Ein Fest für Händel

Kultur / 20.11.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Georg Friedrich Händels erstes Oratorium „Triumph der Zeit“ bei den Montforter Zwischentönen.<span class="copyright">Montforter Zwischentöne, Lucas Breuer (3)</span>
Georg Friedrich Händels erstes Oratorium „Triumph der Zeit“ bei den Montforter Zwischentönen.Montforter Zwischentöne, Lucas Breuer (3)

Sein Oratorium „Il trionfo del tempo“ erfuhr bei den Zwischentönen eine großartige Deutung.

FELDKIRCH Die von der Besetzung her aufwendigste Produktion der derzeit laufenden Montforter Zwischentöne wurde am Samstag im Montforthaus zum opulenten Klangtheater von absolut internationalen Maßstäben in Besetzung, Regie und Design. Georg Friedrich Händels erstes Oratorium „Triumph der Zeit“ hat auch nach über 300 Jahren nichts vom frühen Melodienfluss, dem genialen Erfindungsreichtum des deutschen Barockmeisters eingebüßt.

Natürlich beruht dieser Eindruck wie in der Vergangenheit auf dem reizvollen Kontrast von Originalklang in der Musik und zeitgemäßer Inszenierung. Diesmal hat man das Oratorium einfach zur Oper umfunktioniert, bei der die Sänger in der Regie von Ilka Seifert trotz Noten nicht an ihrem Platz bleiben, auch als Schauspieler enorm gefordert sind und die Handlung damit lebendig halten. Das Libretto dazu ist nichts weiter als eine etwas moralinsaure Predigt, die wirklich von einem Kardinal in Rom ersonnen wurde, bei dem der 21-jährige Händel 1707 zu Gast war, Benedetto Pamphilj. Da treten vier allegorische Figuren im Kampf um Identität und Erfüllung gegeneinander an, der Ausgang lässt sich am besten aus Händels Originaltitel erkennen: „Die durch den Sieg über die Zeit und die Ernüchterung geläuterte Schönheit“. Kurator Folkert Uhde tut mit aufregenden Video-Einspielungen der Akteure in Großaufnahme ein Übriges zum komplexen Eindruck, ohne dass die Musik in ihrer ergreifenden Schönheit dabei Schaden leidet. 

Rezitative, Arien, Duette und Quartette.
Rezitative, Arien, Duette und Quartette.

So wird dieser Abend auch vorwiegend ein Fest für Händel. Ein weiteres Mal bei diesem Festival generiert das heimische Barockorchester Concerto Stella Matutina in Hochform ein farbenprächtiges barockes Klangbild mit dem matten Glanz alten Geschmeides, stilistisch sauber und mit höchster Präzision in einer virtuosen Doppelfunktion vorbildlich geführt von Alfredo Bernardini als Dirigent und Oboist, mittlerweile Stammgast in der Bühne Ambach. Nachdem ein Chor hier völlig fehlt, sind die vier Solopartien mit Rezitativen, Arien, Duetten und Quartetten pausenlos gefordert, in denen Händel die Charaktere in bildhafter Intimität zeichnet. Kein Problem, denn sie sind alle internationale Klasse und rittern als erfahrene Spezialisten barocker Sangeskunst um die Palme, wer von ihnen die geläufigste Kehle hat, die virtuosesten Koloraturen abliefert.  

Das heimische Barockorchester Concerto Stella Matutina spielte in Hochform.
Das heimische Barockorchester Concerto Stella Matutina spielte in Hochform.

Das Niveau ist kaum zu toppen, dennoch sticht als eine Art Naturereignis die südkoreanische Sopranistin Sunhae Im als Einspringerin für die „Schönheit“ heraus. Stimmlich sorgt sie für atemberaubende Momente und für Heiterkeit, wenn sie in Video-Großaufnahme den Organisten Johannes Hämmerle gerade bei seinem schwierigsten Solo anhimmelt und der sich partout nicht drausbringen lässt. Als „Vergnügen“ hält sich Martine Madelin als Nesthäkchen tapfer im Ensemble mit ihrem lyrischen Mezzo, klar wie ein sprudelnder Bergbach. Schmelzend weich singt sich der englische Countertenor Rupert Enticknap als „Ernüchterung“ in die Herzen der Frauen, der Berliner Jan Kobow bringt seinen schlanken „Evangelisten“-Tenor knallhart im Charakterfach ein. Nach zwei Stunden das berührend verlöschende Finale mit himmlischen Violinkantilenen der Konzertmeisterin Maria Kubizek und der Saal ist hingerissen!   

FRITZ JURMANN

Montforter Zwischentöne, 25. November, 19.00 Uhr, Dom St. Nikolaus: „end:licht“, Konzert des Hugo-Siegerteams 2022       

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