„Les Passions de l’âme“

Kultur / 04.01.2023 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Cecilia Bartoli ist die künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele.<span class="copyright">Kristian Schuller/Decca </span>
Cecilia Bartoli ist die künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele.Kristian Schuller/Decca 

Salzburger Pfingstfestspiele vom 26.–29. Mai 2023.

Salzburg „Les Passions de l’âme“ – den Mythos rund um die betörende Klage des Orpheus und dessen Gang in die Unterwelt stellt Cecilia Bartoli als künstlerische Leiterin ins thematische Zentrum der Pfingstfestspiele 2023. Mit einer Hommage an Daniel Barenboim erweist sie zudem einem ihrer engsten künstlerischen Freunde und großen Förderer anlässlich dessen 80. Geburtstags Reverenz.

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Frau Bartoli, 2023 stellen Sie den Mythos Orpheus ins Zentrum des künstlerischen Geschehens. Worin liegt für Sie die Faszination dieses Stoffs?

Als Musikerin und Sängerin glaube ich fest an die Kraft der Musik und der menschlichen Stimme. Deshalb ist der Mythos von Orpheus natürlich eine der antiken Sagen, die mich am meisten fasziniert. Ich fühle mich ermutigt, wenn ich von der wunderbaren Wirkung von Orpheus’ Musik lese: wie sie die bedrohlichsten Feinde – und sogar den Tod – besänftigen konnte, wie sie Leben auf eine Weise veränderte, die undenkbar gewesen wäre, wenn Orpheus nicht verzweifelt gewagt hätte, die ewigen Weltgesetze herauszufordern. Wir treffen in Orpheus auf einen Helden, der mit seiner Musik den vorgezeichneten Lauf des Schicksals geändert hat – da ist es verständlich, dass er vor allem das Interesse von Komponisten auf sich gezogen hat.

Welche szenischen Werke werden uns unter welchen künstlerischen Vorzeichen bei den Pfingstfestspielen konkret begegnen?

Ich möchte einige wesentliche Opernfassungen des Orpheus-Mythos im Pfingstprogramm 2023 präsentieren: Unsere szenische Neuproduktion ist Glucks “Orfeo ed Euridice” in der selten gespielten Parma-Fassung von 1769 in einer Neuinszenierung von Christof Loy. John Neumeiers Fähigkeit, Oper und Ballett in einer ebenso musikalischen wie intelligenten und fesselnden Weise zu verbinden, ermunterte mich, ihn und das Hamburg Ballett mit einer choreografierten Version von “Orphée et Euridice” – Glucks Pariser Fassung von 1774 – nach Salzburg einzuladen.

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Eine Orpheus-Oper, die mir seit langem am Herzen liegt, ist Joseph Haydns “L’anima del filosofo”. Monteverdis Ur-Oper “L’Orfeo” schließlich werden wir in Zusammenarbeit mit der seit 200 Jahren bestehenden Mailänder Marionettenkompanie Carlo Colla & Figli in ungewöhnlicher Gestalt präsentieren.

Wie kam es zur Idee, die Pfingstfestspiele mit einer Hommage an Daniel Barenboim ausklingen zu lassen, und was macht Ihr besonderes künstlerisches Verhältnis zu ihm aus?

Bei meinen Planungen für 2023 schwebte mir ursprünglich ein Festival vor, in dem Daniel zu Ehren seines 80. Geburtstages aktiv als Dirigent und Musiker mitwirken sollte. Damit wollte ich meine Bewunderung für seine leidenschaftliche und unermüdliche, in seinen Worten und in seinem Musizieren greifbare Stimme zum Ausdruck bringen, die er immer wieder so furchtlos gegen den allgemeinen Strom erhebt und die das Leben so vieler Menschen verändert hat.

Daniel Barenboim feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag.<span class="copyright">Peter Adamik </span>
Daniel Barenboim feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag.Peter Adamik 

Ich will ihm einen ganzen Tag der Pfingstfestspiele 2023 widmen: mit einer Schubertiade, die er gemeinsam mit mir und Martha Argerich gestalten wird, und einer abendlichen Benefizgala, die eine Schar seiner engsten Freunde und Künstlerkollegen vereint. So wie in der Geschichte von Orpheus haben Daniels Stimme und – nicht weniger wichtig – seine Musik die Kraft, uns im Innersten zu berühren, zutiefst zu bewegen, außerordentlich zu inspirieren und nachhaltige Änderungen zuwege zu bringen.

Salzburger Pfingstfestspiele

26. Mai bis 29. Mai 2023

Karten und genaues Programm unter www.salzburgerfestspiele.at

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