„Nur Nachts.“ in Feldkirch

Kultur / 04.11.2022 • 17:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Text stammt von der bekannten Schriftstellerin und Dramatikerin Sibylle Berg. Sarah Mistura
Der Text stammt von der bekannten Schriftstellerin und Dramatikerin Sibylle Berg. Sarah Mistura

Werk von Sibylle Berg im Theater am Saumarkt.

Feldkirch Für die Theaterkompanie walktanztheater.com ist die Stückwahl eher ungewöhnlich, kein Projekt mit Recherche und einer Schriftstellerin, die alle Erkenntnisse in einen Text fasst, sondern das Herangehen an ein literarisch großartiges und herausforderndes Stück, das Einsamkeit, die Suche nach Identität, sowie Sehnsucht und Vergeblichkeit untersucht.

Der herausfordernde Bühnentext der bekannten Schriftstellerin und Dramatikerin Sibylle Berg bietet aber ausreichend Stoff für eine Beschäftigung mit sehr essenziellen Fragen zur Verbindlichkeit zwischen Menschen wie zu zwischenmenschlichen Dynamiken, die nicht vorhersehbar sind. Das Thema der persönlichen Isolation ist hier in einen sehr feingliedrigen, hochaktuellen Text verpackt.

Horrorszenarien

Dem Namen nach sind sie füreinander bestimmt: Peter und Petra, alleinlebend in mittelständisch möblierten Wohnungen, gepflegter Durchschnitt, sich gesund ernährendes Mittelmaß. Aber sie sind eben nicht mehr die Jüngsten und taugen nicht so recht für die große Liebe. Oder kann man mit Mitte 40 noch einmal neu anfangen? Ihr Midlife-Kriseln, das Gefühl, trotz guten Auskommens gescheitert zu sein, zieht Peter und Petra fast magisch an.

Sie wollen heiraten, zusammenziehen, ein neues Leben beginnen. Doch so leicht lassen sich die Gespenster der Single-Vergangenheit nicht abschütteln: Zwei Geister suchen die beiden heim, um ihren Heiratsplan zu hintertreiben. Sie beschwören uralte Versagensängste, Horrorszenarien des Paaralltags, Visionen von Altersarmut und Verlassenwerden. Wie verführerisch scheint es dagegen, der Tristesse der Sicherheiten treu und mit sich allein zu bleiben.

Die Inszenierung ist als sarkastisch-ironische, manchmal fast ins comicartige überdrehte Komödie angelegt, beschreibt Brigitte Walk ihr Regiekonzept. Es lebt von Rhythmus, Slapstick, Musik, Choreografien, Projektionen und zwei Schauspielern, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig agieren, dabei verschiedene Perspektiven einnehmen – hauptsächlich in Sprache und Raum verortet – und ihre Figuren wie ihre Ängste und Geister selbst spielen. „Hoffnung war noch nie meine Kernkompetenz“, bekennt Sibylle Berg. Die Autorin wurde in Weimar geboren und lebt heute als Dramatikerin und Publizistin in Zürich. Sie hat zahlreiche Romane und Theaterstücke verfasst, die zusammen mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt wurden.

Theater am Saumarkt, Feldkirch, Premiere: 5. 11. 2022; Weitere Vorstellungen: 7. 11. / 8. 11. / 28. 11. / 29. 11. 2022, jeweils 19.30 Uhr, Sonntag, 6. 11. 2022, um 17 Uhr

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