaufen.

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