„Sonnengesang“ von Franz von Assisi in Bezau

Kultur / 04.11.2022 • 17:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gerhard Winkler in seinem Atelier in Dornbirn. Bucher
Gerhard Winkler in seinem Atelier in Dornbirn. Bucher

Zehn wunderschönen Hinterglasarbeiten von Gerhard Winkler.

Bezau Gerhard Winkler, der 1939 in Wien geborene Künstler, lebt und arbeitet seit 1963 in seiner Wahlheimatstadt Dornbirn. Nach dem Studium der Geschichte und Pädagogik an der Universität Wien studierte er von 1957 bis 1963 an der Akademie der bildenden Künste und erhielt 1963 einen Preis der Akademie Wien. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1999 war Winkler als Lehrer in Vorarlberg tätig, wo er 1989 zum Oberstudienrat ernannt und im Jahr 2001 mit dem großen Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet wurde. Neben zahlreichen Einzelausstellungen (Kunstraum Dornbirn, Galerie der Dornbirner Sparkasse) und Ausstellungsbeteiligungen setzte sich Winkler auch zeitlebens mit Kunst im öffentlichen Raum auseinander, beispielsweise mit der Brunnenplastik im Friedhof Rohrbach, bei der Wandgestaltung im Eingangsbereich der Hauptschule Baumgarten (beide in Dornbirn), aber auch mit drei sechs Meter langen Engeldarstellungen bei der Kirche Tisis, die er Hoffnung, Glauben und Liebe widmete. Jahrelang als Gymnasialprofessor und zudem in der Lehrerfortbildung tätig, brachte Winkler seine Sorgen um die Zukunft zum Ausdruck. „Nie wieder Krieg, dafür Freiheit, Frieden und eine Gesellschaft, die Kultur ermöglicht, sie sichtbar werden lässt. Diese Freiheit möge auch in der Zukunft erhalten bleiben“, sagt der Maler. Aus diesem Grund besuchte er mit seinen Schülern immer wieder Museen, funktionierte den Dornbirner Marktplatz zu einem Freiluftatelier um oder organisierte 30 Jahre lang ehrenamtlich Kunstfahrten.

Gebet aus dem 13. Jahrhundert

Sinnstiftung findet der Künstler, der unter anderem bei Melcher und Boeckl studierte, zudem in der Spiritualität. Winkler befasste sich intensiv mit dem Leben von Franz von Assisi, ganz besonders angesprochen fühlte er sich von Anfang an vom „Sonnengesang“, einem Gebet Franz von Assisis aus dem 13. Jahrhundert. Diesen Lobgesang interpretierte der Künstler mit Hinterglasbildern neu. Das Preisen der Schönheit der Schöpfung und der Dank an den Schöpfer werden in leuchtenden Bildern visualisiert, lassen die Augen auf den Details ruhen, erzeugen Stille.

In seinem Buch „Sonnengesang“ verdeutlichte Winkler gemeinsam mit Willibald Feinig, der die Texte neu übersetzt hat, die Nähe von Mensch und Natur. Der spirituelle Zugang von Franziskus zur Natur beeindruckt Winkler auch heute noch, ebenso wie die Zeitlosigkeit des Gebetes. Die zehn wunderschönen Hinterglasarbeiten sind im Franziskanerkloster Bezau zu besichtigen. VN-AMA

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