Kongeniale Symbiose

Kultur / 23.11.2022 • 18:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Udo Rabensteiners „Versatzstück IV 2021“ und die beiden Bilder von Christoph Luger „Ohne Titel 2021“ und „Ohne Titel 2022“.
Udo Rabensteiners „Versatzstück IV 2021“ und die beiden Bilder von Christoph Luger „Ohne Titel 2021“ und „Ohne Titel 2022“.

Präsentation der neuesten Werke von Luger und Rabensteiner in der Galerie Hutz.

Hard Puristisch, pathosbefreit, attributlos. Nichts Figürliches (bis auf eine kleine Ausnahme bei Rabensteiner, ein Relikt oder eine Reminiszenz an vergangene Zeiten). Betritt man den nahezu perfekten Kunstraum der Galerie Hutz, so muss man sich von herkömmlichen „Kunstbegriffen“ verabschieden, und angesichts dieser Werke wird die eigene „Kunst-Festplatte“ radikal gelöscht, um dann wieder neu konfiguriert zu werden, genüsslich. Mit Luger und Rabensteiner haben sich zwei gefunden, die dieselbe Sprache sprechen, wenn auch nicht die gleiche. Rabensteiner nennt seine ausgestellten Werke emotionslos „Versatzstücke“, mit fortlaufenden römischen Zahlen, I bis V, Luger folgerichtig „Ohne Titel“. Es gibt da nichts zu deuteln und zu hineingeheimnissen. Man sieht, was man sieht, Kunst! „Kunst ist Kunst-als-Kunst, und alles andere ist alles andere“, so nüchtern wie unzweideutig formuliert es Ad Reinhardt, und das muss genügen. Sich selbst genug sein. Kunst, die sich selbst genügt, in all ihrer Bescheidenheit, aber auch in all ihrer Aussagekraft. Jeder Pinselstrich ein Treffer, jeder Guss ein Statement.

Gegen Eintönigkeit und Verrohung

Der Mikrokosmos des einen spiegelt sich im Makrokosmos des anderen wider und umgekehrt. Im eigenen findet sich das andere wieder. Die Wenigsten von uns erkennen, dass uns die bildende und darstellende Kunst, die Musik und die Literatur als Vehikel dienen, um unseren Geist zügellos zu den Sternen schweifen zu lassen, und dadurch zu erkennen, was unser Menschsein schlussendlich ausmacht. Das Anrührende der Arbeiten von Luger und Rabensteiner liegt vielmehr in ihrem zutiefst Menschlichen: Sie stehen für die Unausweichlichkeit der Beschädigung, für Fragilität und Verwundbarkeit, und mit ihrem Gewicht insistieren sie gegen Eintönigkeit, gegen Verrohung, gegen Engstirnigkeit und Beliebigkeit. Luger und Rabensteiner machen mit ihrer Kunst Unternehmungen möglich, die die wenigsten im Alltag erschaffen könnten. Als wollten sie die Welt ihres abgründigen Ernstes berauben und ihr jene Leichtigkeit zurückgeben, die sie immer schon in sich trug. Man hat das Gefühl wie durch ein Fenster auf etwas zu blicken, in dem die Dissonanzen dieser Welt in einer Harmonie, in einer gelassenen Ernstheiterkeit zerschmelzen. Luger und Rabensteiner haben das Unsagbare, das letzte Geheimnis der Kunst, in Farben auf Papier gemalt und in Formen aus Alu und Bronze gegossen.

Christoph Luger und Udo Rabensteiner mit ihren Werken in der Galerie Maximillian Hutz in Hard. Thomas Schiretz (2)
Christoph Luger und Udo Rabensteiner mit ihren Werken in der Galerie Maximillian Hutz in Hard. Thomas Schiretz (2)

www.galeriemaximilianhutz.at

19. November 2022 bis
28. Jänner 2023

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.