Moor las Zweig in Schaan

Kultur / 02.11.2022 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der TV-Moderator Max Moor las in Schaan Stefan Zweigs "Die Schachnovelle".   <span class="copyright">Barbarella Entertainment</span>
Der TV-Moderator Max Moor las in Schaan Stefan Zweigs "Die Schachnovelle". Barbarella Entertainment

„Die Schachnovelle“ begleitet von nordischer Jazzmusik.

Schaan Max Moor, Schauspieler, Autor und Moderator der ARD-Kultursendung »ttt – Titel, Thesen, Temperamente«, las am vergangenen Wochenende im Liechtensteiner TAK aus Stefan Zweigs »Schachnovelle«. Moor begann seine Laufbahn beim ORF, wo er von 1985 bis 1990 das Kulturmagazin “Kunststücke” moderierte. „Die Schachnovelle“, den meisten als Schullektüre aus dem Deutschunterricht bekannt, ist wohl das bekannteste Werk von Zweig, zugleich auch das letzte, da sich der jüdische Schriftsteller 1942 kurz nach Beendigung der Novelle im brasilianischen Exil das Leben nahm.

Der Inhalt ist schnell erzählt: An Bord eines Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires wird Schach gespielt. Was als harmloser Zeitvertreib wohlhabender Reisender beginnt, ruft im geheimnisvollen Dr. B. traumatische Erinnerungen an seine Zeit als Gefangener der Gestapo in Österreich wach. Während seiner Gefangenschaft bekam er zufällig ein Buch über Schachpartien in die Hände und so begann er, lange imaginäre Partien gegen sich selbst zu spielen, um die Folter der Isolationshaft zu überstehen. Auf dem Schiff, das ihn ins Exil nach Amerika bringt, tritt er dann das erste Mal gegen einen wahren Schachgroßmeister an. Max Moor schafft es sehr schnell, mit seiner sonoren Stimme und seiner Redekunst, das Publikum in den Sog des Geschehens hineinzuziehen. Bald ist man selbst Teil der Schiffgesellschaft, man fühlt die ausweglose Einsamkeit der Gefangenschaft von Dr. B. in Wien und man sieht Schachfiguren vor dem inneren Auge. Auf fast hypnotische Weise nimmt Moor die Zuhörer mit auf den Weg durch die Erzählung.

Emil Brandquist Trio
Emil Brandquist Trio

Der mitreißende Ein-Personen-Vortrag wurde vom Emil Brandqvist Trio begleitet, das bereits bei seinem JAZZnights-Debüt im Januar 2017 in der Glocke begeisterte. Emil Brandqvist am Schlagzeug, die rollenden Neo-Klassizismen des finnischen Pianisten Tuomas A. Turunen und die treibende Kraft im Kontrabass-Spiel von Max Thornberg verleihen dem Trio einen unverwechselbaren Körper. Das Trio bot feinfühligen, von Claude Debussy und Bill Evans inspirierten modernen Klavier-Jazz und begleitete auf ganz besondere Weise die Erzählung.

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