Ätherische Luft- und Wassergrenzen

Kultur / 04.01.2023 • 13:30 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Leonie Hirn, Masatsugu Okada und Calvin Mechora.    <span class="copyright">Galerie Sechzig (3)</span>
Leonie Hirn, Masatsugu Okada und Calvin Mechora. Galerie Sechzig (3)

Erstmals zeigt der japanische Künstler Masatsugu Okada seine Werke in Österreich in der Feldkircher Galerie Sechzig.

Feldkirch Auf den ersten Blick mag es vielleicht nicht sofort erkennbar sein, aber Masatsugu Okada, der 1984 in Osaka geborene Maler, versteht es spielerisch, sich in die Tradition der großen Landschaftsmaler Japans einzureihen.

In Okadas Arbeiten geht es um „Ma".
In Okadas Arbeiten geht es um „Ma".

Er klammert bewusst den hierzulande allseits bekannten Fujiyama aus, Okada beschäftigt sich mit jenen Motiven, welche weder eine konkrete Formgebung noch Kontinuität vorweisen. Es geht in seinen Arbeiten um Raum, um Zeit. Es geht, um es mit dem japanischen Wort „Ma“ zu umschreiben, um die Leere zwischen den Dingen, den Elementen, die nicht wirklich greifbar sind. „Ma“ ist die Leere, die aber voll von Möglichkeiten ist. Ob es sich dabei um Himmel- oder Wolkenlandschaften wie in der Serie „Skyscape“ handelt, oder um ein fließendes bzw. ein stehendes Gewässer, in das ein Stein geworfen wurde und wir nur noch die Kringel auf der Wasseroberfläche, die sich kreisförmig ausbreiten, ausmachen können, wie in den Arbeiten der „Stream-Serie“.

Gerhard Richters "Wolke" faszinierte den japanischen Künstler.   <span class="copyright">AP Photo/Alastair Grant</span>
Gerhard Richters "Wolke" faszinierte den japanischen Künstler. AP Photo/Alastair Grant

Für Okada bieten Wolken/Wasser-Naturschauspiele die perfekten Vorbilder für seine Arbeiten, die er mit unglaublicher Farbsicherheit und mit eigens dafür angefertigten Pinselmaterial auf Leinwände umsetzt. Natürlich hat sich Okada auch mit der Tradition der europäischen Landschaftsmaler seit dem Mittelalter bis heute beschäftigt; mit 31 Jahren übersiedelte er nach Düsseldorf, um an der dortigen Kunstakademie bei Stefan Kürten und Sabrina Fritsch Malerei zu studieren. Ob Albrecht Altdorfers „Alexanderschlacht“ (1529), oder William Turners Skizzenbuch „Skies“ (Anfang 19. Jh.), Caspar David Friedrichs „Wanderer im Nebelmeer“ (1818) und Gerhard Richters „Wolke“ (1976), aber auch Claude Monets „Nympheas“ (Seerosenbilder).

Okada kennt sie alle, er hat sie studiert. Aber was ihn von diesen künstlerischen Vorbildern unterscheidet, ist der Duktus seiner Malweise. Seine „Wolken+Wasserbilder“ sind kunstvoll ziseliert gearbeitete Ornamente, äußerst fragil und luzid. Ätherisch fügen sich seine Arabesken in- und aneinander, fein gewoben, wie ein kostbarer, antiker persischer Teppich (eine Tapisserie ließe sich überlegen).

Der japanische Künstler hat bei Stefan Kürten und Sabrina Fritsch Malerei studiert.
Der japanische Künstler hat bei Stefan Kürten und Sabrina Fritsch Malerei studiert.

Einerlei, sie könnten genauso gut die vorher schon angesprochenen Wasserkringel „Verschwommene Grenzen“ (blurred boundaries)) darstellen. Das „Ma“ beschreibt aber auch eine zeitliche Pause, ein Intervall, eine Fermate, die uns anleitet, innezuhalten, herunterzufahren. Okadas Bilder sind in hohem Maße dazu geeignet. Der Titel „Abstract Landscape“ klingt etwas beliebig und wird dem Wesen der Kunst Okadas nicht wirklich gerecht.

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Dürfte man sich aus der Musik ein Pendant zu Okadas Werken aussuchen, so gingen diese eine wunderbare Symbiose mit Michael Hedges genialen Gitarrenkompositionen „Aerial Boundaries“ (1984) ein. Kompliment an die Kuratoren Leonie Hirn und Calvin Mechora.

Thomas Schiretz

Galerie Sechzig Masatsugu Okada – Abstract Landscape

Dauer: bis 4. Februar 2023

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16 bis 19 Uhr

Samstag 12 bis 16 Uhr

www.galeriesechzig.com

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