Zwei Frauen und die große Trauer

Kultur / 27.10.2022 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Form und Gestalt nahm ihre Trauer durch italienische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts an. <span class="copyright">vf</span>
Form und Gestalt nahm ihre Trauer durch italienische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts an. vf

Mit einem musikalischen Blick auf zwei wichtige Frauen im Leben Jesu trumpfte die Konzertreihe in der Basilika Rankweil auf.

Rankweil Es ist ja schon so eine Sache, dass den Frauen in der Geschichte oder auch den Geschichten nicht selten „nur“ der Platz der Bangenden, Weinenden, Trauernden zugestanden wird.

Die „Heldentaten“ vollbringen die anderen. Das war im Grunde auch beim Thema, das sich das vorletzte Rankweiler Basilikakonzert dieser Saison vorgenommen hat, nicht anders. Wenn aber musikalisch so schön getrauert wird, dann sei der Rest verziehen.

Wunderbar gestaltete die Sopranistin Anna Willerding die Arien.
Wunderbar gestaltete die Sopranistin Anna Willerding die Arien.

Worum ging es also? Unter dem Motto „Meer meiner Tränen“ tauchte man ab in die Welt jener zwei wichtigen Frauen im Leben Jesu, die ihn wohl bis zuletzt begleiteten: Maria Magdalena und Maria, seine Mutter. Form und Gestalt nahm ihre Trauer durch italienische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts an. Und darüber lässt sich überhaupt nicht klagen.

Wunderschön musizierte das Vorarlberger Ensemble Adornamento (Verena-Breuss-Zeisler, Rebecca Plane, Lukas Breuss-Zeisler, Florian Andreas Giesa und Agata Meissner), das sich als Originalklangensemble schon über die Grenzen des Landes einen Namen gemacht hat. Wunderbar gestaltete die Sopranistin Anna Willerding die Arien der Maria Magdalena aus den Oratorien „La Conversione di Maddalena“ von Giovanni Battista Bononcini und „Maddalena ai piedi di Cristo“ von Antonio Caldara. Einfühlsam, mit einer unglaublichen Wärme in der Stimme ließ Willerding innigste Liebe und größten Schmerz nachempfinden.

Einfühlsam, mit einer unglaublichen Wärme in der Stimme ließ Willerding innigste Liebe und größten Schmerz nachempfinden.
Einfühlsam, mit einer unglaublichen Wärme in der Stimme ließ Willerding innigste Liebe und größten Schmerz nachempfinden.

Zu einem ganz besonderen Hörerlebnis wurde hier das Wiegenlied „Canzonetta spirituale sopra la Nanna“ von Tarquinio Merula. Dabei wird das sanfte Schlummerlied, das die Mutter ihrem Kind singt, immer wieder von Vorahnungen durchbrochen. Die Idylle zerfällt unter den Vorboten des Schicksals. Was Mutter und Sohn bleibt, ist der Moment. Einfach nur schön, darf man da neidlos zugestehen.

Überhaupt verstehen es auch die Ensemblemusiker ihr Können auszuspielen. Bestes Beispiel sind hier u. a. die Sonate für Cembalo solo in g-Moll von Giovanni Benedetto Platti, Op. 1 Nr. 4 oder das Konzert für Violoncello RV 421. Fein akzentuiert holten hier Florian Andreas Giesa am Cello bzw. Agata Meissner am Cembalo die Musik ferner Tage in die Gegenwart zurück.

Das Fazit nach gut 70 Minuten „Sonntagskonzertmusik vom Feinsten“ konnte so einfach nur lauten: Danke schön, es war ein Erlebnis.

Veronika Fehle

Das letzte Basilikakonzert der Saison, „Totentanz – Motette von Hugo Distler“, findet am 13. November, 17 Uhr, in der Basilika Rankweil statt: www.basilikakonzerte.at

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