Zooming in on Loss

Kultur / 03.11.2022 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Zooming in on Loss“ am Spielboden Dornbirn.Christian Haiböck
„Zooming in on Loss“ am Spielboden Dornbirn.Christian Haiböck

Tanz, Ausstellung und Filme zum Thema Demenz.

Dornbirn Die beiden vergangenen Abende standen im Dornbirner Spielboden ganz im Zeichen von WArd/waRD, der niederländisch-flämischen Tanzkompanie der belgischen Choreografin Ann Van den Broek. Der zweite Teil der Memory Loss Collection von Ann Van den Broek beschäftigt sich mit dem Thema Gedächtnisverlust. In “Zooming in on Loss” geht es um den inneren Kampf und den Verlust, wenn man langsam sein Gedächtnis und die Kontrolle über sich verliert. Das Werk wirft einen glasklaren Blick mitten hinein in die Beziehung zwischen den betroffenen Menschen und ihrem sozialen Umfeld.

„Heftig. Schockierend. Emotional. Dies sind nur einige Worte, die wir mit „Zooming in on Loss“ verknüpfen. Als ob wir gerade gespürt hätten, wie es ist, Schritt für Schritt das Gedächtnis zu verlieren“, schrieb The Daily Indie über die Produktion und tatsächlich ist die Produktion sehr verstörend und eindringlich. Die Musik und Geräusche spielen eine entscheidende Rolle, die drei Darsteller gestalten mit ihrer Stimme und Effektpedalen den Sound live. Das Stück selbst ist von aufwendigen Recherchen zum Thema Gedächtnisverlust inspiriert und bietet den Zuschauern ein intimes und rhythmisches Erlebnis.

Desorientierung und Chaos

Wut, Frustration, Trauer, Schmerz, Resignation und Gleichgültigkeit sind Teil des Live-Soundtracks. In der Aufführung verschmelzen Performance, Sound, Sprache, Video und Emotionen. Der Stil ist dunkel und physisch durchdringend. Die Grenzen verschwinden, Klarheit wird durch Desorientierung, Verwirrtheit, Chaos und Wahnsinn ersetzt. Wiederholung und fehlende Wiedererkennung sind die neuen Normen.

Am Freitagabend geht es im Spielboden um die positiven Wirkungsweisen von Kunst und Kultur auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen. Das ARTS for HEALTH AUSTRIA-Team, bestehend aus Künstlern, Gesundheitsprofis und Wissenschaftler ntritt mit der Soiree „Kunst trifft Gesundheit“ auf. Diese soll das Bewusstsein für die Rolle von Kunst und Kultur für die Gesundheit und das Wohlbefinden steigern. Mit Beiträgen von Katy Geertsen (Tanz), Edith Wolf Perez (Präsentation), Arts for Health Austria, Jennifer Davison (Gesang), Bea Robein (Gesang), ArtWave, Oliver Graber (Klavier, Präsentation) und Ludwig Med. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.

Im Frühjahr 2017 wanderten zwei Kameras durch die Hände von zehn Männern und sieben Frauen, die alle an Demenz erkrankt sind. Anlässlich des Weltalzheimertages 2017 waren die Fotos, die diese sehr unterschiedlichen Menschen von ihrem Alltag gemacht haben, erstmals in einer Ausstellung zu sehen. Auf der Galerie des Spielbodens sind die Bilder zum 5.11. im Rahmen zu sehen. Am Samstagabend steht um 19.30 Uhr „The Father“ auf dem Programm. Der von Florian Zeller inszenierte Spielfilm ist das berührende Porträt eines Alzheimerkranken aus dessen Sicht gefilmt, großartig gespielt von Anthony Hopkins als der kranke Vater und Olivia Colman als fürsorgliche Tochter. Anschließend an den Film gibt es ein Gespräch mit Dr. Albert Lingg.

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