Die Schweizer “Fledermaus” überzeugt musikalisch

Kultur / 01.11.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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"Die Fledermaus" in St. Gallen ist ein musikalischer Genuss. Ludwig Olah (3)

Wiener Walzerseeligkeit in St. Gallen

St. Gallen Das Gute zuerst: Die Rollen sind großartig besetzt, schauspielerisch und gesanglich auf hohem Niveau. Ekatarina Bakanova spricht die Rolle der Rosalinde von Eisenstein mit ihrem russischen Akzent sehr charmant, ihre Gesangsstimme ist ohnedies von bezaubernder Klarheit. Theresa Steinbach als Adele und Jennifer Panara in der Männerrolle des gelangweilten Prinzen Orlofsky singen ebenfalls bezaubernd. Auch die Männerrollen, allen voran Vincenzo Neri und Manuel Günther als Gabriel von Eisenstein und Liebhaber Alfred sind überzeugend. Nicht nur eine stimmliche, sondern eine körperliche Wucht ist der Isländer Kristján Jóhannesson als Gefängnisdirektor Frank. Die auffallenden Kostüme von Claudio Pohle sind allesamt ein positiver Blickfang. Wunderschön anzusehen sind die drei Tanzpaare (Choreografie von Kinsun Chan), die so mühelos über das Parkett schweben, als könnten sie jeden Augenblick gänzlich den Boden unter ihren Füßen verlassen. Die unsterbliche Musik von Johann Strauß wird vom Sinfonieorchester St. Gallen unter dem großartigen Dirigenten Michael Balke schmissig, temperamentvoll und walzerseelig gespielt, großes Kompliment auch an den von Franz Obermair einstudierten hervorragenden Chor.

Tolle Tanzeinlagen und schöne Kostüme.
Tolle Tanzeinlagen und schöne Kostüme.

Der einzige, allerdings große Wermutstropfen ist die Inszenierung von Guta Rau. Nichts bleibt übrig vom berühmten Wiener Schmäh, der Charme der Operette wird gegen Klamauk eingetauscht. Nur weil das Dienstmädchen Adele andauernd und vollkommen unpassend „saugeil“ zu allem und jedem sagt, macht es diese „Fledermaus“ nicht modern, ganz im Gegenteil, darüber lacht man seit 20 Jahren nicht mehr. Rau inszeniert die Operette so übertrieben und schrill und verliert sich so sehr im Unnötigen, dass es einfach nicht witzig ist. “Die Fledermaus” als „Nonplusultra der Wiener Operette“, wie sie Volker Klotz zurecht bezeichnet hat, wird so zu einer Art schlichter Bauernkomödie.

Ekatarina Bakanova und Vincenzo Neri.
Ekatarina Bakanova und Vincenzo Neri.

Dennoch: Wer einen Abend mit schöner Walzermusik, tollen Stimmen und ansehnlichen Tanzeinlagen erleben möchte, dem sei ein Besuch in St. Gallen empfohlen.

Alle Termine unter:

https://www.theatersg.ch

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