Peter Handke wird 80 Jahre alt

Kultur / 05.12.2022 • 23:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Peter Handke erhielt 2019 den Literaturnobelpreis.<span class="copyright">   Bernd Weißbrod/dpa</span>
Peter Handke erhielt 2019 den Literaturnobelpreis. Bernd Weißbrod/dpa

Der Literaturnobelpreisträger feiert seinen Geburtstag.

Chaville Geboren wurde Peter Handke am 6. Dezember 1942 in Griffen, einer kleinen Gemeinde in Kärnten, nicht weit von der Grenze zum heutigen Slowenien. Herkunft, Familie, Heimat, Reisen und Rückkehr blieben zentrale Themen im Werk des Schriftstellers. Seine Kindheitsjahre zwischen Berlin und Kärnten verbringend, begann er schon im Gymnasium mit dem Schreiben. Nach einem abgebrochenen Jus-Studium startete Handke ins Autorenleben, nachdem der Suhrkamp Verlag seinen ersten Roman „Die Hornissen“ angenommen hatte. Aufsehen erregten damals nicht nur seine langen Haare und seine dunkle Brille, sondern auch seine Wortmeldung bei einer Schriftsteller-Tagung. In seiner Schmährede warf er dem legendären Literatenzirkel Gruppe 47 „Beschreibungsimpotenz“ vor.

Gleich mit seinem ersten Roman „Die Hornissen“ wurde der österreichische Schriftsteller berühmt.<span class="copyright">Manfred Rehm/dpa </span>
Gleich mit seinem ersten Roman „Die Hornissen“ wurde der österreichische Schriftsteller berühmt.Manfred Rehm/dpa 

Im gleichen Jahr sorgte sein Anti-Theaterstück „Publikumsbeschimpfung“ in Frankfurt für Aufregung. Die gutbürgerlichen Theaterbesucher wurden von den Schauspielern als „Glotzaugen“, „Rotzlecker“ und „Nichtsnutze“ bezeichnet. Auch in dem 1968 uraufgeführten Stück „Kaspar“ setzte er Sprache radikal als Waffe ein.

Zu Handkes Prosa-Klassikern zählen „Wunschloses Unglück“, das er nach dem Suizid seiner Mutter verfasste. Das von Wim Wenders verfilmte Werk „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1970) über das Schicksal eines entwurzelten Ex-Sportlers wurde zum klassischen Lesestoff für Gymnasiasten. Für den Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“ schrieb er beim Drehbuch mit.

Mit seinen Theaterwerken – etwa mit „Kaspar“, „Die Reise zum sonoren Land“ oder „Untertagblues“ – hat Peter Handke Theatergeschichte geschrieben. 2011 sorgte die fünfstündige Uraufführung von „Immer noch Sturm“ bei den Salzburger Festspielen über den Freiheitskampf der Kärntner Slowenen für Aufsehen. Weggefährte Claus Peymann inszenierte 2016 am Wiener Burgtheater Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“.

Am 10. Oktober 2019 gab die Schwedische Akademie in Stockholm die Verleihung des Nobelpreises für Literatur 2019 an Peter Handke bekannt. Er erhielt den Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlichem Einfallsreichtum Randbereiche und die Spezifität menschlicher Erfahrungen ausgelotet hat. Die besondere Kunst von Peter Handke ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit für Landschaften und die materielle Präsenz der Welt, die Kino und Malerei zu zwei seiner größten Quellen der Inspiration werden ließen. 70 bis 80 Werke in unterschiedlichen Genres – ein großartiges Schaffensvermögen, das ununterbrochen andauert“, so die Nobelpreisakademie.

Als ein „großartiges Schaffensvermögen, das ununterbrochen andauert“ schilderte die Nobelpreisakademie Handkes Werk.<span class="copyright">TT NEWS AGENCY</span>
Als ein „großartiges Schaffensvermögen, das ununterbrochen andauert“ schilderte die Nobelpreisakademie Handkes Werk.TT NEWS AGENCY

1996 sorgte sein Reisebericht „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ für heftige Debatten, zehn Jahre später seine Rede bei der Beerdigung von Slobodan Milosevic. Seine Auseinandersetzung mit den eigenen slowenischen Wurzeln kulminierte in dem Stück „Immer noch Sturm“ (2011), in dem er mit seiner pro-serbischen Position und der scharfen Ablehnung der westlichen Haltung für große Aufregung sorgte.

Seit über drei Jahrzehnten lebt Peter Handke in Frankreich, wo er zu seinem Domizil im Pariser Vorort Chaville vor einigen Jahren auch ein einsames Haus in der Picardie, im Norden des Landes, erworben hat.

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