Ein Abend wie Gold mit Max Raabe

Kultur / 18.11.2022 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Abend wie Gold mit Max Raabe
Gregor Hohenberg

Konzert mit dem Palastorchester am 20. November im Festspielhaus Bregenz.

Bregenz „Wer hat hier schlechte Laune?“, fragt Max Raabe in seinem neuen Album und singt von der Liebe, von ihrem zarten Erblühen und Verwehen, von Gefühlen und ihrer Verwirrung. Aber auch die Freude am Fahren mit Strom und der Wunsch, mit Hummeln und Hirschen durch die Wälder zu pirschen, spielen eine Rolle. Und er singt in dem herzzerreißenden Stück „Es wird wieder gut“ von dem Vertrauen darauf, dass es allen äußeren Anzeichen zum Trotz doch irgendwie weitergehen wird.

Max Raabe hat gemeinsam mit Annette Humpe zahlreiche neue Lieder geschrieben.<span class="copyright">Nela König</span>
Max Raabe hat gemeinsam mit Annette Humpe zahlreiche neue Lieder geschrieben.Nela König

Herr Raabe, brauchen die Menschen heute vermehrt Trost?

Tatsächlich vermitteln die Stücke auf dem neuen Album Zuversicht, aber auch wehmütige Töne schwingen mit.

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Die Ereignisse des Jahres 2022 ähneln ja doch stark den Vorkommnissen der 1920er-Jahre: Passt Ihre Musik, die Schlager der 20er- und 30er-Jahre, perfekt zu den heutigen politischen Verhältnissen?

Die Geschichte tut uns nicht den Gefallen, sich so zu wiederholen, wie wir es erwarten. Unser Repertoire der 20er-, 30er-Jahre ist in einer komplexen, politisch schwierigen Zeit entstanden, man merkt es den Stücken aber selten an; es schwingt neben Melancholie viel Leichtigkeit und Ironie mit. Diese Lieder sind zeitlos.

Was hat sich in 36 Jahren gemeinsam mit Ihrem Palast Orchester auf der Bühne geändert?

Als wir anfingen, hätten wir niemals gedacht, dass es so lange weitergehen könnte. Im Grunde hat sich bei unserer Arbeit nicht viel geändert, wir nehmen die Musik sehr ernst, uns selbst aber nicht.

Max Raabe tritt mit seinem Palastorchester am 20. November im Festspielhaus auf.<span class="copyright">Gregor Hohenberg</span>
Max Raabe tritt mit seinem Palastorchester am 20. November im Festspielhaus auf.Gregor Hohenberg

Sie haben sich optisch erstaunlich wenig verändert, passt der Frack von damals noch?

Der Frack ist ein tolerantes Kleidungsstück, vorne knöpft man ihn nicht zu und die Frack-Weste hat hinten einen Gummizug.

Erleben die Menschen in Berlin den Menschen Max Raabe auf der Straße auch in legerer Kleidung?

Ich verlasse das Haus selten ohne Sakko, nehme das Thema Kleidung aber nicht allzu wichtig.

Könnten Sie sich vorstellen, auch in einer ländlichen Umgebung zu leben?

Ich komme aus einer ländlichen Gegend und lebe jetzt gern in Berlin. Im Sommer verbringe ich die meiste Zeit auf dem Land in einer Hängematte, zwischen den Obstbäumen.

Die Bücher von Volker Kutscher sind Bestseller, die Serie „Babylon Berlin“ wird gefeiert. Erreichen Sie auf Ihrer aktuellen Tournee dadurch auch vermehrt jüngere Menschen?

Dass ich mit dem Palast Orchester bei „Babylon Berlin“ mitwirken darf und wir sogar mit einem eigenen Stück vertreten sind, ist ein großes Geschenk. In den letzten zehn Jahren hat sich unser Publikum verjüngt, das liegt an den eigenen Titeln, die ich unter anderem mit Annette Humpe geschrieben habe. Mit ihr ist auch das Stück „Ein Tag wie Gold“ für „Babylon Berlin“ entstanden.

Der auch für seinen Kleidungsstil bekannte Sänger bevorzugt privat ebenfalls Anzug. <span class="copyright">Gregor Hohenberg </span>
Der auch für seinen Kleidungsstil bekannte Sänger bevorzugt privat ebenfalls Anzug. Gregor Hohenberg

Welche Musik hören Sie privat?

Zu Hause höre ich selten Musik, weil ich immer Musik im Kopf habe. Und wenn, dann eventuell Cello- oder Violinsonaten von Bach.

Muss man sich vor Ihnen in Acht nehmen, wenn Sie nach 15.30 Uhr nichts Süßes bekommen?

Wirklich schlechte Laune habe ich selten, aber ein Stück Kuchen und Kaffee am Nachmittag machen selig.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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