Z’Christkindlgschenk von Laura Nußbaumer

Kultur / 23.12.2022 • 16:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Anna hebt gad de Koffr ufs Bett uffe, als d‘Louisa ins Schlofzimmer kummt. Mit ganz grunzelta Stirn bliebt d‘Louisa sto, kratzt sech an ihram Ellaboga, und lehnt sich gegsan Türrahma. Anna klappt de Koffer uf und fangt a z‘Sockafach im Schrank noch voschidana und zemmpassenda Pärle zum durchsuacha.

„I find ned, dass mir dine Eltra z’Wiehnechta bsuacha go sötten“, set Louisa und stoaßt sich wiedr vo da Wand ab. Anna würft ihra an kurza Blick zua, und suacht den wietr noch da Socka.

„Mir gon aber“, set se.

„Mir könnten sega, dass i krank wora bin. Oder du.“

„Mir hon scho da Nochbürin z’Geld ge zum uf’d Katz ufpassa. Des git se üs nüm zruck. Des hot se sichr scho mit Glüahwi ufam Christkindlmarkt versoffa.“

Louisa lacht a kle und kratzt sich wietr am Ellaboga, während se vo anam Fuaß ufan andra stoht, als se uf amol ussaplatzt:

„Wenn ma dine Eltra bsuacha gon, macha ma Schluss!“

Anna schaut vom Sockafach uf und starrt se a.

„Echt jetzt? Du willsch liaber Schluss macha als mine Eltra bsuacha?“

„Na“, stöhnt d’Louisa. „I will ned, aber mir werans trotzdem tua. I hon davo tromt.“

„Vo was hosch tromt?“, frogt Anna und würft d’Socka in Koffer. Sie schiabt d’Schublad zua und fangt a d’Unterwösch uszumsortiera.

„I hon tromt, dass mir dine Eltra bsuacha gon und du di denn total mit dinra Mama verkracha tuasch, und denn stritan mir üs und machen Schluss.“

„Ajo? Und wieso söt i mi mita Mama strieta?“

Lousia fangt a im Zimmr uf und ab zum go.

„Wegsam Christkindlgschenk. Also, des isch jetzt a bizzle komisch, weil in minam Trom war din Papa uf amol a Schiraff und-“

Louisa würd vo Annas lutam Lacha unterbrocha.

„Isch des din ernscht?“, rüaft Anna. „Du willsch ned, dass mir gon, weil du vo anra Schiraff tromt hosch?“

„Des isch a Metapher gsi, oke? Mi Unterbewusstsi will mir was sega“, wehrt sich d‘Louisa. „Uf jeda Fall war din Papa a Schiraff und di Gschenk für din Papa war an Rollkragapullover. Jetzt war der Rollkraga natürlich viel z’kurz für d’Giraff und du und dine Mama hon euch gstritta.“

„Und was war mit minam Schiraffa Papa?“

„Dem war des egal“, antwortet d‘Louisa. „Dea hot dia ganze Zit nua Keks gessa und d’Keks warn so komisch ufanandergstellt, dass se usgschaut hon wia an ganz hoha Turm.“

„Oke“, gibt d’Anna noch und wirft d’Unterwösch in Koffr. „Und wieso hon mir üs gstritta?“

„Najo, dine Mama hot di denn an Tausadfüassler gnennt, weil du so an schlechta Modegschmack hättesch, des haisch du übrigens vo dinam Onkel gärbt, der tai o immer zwo verschiedene Socka azüha, und des sai o s’Problem, dass di nur um Socka und Schuah kümmra tuasch“, erklärt Louisa während d’Anna nur durch d’Nasa schnuft. „Und weil es halt an Trom war, hosch du di denn in an Tausadfüassler verwandelt.“

„Grusig“, mant d’Anna und schüttelt de Kopf.

„Jo, des o, aber mir hon üs denn gstritta, weil du natürlich me Schuah bruchsch, wenn tausad Füaß hosch.“

„Tausadfüassler hon ned würklich tausad Füaß“, unterbricht d’Anna si, aber d’Louisa redat afach wietr:

„Najo, und i wollt dir jetzt ned no mehr Platz im Schuahkaschta ge, also…“, se lot de Satz so in da Luft hänga und bliebt mit verschränkta Arm stoh. Anna verschränkt ihre Arm o. Noch anra Wiele mant d’Anna:

„Oke, wasch was? Wenn du minra Mama erklära willsch, dass mir Wiehnachta ned bei iana fiera könnan, weil du denksch, dass i mi wegsama Christkindlschenk in an Tausadfüassler-“, uf amol unterbricht se sich, und kriagt ganz große Oga. Se stöhnt lut und vograbt s’Gsicht in da Händ.

„Z’Christkindlgschenk. Mir hon vergessa as zum kofa.“

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