Kultur: Die Inflation frisst Budgeterhöhung auf

Kultur / 10.12.2022 • 05:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Für Kunst und Kultur werden insgesamt 25.090.400 Euro zur Verfügung gestellt. <span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Für Kunst und Kultur werden insgesamt 25.090.400 Euro zur Verfügung gestellt. VN/Steurer

Die Kultur in Vorarlberg steht vor schweren finanziellen Zeiten.

Bregenz Der Budgetvoranschlag 2023 des Landes Vorarlberg liegt vor, für Kunst und Kultur werden insgesamt 25.090.400 Euro zur Verfügung gestellt.

„Mit einer rund fünfmal so hohen Inflationsrate im Oktober kann man das auch ohne ein Wissen um Details als fettes Minus werten", sagt Mirjam Steinbock. <span class="copyright">Niklas Koch</span>
„Mit einer rund fünfmal so hohen Inflationsrate im Oktober kann man das auch ohne ein Wissen um Details als fettes Minus werten", sagt Mirjam Steinbock. Niklas Koch

Dies entspricht einem Plus von knapp 600.000 Euro zum Vorjahr, also exakt 2,41 Prozent, was de facto eine Kürzung um rund sieben Prozent bedeutet. Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg: „Mit einer rund fünfmal so hohen Inflationsrate im Oktober kann man das auch ohne ein Wissen um Details als fettes Minus werten.“ Für Steinbock ist es fraglich, wie sich das mit der Implementierung von Fair Pay im Kunst- und Kulturbereich vereinen soll: „Der Vorarlberger Landtag forderte genau dies im Mai und beauftragte die Landesregierung mit einstimmigem Beschluss, dem Thema Fairness anlässlich der Kulturenquete im Oktober einen angemessenen Diskussionsraum einzuräumen. Von diesem fehlte aber jegliche Spur. Die Themen Fairness, Fair Pay und Kunstprekariat wurden bei der Landeskulturenquete in einem halbstündigen Podiumsgespräch abgehandelt. Ein Austausch dazu wäre wichtig und relevant gewesen – durchaus erkannt von den Landtagsabgeordneten Bernhard Weber (Grüne) und Christoph Thoma (ÖVP) in ihrem selbstständigen Antrag, jedoch letztlich von ihnen selbst nicht umgesetzt.“

"Die höheren Energiekosten und die Teuerung sind noch nicht dramatisch bei uns angekommen", sagt Sabine Benzer. <span class="copyright">BI</span>
"Die höheren Energiekosten und die Teuerung sind noch nicht dramatisch bei uns angekommen", sagt Sabine Benzer. BI

Sabine Benzer vom Theater am Saumarkt schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir haben aktuell noch Geld zur Verfügung, da wir in den letzten zwei Jahren während der Pandemie nicht alle Veranstaltungen durchführen konnten. Wir holen das jetzt nach und versuchen auch entsprechend den Fair-Pay-Vorgaben der Interessensvertretungen die Künstler zu bezahlen. Das vorhandene Polster schmilzt also sehr schnell. Die höheren Energiekosten und die Teuerung sind noch nicht dramatisch bei uns angekommen. Wir befürchten aber, dass das im kommenden Jahr passieren und uns alle vor finanzielle Probleme stellen wird. Wir haben unsere Subventionsansuchen schon Mitte dieses Jahres abgeschickt, die Lage war damals noch nicht so angespannt. Wir haben daher für 2023 um keine Abgeltung der Inflation oder der hohen Energiekosten angesucht.“

Im Theater am Saumarkt habe man die Subventionsansuchen schon Mitte dieses Jahres abgeschickt. <span class="copyright">BI</span>
Im Theater am Saumarkt habe man die Subventionsansuchen schon Mitte dieses Jahres abgeschickt. BI

Zur Erklärung: 2022 startete der Bund eine Pilotphase zu Fair Pay im Kunst- und Kulturbereich und stellte erstmalig rund 6,5 Millionen Euro für zweckgewidmete Fair-Pay-Mittel zur Verfügung. Diese Fair-Pay-Zuschüsse sind mit der Beteiligung des Bundes am bisherigen Gesamtbudget der geförderten Einrichtung bzw. des geförderten Projekts gedeckelt. Auch im kommenden Jahr kann im Rahmen der bestehenden Förderungsprogramme der Sektion Kunst und Kultur um einen Fair-Pay-Zuschuss für Vorhaben in der “Freien Szene” angesucht werden. Dadurch werden neun Millionen Euro für die Zuschüsse im Sinne einer fairen Bezahlung zur Verfügung gestellt. „Was Fair Pay betrifft, so hat der Bund uns für dieses Jahr 3000 Euro mehr bezahlt, für das kommende Jahr wurde uns eine Erhöhung um weitere Euro 3000.- zugesagt. Der Bedarf wäre aber deutlich höher“, so die Geschäftsführerin.

"Wir senken die Haustemperatur im Winter auf 19 Grad", sagt Andreas Rudigier vom Vorarlberg Museum. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
"Wir senken die Haustemperatur im Winter auf 19 Grad", sagt Andreas Rudigier vom Vorarlberg Museum. VN/Paulitsch

Auf Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg Museum, kommen wegen der Erhöhung der Energiekosten und der Inflation rund 500.000 Euro an Mehrkosten im nächsten Jahr zu: „Wir werden 2023 den 3. Stock auf der Seeseite leerlassen, wodurch wir uns ungefähr 100.000 Euro sparen. Diese Einsparung ist auch deshalb wichtig, damit wir nicht auch noch in den anderen Bereichen reduzieren müssen. Obwohl wir im Bereich Energie sehr modern sind, wir verwenden Erdwärme, benötigen wir sehr viel Strom, um alle unsere Kunstwerke, Exponate etc. – Stichwort Luftfeuchtigkeit – zu schützen. Wir werden statt exakt 50 Prozent langfristig 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit zulassen. Zudem senken wir die Haustemperatur im Winter auf 19 Grad und werden im Sommer 24 Grad zulassen. Dadurch hoffen wir, weitere 150.000 Euro einsparen zu können. Vom Land erhalten wir zwei bis drei Prozent mehr Budget und wir werden versuchen, verstärkt Drittmittel zu lukrieren.“

"Im Kunsthaus Bregenz wird es im Jahr 2023 eine Einzelausstellung weniger als gewohnt geben, also drei statt vier", sagt Werner Döring. <span class="copyright">VN/Rhomberg </span>
"Im Kunsthaus Bregenz wird es im Jahr 2023 eine Einzelausstellung weniger als gewohnt geben, also drei statt vier", sagt Werner Döring. VN/Rhomberg

Im Kunsthaus Bregenz wird es im Jahr 2023 eine Einzelausstellung weniger als gewohnt geben, also drei statt vier. Werner Döring, Geschäftsführer der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft, begründete dies mit der schwierigen Budget-Situation. Der Direktor des KUB, Thomas D. Trummer: „Wir erleben eine Zeit der multiplen Krisen und Verunsicherungen, wie den Krieg in der Ukraine, die Energiekrise oder die schwierige wirtschaftliche Situation. Und natürlich ist auch die budgetäre Lage im Kulturbereich angespannt, auch das KUB ist davon betroffen. Zur budgetären Situation des KUB sind wir aktuell mit den Verantwortlichen im Gespräch.“

"Die finanzielle Situation des Landestheaters im Jahr 2023 wird angespannt sein", sagt Stephanie Gräve.
"Die finanzielle Situation des Landestheaters im Jahr 2023 wird angespannt sein", sagt Stephanie Gräve.

Und die Intendantin des Landestheater Vorarlbergs, Stephanie Gräve, fasst die Situation in ihrem Haus zusammen: „Die finanzielle Situation des Landestheaters im Jahr 2023 wird angespannt sein; die ohnehin im Vergleich zu anderen Häusern in Österreich und der Bodenseeregion niedrige Dotierung trifft auf die aktuelle Krise mit massiven Kostensteigerungen bei Energie, Materialien und Personal. Durch die sehr vorsichtige Kalkulation für 2022 (mit Wegfall der Opernneuproduktion und vorübergehender Nichtbesetzung von Stellen) können Mehrkosten teilweise aufgefangen werden – aber nicht dauerhaft.“

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