Wenn du träumst, du träumst, dann träumst du nur, du träumst

Kultur / 06.12.2022 • 17:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hanna Burkart im Ambiente von „Real Life Real Dreams“.Maria Ritsch
Hanna Burkart im Ambiente von „Real Life Real Dreams“.Maria Ritsch

Hanna Burkart hat in Schwarzenberg „Real Life Real Dreams“ realisiert.

Schwarzenberg Wer Hanna Burkart sagt, der sagt auch Konsequenz, denn die Künstlerin (Jahrgang 1989) ist in dem, was sie macht, kompromisslos. Die Eckdaten sind schnell erklärt: Schon seit Jahren verzichtet die aus Wien stammende Absolventin der Angewandten (Industriedesign sowie Ortsbezogene Kunst und Landschaftsdesign) auf den Luxus eines fixen Wohnorts, um sich so mit den großen gesellschaftlichen Themenkomplexen wie Sicherheit, Besitz und Wohlbefinden an immer wechselnden Schauplätzen dieser Welt auseinanderzusetzen. Die Werkzeuge, die sie für ihre Forschung verwendet, sind mit den Begriffen Leben, Gehen und Schlafen grob umrissen. Für ihren Aufenthalt in der Schreinerei in der Hirschenau in ­Schwarzenberg, geografisch hinter dem Hotel Hirschen zu verorten, wo sie seit Ende September residierte, hat Burkart ihr Repertoire um den Akt des Träumens erweitert.

Die materiellen Resultate konnten eben dort in der Ausstellung „Real Life Real Dreams“ besichtigt werden. Darunter waren Zeichnungen, niedergeschriebene Gedankenfetzen, aber auch Objekt-Experimente zu sehen, garniert mit Drucken ihrer eindrucksvollen Fotoserie „The Living in Bregenz Agency“ von 2021, um zusätzlich noch etwas Lokalkolorit in den Raum zu bringen.

Bei Burkart zählt aber eben auch das Immaterielle, das tägliche persönliche Wachstum. Da macht sie es nicht wie die Sonnenuhr, welche nur die schönen Stunden zählt. Auch das Scheitern gehört dazu. Das volle Leben eben.

Interpretationsfrage

Doch zurück zum Traum. Wie definiert sich dieser? Ist es der Traum eines Eigenheims oder eines fiktiven zu erreichenden Ziels? Geht es um das Verarbeiten der Gefühle, Erlebnisse und Empfindungen des während des Schlafens Erlebten? Burkart hat eine spezielle, intensive Idee davon, die Interpretation überlässt sie jedoch ihren Gesprächspartnern.

Sie besitzt jene große Qualität, zuhören zu können, ohne das Gesagte zu werten, geschweige denn, ihre Herangehensweise als das universale Allheilmittel zu preisen. Man sagt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Auf die Erwachsenen-Pädagogik umgemünzt, könnte man die These aufstellen, dass es eine Hanna Burkart braucht, um ein Dorf zu prägen.

Jetzt ist sie aber weg. Praktisch über Nacht verschwunden, allerdings mit Ansage. Wann sie wiederkommen wird, ist offen. Dass sie wiederkommen wird, gilt als fix. Vorarlberg braucht sie am Ende des Tages wohl etwas mehr als sie Vorarlberg braucht. Doch das, was bleibt, ist nachhaltig. Es sind Optionen – wie man lebt, wie man schläft, wie man träumt.

Wer sich allerdings nach einem kafkaesken Traum am nächsten Morgen als Käfer in seinem Bett wiederfindet, der hat es definitiv übertrieben. VN-HF

Impressionen der Ausstellung sind unter hannaburkart.com nachzusehen.

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