Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Leben für die Skulptur

Kultur / 13.01.2023 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es war gestern vor einer Woche, als der Feldkircher Filmemacher Ulrich Herburger einen kleinen Kreis einlud, um einen Film über den Bregenzerwälder Bildhauer Herbert Meusburger zu zeigen. Eine Uraufführung. Thema war der Skulpturengarten von Meusburger im Lauteracher Gasthof Guth, der zwischen prächtigem, altem Baumbestand elf Skulpturen in einem kleinen Spazierweg verbindet. Es ist ein Gang durch mehr als zwanzig Jahre künstlerische Entwicklung von Herbert Meusburger, es ist ein Weg, der zeigt, wie sehr sich Kunst und Natur zu einer wunderbaren Einheit verbinden. Entstanden ist dieser Kunstpark auf Initiative von Architekt Christian Lenz und dem Patrone des Restaurants, Thomas Scheucher, die beide eine enge Freundschaft mit dem Künstler verbindet. Der Film ist unglaublich intensiv, nicht nur die Kunst, sondern auch den Künstler betreffend. Denn er zeigt in Gesprächen auch die fortschreitende Krankheit des Künstlers, die schwindende Stimme, die sich früher so oft und so vehement für Kunst und Kultur erhoben hatte. Wir waren tief beeindruckt vom filmischen Ergebnis, gingen nach Hause – und bekamen am nächsten Morgen die Nachricht vom Tod Herbert Meusburgers.

Am vergangenen Mittwoch, einige Tage vor seinem 70. Geburtstag, wurde Herbert Meusburger in Bizau zu Grabe getragen. Er war ein im Land ebenso erfolgreicher Künstler wie international. Ein Höhepunkt sicher die Ausstellung in der Neuen Pinakothek in München, der größte Verkaufserfolg die Schau im Eberle-Haus in Lustenau, die größte öffentliche Arbeit der Kreuzweg zum Hochberg in Perchtoldsdorf (eine Delegation war auch bei der Beerdigung). Die vielleicht intimste Seite galt der Freundschaft mit dem Dramatiker Felix Mitterer und es blieb ein letztlich offenes Projekt, dessen Vollendung er nicht erleben durfte, die Monografie über seine Arbeit.

Wie sehr Herbert Meusburger auch in seiner Heimatgemeinde Bizau geschätzt wurde, kann man an vielen Arbeiten sehen. Neben seinem Grab steht eine andere Grabstele, die vertikale Inschrift „Galles Feres Franz“, Erinnerung an den legendären Theaterleiter von Bizau, einige Meter entfernt die Friedhofskapelle, gemeinsam mit Architekt Hermann Kaufmann geplant. Von einem bestimmten Punkt kann man durch ein Kreuz in Herberts Stein direkt auf die Spitze der Kanisfluh, aufs dortige Kreuz, sehen. Und jenseits der Friedhofsmauer steht der Dorfbrunnen von Herbert Meusburger, zwei Stelen mit Sitzbank, die an die Brunnenskulptur beim „Guth“ erinnert. Wir müssen also nicht zum Grab von Herbert Meusburger, wenn wir an ihn denken, wir müssen nur seine Arbeiten betrachten und angreifen. Dann sind wir ihm nahe.

Anmerkung anderer Art: Am letzten Samstag haben sich bei mir erhebliche Fehler eingeschlichen. Die schlimmsten: Sebastian Kurz lag nicht mit Michael Spindelegger im Clinch, dieser war auch nicht Bundes-, sondern Vizekanzler, gemeint war die Auseinandersetzung von Kurz und Reinhold Mitterlehner, Vizekanzler und ÖVP-Obmann. Ich bitte um Nachsicht.

„Der Film ist unglaublich intensiv, nicht nur die Kunst, sondern auch den Künstler betreffend.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.