Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ist weniger wirklich mehr?

Kultur / 16.12.2022 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es war eine recht interessante Kulturdebatte, die am vergangenen Mittwoch im Vorarlberger Landtag abgehalten wurde. Man könnte die Sache auch an Personen festmachen, nämlich am Kultursprecher der ÖVP, Christoph Thoma, der sich einer fast geeinten Front der Kulturverantwortlichen der anderen Parteien genübersah. Thoma verstieg sich nämlich in dem nicht ganz leichten Versuch, das Kulturbudget des kommenden Jahres schönzureden, es gebe, so meinte er, in manchen Bereichen ganz erstaunliche Steigerungen und überhaupt möge man sich auch einmal überlegen, ob „weniger nicht mehr“ sein könne, denn es gehe nicht zuletzt darum, dass Qualität vor Quantität komme. Thoma sagte dies angesichts eines Kulturbudgets, das eine Steigerung von gut zwei Prozent vorsieht – und das bei einer Inflationsrate von bis zu zehn Prozent. Dass bei dieser Rechnung ein kräftiges Minus herauskommt, kann man sich getrost von einem Volksschüler nachrechnen lassen.

Entsprechend waren die Reaktionen der anderen Abgeordneten, wobei auch der Vertreter der Koalitionspartei der Grünen, Bernhard Weber, keine Ausnahme machte. Im Gegenteil, Weber meinte, dass er sich schäme, wenn er dieses Budget öffentlich verteidigen müsse, denn es sei eben so, dass „weniger nicht mehr, sondern weniger“ sei. Wenn das Landestheater aufgrund fehlender Mittel eine Aufführung streichen müsse, dann sei das eben weniger, ebenso beim Kunsthaus oder beim vorarlbeg museum, wenn sie das Programm wegern Finanzknappheit um eine Ausstelllung kürzen müssten, dann das sei „schlicht weniger, nicht mehr“. Gleiches bei anderen Kulturveranstaltern.

Ähnlich argumentierten die Sprecher der anderen Parteien. Hubert Kinz von den Freiheitlichen meinte, er könne dem Voranschlag nicht zustimmen, weil man auf dieser Grundlage kein Fair Pay, keine gerechte Bezahlung für Kulturmitarbeiter, erreichen könne. Sabine Scheffknecht von den Neos warf der Regierung vor, dass dieses Budget für die Kulturszene „zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben“ bringe, Manuela Auer von des Sozialdemokraten wies zudem darauf hin, dass die Inflation nicht nur die Kulturveranstalter, sondern auch das Publikum treffe. Denn Kultur könne man sich unter diesen Umständen bald nicht mehr leisten.

Am Ende der Debatte war klar, dass weniger nicht mehr ist. Denn wenn in den Kassen der Kulturschaffenden und Kulturveranstalter weniger Geld ist, dann ist das weniger, dann hat das auch Auswirkungen nicht nur auf das Programm, sondern auch auf die Beschäftigten, auf Verträge und die Honorare an die Künstler. Und wenn es weniger Veranstaltungen gibt, weniger Theater, weniger Ausstellungen, weniger Konzerte, dann ist das letztlich eine Verarmung des Kulturlebens. Man sagt, das Budget sei der in Zahlen gegossene Wille der Politik. Ist diese Verarmung also der Wille der Politik?

„Man sagt, das Budget sei der in Zahlen gegossener Wille der Politik.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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