„Kunst als Bastion der Mündigkeit“

Kultur / 10.01.2023 • 17:45 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg präsentierten den Spielplan für die Saison 2023.    <span class="copyright">roland paulitsch (2)</span>
Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg präsentierten den Spielplan für die Saison 2023. roland paulitsch (2)

Präsentation des neuen Spielplans des Theater Kosmos.

Bregenz Seit zwei Jahren steht der jeweilige Spielplan des Theater Kosmos unter einem Motto. Nach „In Zeiten wie diesen“ und „Traum und Wirklichkeit“ fokussiert sich der Spielplan in dieser Saison auf die „Liebe in Zeiten der Krise“.

Nach einem Rückblick auf das Jahr 2022, in dem das Theater Kosmos fünf Produktionen, davon vier Uraufführungen sowie zwei Uraufführungen auf der Kosmodrom-Bühne präsentieren und rund 8500 Besucher bei 120 Veranstaltungen begrüßen konnte, rückten die beiden künsterlischen Leiter Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg am Dienstagvormittag bei der Vorstellung des neuen Spielplans ihren Fokus auf die Saison 2023. „Die Beziehungen in einer Zeit, in der die Gesellschaft als Gesamtheit überfordert und verunsichert ist, die Bande zwischen zwei oder mehreren Menschen und die Kräfte dieser Verbindungen – ob zerstörerisch, obsessiv, harmonisch oder kreativ – bilden den inhaltlichen Kern des Spielplanes 2023.“

„Die Beziehungen in einer Zeit, in der die Gesellschaft als Gesamtheit überfordert und verunsichert ist, bilden den inhaltlichen Kern des Spielplans 2023.“
„Die Beziehungen in einer Zeit, in der die Gesellschaft als Gesamtheit überfordert und verunsichert ist, bilden den inhaltlichen Kern des Spielplans 2023.“

In Edward Albees Drama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ werden unerfüllte Träume, verlorene Illusionen und geplatzte Lebenslügen in einem virtuosen Gesellschaftsspiel in den Mittelpunkt gestellt. Vernichtend, zerstörend, gnadenlos streiten sich Martha und George durch eine lange Nacht.

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Das Stück wird mit Pause gespielt und dauert um einiges länger als beispielsweise ein Spielfilm. Jagg: „Das Theater sollte sich nicht an Film-, Streaming- oder virtuellen Welten anlehnen, sondern sich auf das konzentrieren, was in einem Theaterraum live stattfindet. Ein Erlebnis, eine Empathie, eine gemeinsame Lüge der Zuschauer und Schauspieler. Das ist die große Qualität des Theaters.“

In der zweiten Saison-Produktion „Das weiße Dorf“ lässt Teresa Dopler zwei junge Menschen auf einer Amazonas-Reise über ihre Lebensentwürfe stolpern und sich fragen, ob die Entscheidungen in der Vergangenheit richtig waren und zu jenem Glück geführt haben, das sie sich von ihrem jeweiligen Leben auch erwartet hatten. Dopler studierte Sprachkunst an der Angewandten Kunstuniversität Wien und gewann mit “Das weiße Dorf” den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarktes.

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Sina Heiss ist freie Regisseurin und Theaterautorin in Wien und schreibt mit “die
möwe/retweeted” ihre dritte Tschechow-Adaption. Der Klassiker führt uns die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und erfülltem künstlerischem Schaffen vor Augen und veruteilt schließlich seine Figuren lächelnd zum Scheitern.

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In „Die Erwachsenen“ von Irene Diwiak schält die Autorin den Kern einer Familiengeschichte aus einer dunklen Vergangenheit heraus, die von fanatischen, dogmatischen und orthodoxen Parametern geprägt war. Das Offenlegen des Gewesenen, das Aussprechen der abgründigen Wahrheiten, birgt dennoch Hoffnung…Diwiak, geboren am 10. Dezember 1991 in Graz, studierte Judaistik, Slawistik und Komparatistik in Wien. Ihr Theaterstück „Die Isländerin“ wurde 2016 in Worms uraufgeführt, ihr Debütroman „Liebwies“ erschien 2017 und stand auf der Shortlist für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises.

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Seit Bestehen des Kosmodron 2013 war Stephan Kasimir Kurator und künstlerischer Leiter dieses Formats. Mit dem neuen Jahr gibt er diese Funktion an Michaela Vogel ab. Am 26. Jänner feiert Raoul Eiseles „Oder ein Schiefer im Stamm“ Uraufführung. Kosmolino, das Theater für die Allerkleinsten, blickt auf eine erfolgreiches erstes Projektjahr 2022 zurück, das Angebot wurde sowohl von Kindergärten, Volksschulen als auch von Familien ausgezeichnet angenommen. Für 2023 sind vier Gastspiele geplant.

KOSMOLINO "Unterwegs in Småland", aufgeführt im jahr 2022.  <span class="copyright"> Theater Kosmos</span>
KOSMOLINO "Unterwegs in Småland", aufgeführt im jahr 2022. Theater Kosmos

Das Kammerorchester Camerata Musica Reno widmet sich im April zusammen mit Michael Köhlmeier der mythologischen Sagenwelt rund um die Musikdramen von Richard Wagner. Im Juli interpretiert Silvia Salzmann als Bühnenpartnerin des Kammerorchesters das Ballett „Appalachian Spring“ des US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland neu. Musikalisch komplettieren Charles Ives The Unanswered Question und George Gershwins Lullaby das Programm.

Aufführung der "Camerata Musica Reno" unter der Leitung von Tobias Grabher im Theater Kosmos.   <span class="copyright"> DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Aufführung der "Camerata Musica Reno" unter der Leitung von Tobias Grabher im Theater Kosmos. DIETMAR STIPLOVSEK

Augustin Jagg konnte auch erfreuliches über die finanzielle Situation des Theater Kosmos‘ berichten: „Wir waren mit dem Land Vorarlberg und der Stadt Bregenz in konstruktiven Verhandlungen und haben gemeinsam ein Fünf-Jahres-Förderprogramm aufgestellt, wo sukzessive die Subventionen für uns erhöht werden. Wir hoffen, die Inflationsraten abdecken zu können und denken, das uns dies zusammen mit unseren langjährigen Sponsoren und unserem Publikum auch gelingen wird.“

Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig.
Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig.

Eine Besonderheit verkündetete Hubert Dragaschnig abschließend: „Es ist ein wirklicher Skandal, dass Frauen im Jahr 2023 immer noch weniger Geld für ihre Arbeit bekommen als Männer. Aus diesem Grund haben Frauen ab dem “Equal Pay Day” (am 30. Oktober haben Männer bereits jenes Einkommen erreicht, wofür Frauen bis Jahresende noch arbeiten müssen) die Möglichkeit, gratis ins Theater Kosmos zu kommen. Es würde uns freuen, wenn andere – von Frauen geführte – Theater sich dieser Idee anschließen.“

DIE THEATER KOSMOS PRODUKTIONEN

“Wer hat Angst vor Virginia Woolf” von Edward Albee

Premiere 23. Februar 2023

 

“Das weiße Dorf” von Teresa Dopler

Premiere 4. Mai 2023

 

“Möwe / Retweeted” von Sina Heiss nach A. Tschechow | Uraufführung

Premiere 28. September 2023

 

Springeschmidpreis

“Die Erwachsenen” von Irene Diwiak | Uraufführung

Premiere November 2023

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