Im vorarlberg museum bleibt es spannend

Kultur / 01.12.2022 • 16:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die aktuelle Ausstellung "Was uns wichtig ist! Herausforderung Kulturerbe" ist bis zum 16. April 2023 die Sonderausstellung im 4. Obergeschoss.<span class="copyright">Daniel Furxer</span>
Die aktuelle Ausstellung "Was uns wichtig ist! Herausforderung Kulturerbe" ist bis zum 16. April 2023 die Sonderausstellung im 4. Obergeschoss.Daniel Furxer

Ausstellungsprogramm und weitere Schwerpunkte im Jahr 2023.

Bregenz Direktor Andreas Rudigier blickte bei der Präsentation des Programms und der Schwerpunkte für die nächsten Jahre zunächst zurück. 2013/14 entwickelte das vorarlberg museum eine Strategie bis ins Jahr 2020, deren Weiterentwicklung aus den bekannten Gründen verschoben wurde. „Jetzt haben wir eine neue Strategie entwickelt, die bis ins Jahr 2030 reicht, durchaus wissend, dass diese so lange nicht funktionieren kann. Wir werden darauf achten, wie dynamisch sich alles um uns entwickelt.“ Erfreulich waren die aktuellen Besucherzahlen: „Wir kratzen am Rekord. Als wir im Jahr 2014 mit 57.000 die bislang meisten Besucher hatten, war Franz Michael Felder das Thema. Stefan Sagmeister hat heuer den Heimvorteil mit momentan 54.000 Gästen voll ausgenutzt.“ 14 Publikationen mit rund 4000 Seiten zeugen ebenfalls davon, dass 2022 ein sehr erfreuliches Jahr für das Museum war.

M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E - Mauthausen – Die Tilgung von Erinnerung.    <span class="copyright">Marko Zink</span>
M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E - Mauthausen – Die Tilgung von Erinnerung. Marko Zink

Ein ganz wesentlicher Punkt ist für Andreas Rudigier die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Partnern. Zum Vorschlag von Kulturamtsleiter Winfried Nußbaummüller, das vorarlberg museum möge sich überlegen, die eine oder andere Kooperation infrage zu stellen, gab es vom Direktor ein ganz klares Nein. “Hier gibt es von mir einen klaren Widerspruch. Das werden wir sicher nicht tun, denn die Kooperationen kosten uns genau gar kein Geld, wir profitieren aber ungemein davon.“ Neben zahlreichen Ausstellungskooperationen beispielsweise im Martinsturm, im Werkraum, im Angelika-Kauffmann-Museum, mit den Barockbaumeisterinitiativen des Bregenzerwaldes und anderen wird es auch zahlreiche Ausstellungen im Haus geben. Die aktuelle Ausstellung „Was uns wichtig ist!“ versammelt 20 künstlerische Positionen, die Fragen rund um das kulturelle Erbe aufwerfen und einen Beitrag zum Neuverhandeln leisten. Es ist eine nicht-repräsentative Auswahl an Positionen, die Vorschläge machen, was als „sicherungswürdig“ betrachtet wird (bis 16. April 2023).

Hiller. Das fotografische Gedächtnis des Bregenzerwaldes.<span class="copyright">Sammlung Hiller</span>
Hiller. Das fotografische Gedächtnis des Bregenzerwaldes.Sammlung Hiller

Auch die folgenden Ausstellungen versprechen Interessantes. Mit dem Medium der analogen Fotografie nähert sich der aus Vorarlberg stammende und in Wien lebende Künstler Marko Zink dem Grauen des Holocaust an. Motiv ist Mauthausen – Ort und Synonym für die Auslöschung Zehntausender Menschen (bis 16. April 2023).

Im Bregenzerwald war viele Jahre lang das 1923 gegründete Foto Studio Hiller in Bezau die erste Adresse für Fotografie. Kaspar Hiller und seine Kinder dokumentierten so über 70 Jahre lang das Leben in und die Veränderungen der Talschaft. Anhand der umfangreichen Fotosammlung erzählt der Kurator und Fotokünstler Arno Gisinger einen Teil der Geschichte des Bregenzerwaldes (27. Mai 2023 bis April 2025).

Die 19 Krippenbauvereine des Landes bauten im Auftrag des vorarlberg museums je eine Krippe, zu bewundern im Atrium.   <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Die 19 Krippenbauvereine des Landes bauten im Auftrag des vorarlberg museums je eine Krippe, zu bewundern im Atrium. Petra Rainer

Das vorarlberg museum erweitert schon seit mehreren Jahren die Sammlung um Werke von Künstlern mit Unterstützungsbedarf. Über siebzig dieser Arbeiten können in der Ausstellung „DIREKT!“ bewundert werden: mal bunt und laut, mal kleinteilig und zart, mal ganz einem Thema verpflichtet, dann wieder die ganze Welt verhandelnd. Was die Werke verbindet, ist ein unbändiger kreativer Impuls und die reine Lust an der Gestaltung fern akademischer Richtlinien oder Marktmechanismen (21. Jänner bis 11. Juni 2023).

Im Neapel des 18. Jahrhunderts wurden zu Beginn des Karnevals sogenannte „Fresstürme“ errichtet. Berge an Lebensmitteln hingen an einem riesigen, baumähnlichen Gerüst, das Menschenmassen in einem kollektiven Exzess geplündert und damit den jeweiligen Ort verwüstet haben. Seit der bekannte Vorarlberger Künstler Paul Renner davon gelesen hat, fasziniert ihn diese Idee: Eine Kulisse wird lebendig, das Publikum wird zum Akteur, der dekorative Zweck dient dem Bildersturm. Seither baute Renner sieben Cuccagnas in Asien, Italien und Vorarlberg, die der Bregenzer Fotograf Christian Schramm dokumentiert hat. Diese großformatigen Bilder umrahmen die achte Cuccagna, die Paul Renner im Atrium des vorarlberg museums aus Holzpaletten errichtet und mit konservierten pflanzlichen Lebensmitteln behängt. Essen verboten, dafür kocht der Künstler am Kornmarktplatz (15. Juli bis 15. Oktober 2023).

Das gesamte Programm findet sich auf der Homepage des vorarlberg museums.

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