Ich durfte am Tisch der Götter sitzen

Kultur / 11.11.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Oskar Werners "Hamlet" am Wiener Burgtheater gilt bis heute als Maßstäbe setzend.     <span class="copyright">Oesterr. Theatermuseum/Rosemarie Clausen</span>
Oskar Werners "Hamlet" am Wiener Burgtheater gilt bis heute als Maßstäbe setzend. Oesterr. Theatermuseum/Rosemarie Clausen

Oskar Werner wäre am kommenden Sonntag 100 Jahre alt geworden.

Triesen Auch 38 Jahre nach seinem Tod ist die Erinnerung an Oskar Werner alles andere als verblasst. Die österreichische Schauspiellegende ging als charismatischer Theaterstar, rebellischer Künstler und schwieriger Mensch in die Geschichte ein.  Früher Ruhm, hohe Sensibilität und ein letztendliches Scheitern am Leben prägten die Vita des Künstlers mit der einzigartigen Ausdrucksweise.

Oskar Werner wurde am 13. November 1922 als Oskar Josef Bschließmayer in Wien geboren. Bereits mit 19 Jahren schaffte er den Sprung ans Wiener Burgtheater, ohne je Schauspielunterricht genossen zu haben. Er spielte “Don Carlos”, “Torquato Tasso” und “Hamlet” mit eindringlicher Körpersprache und seiner unvergleichlichen Stimme. Für ihn war das “wahre Theater” Credo, das Regietheater lehnte er kompromisslos ab, er war von der Kraft der Darsteller überzeugt. Diese Kompromisslosigkeit brachte ihn zunehmend in die Rolle des “Schwierigen” im Umgang mit Regisseuren und Theaterdirektoren.

Seine Arbeit in Hollywood war ebenfalls von dieser Einstellung geprägt. Die amerikanische Filmindustrie war auf den Wiener aufmerksam geworden, als er 1948 im Klassiker “Der Engel mit der Posaune” mitwirkte. Bereits in seinem ersten Hollywoodfilm, “Entscheidung im Morgengrauen”, einem beklemmenden Kriegsfilm mit politischem Bekenntnis, überzeugte Werner in der Hauptrolle Publikum wie Kritik. Daraufhin erhielt er einen Sieben-Jahres-Vertrag mit der 20th Century Fox, den er jedoch kündigte, als er mit den angebotenen Rollen nicht einverstanden war.

Oskar Werner war auch immer wieder in Vorarlberg zu Gast. Hier mit dem Bariton Hermann Prey bei der Schubertiade in Hohenems.    <span class="copyright">Rudolf Zündel</span>
Oskar Werner war auch immer wieder in Vorarlberg zu Gast. Hier mit dem Bariton Hermann Prey bei der Schubertiade in Hohenems. Rudolf Zündel

Wieder zurück in Europa ließ sich Oskar Werner ganz in der Nähe von Vorarlberg, in Triesen nieder. Er nannte sein Liechtensteiner Haus „Teixlburg“, bezugnehmend auf seinen Spitznamen „Teixl“ (Wienerisch für Teufel). „Ich habe mir hier ein kleines Häuserl gebaut, in dem ich schon zwei Jahre wohne, am Berg oben, das Rheintal überschauend, still, einsam, viel mit mir beschäftigt, wie ein richtiger Dichter und dabei bin ich nur ein Schauspieler.“

Amerika hinter sich lassend, startete er jetzt seine erstaunliche europäische Filmkarriere: 1955 spielte er in Georg Wilhelm Pabsts Film “Der letzte Akt” und in “Lola Montez” von Max Ophüls. Für François Truffaut war er 1962 der Jules in der berühmtesten Ménage à trois der Filmgeschichte “Jules et Jim”. Vier Jahre später beeindruckte Werner in “Fahrenheit 451”, 1965 spielte er unter anderem an der Seite von Vivien Leigh, Simone Signoret, José Ferrer, Lee Marvin und Heinz Rühmann im „Narrenschiff“. Neben Anthony Quinn war Oskar Werner der zweifelnde Pater David Telemond im Film „In den Schuhen des Fischers“ und 1974 spielte er –  zurück in Hollywood – Peter Falks Widersacher Harold Van Wick in der Episode „Playback“ der Krimiserie „Columbo“. Eine Zusammenarbeit mit Stanley Kurbrick bei „Clockwerk Orange“ lehnte er aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung im Film ab, und auch weitere Angebote kamen für den „unbestechlichen Schauspieler“, so seine Selbstdefinition, der über 300 Rollenangebote als „Verrat am künstlerischen Geschmack“ ablehnte, nicht mehr in Frage.

Die österreichische Schauspiellegende Oskar Werner.   <span class="copyright">votava</span>
Die österreichische Schauspiellegende Oskar Werner. votava

Neben seinen schauspielerischen Erfolgen erlangte Oskar Werner große Bekanntheit durch seine unverwechselbare Stimme, die mit ihrer sanften, poetischen Modulation und der charakteristischen Wiener Sprachfärbung bis heute eine besondere Faszination ausstrahlt.

Die alkoholgeschwängerte Endphase, Hand in Hand mit Depressionen und gescheiterten Projekten überschattete die letzten Jahre des Künstlers. Auf der Vorbereitung für eine Lesetournee durch Deutschland versagte am 23. Oktober 1984 in Marburg an der Lahn Oskar Werners Herz.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.