Kafka kann Spaß machen

Kultur / 22.01.2023 • 18:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Stück überzeugt mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit, Poesie und Humor.joelschweizer
Das Stück überzeugt mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit, Poesie und Humor.joelschweizer

Ein gelungener Slapstick, inspiriert von Franz Kafka, sorgt im Landestheater für viel Gelächter.

Bregenz Bereits in den ersten paar Minuten der Premiere „Kafka in Farbe“ am Vorarlberger Landestheater war Gelächter im Publikum zu vernehmen. Geht das? Schließlich ist Franz Kafka in der Literaturwelt für seine groteske und melancholisch angehauchte Schreibweise bekannt. Undurchschaubare Beziehungen und Personen sowie Orte prägten sein Schreiben. Wer den Namen Franz Kafka hört, muss ebenfalls gleich an den vom Leid geplagten Gregor Samsa aus seinem Roman „Die Verwandlung“ denken. Doch eines steht fest: Kafka geht auch in Farbe. Das bestätigten Schauspieler Max Merker und Aaron Hitz mit ihren Kolleginnen Janna Mohr und Milva Stark. Kafkas Tagebücher und seine Biografie haben Merker, der auch Regie führt, und Hitz zu ihrem Stück inspiriert.

Eindrucksvolle Lichteffekte

„Kafka in Farbe“ beginnt im „Naturtheater von Oklahoma“ aus Franz Kafkas unvollendetem Roman „Der Verschollene“. Der junge Auswanderer Rossmann wird als Schauspieler von der Theatergruppe aufgenommen, obwohl er mehrmals betont: „Ich bin noch nicht fertig ausgebildet“. Nachdem er sich auf Befehl des Direktors des Theaters vor dem ganzen Publikum bis auf die Unterhose entblößen und ein weißes Nachthemd überziehen muss, schlüpft er gleich in die Rolle des sterbenden Kafka. Die eindrucksvollen Lichteffekte und bemerkenswerte Geräuschkulisse vermitteln den Zuschauern dabei sofort das Gefühl, sich in einem Krankenhaus zu befinden, am Sterbebett des Schriftstellers.

Wer sich dachte, dass es von da an theatralisch zugehen wird, hat sich gewaltig geirrt. Das Bühnenbild von Martin Dolnik ist mit Tapeten mit käferähnlichem Muster verziert. Schräg gelagert wirkt es wie eine Schaukiste, die für temporeiche Ereignisse sorgt. Durch ein rückwärtiges Fenster sowie zwei Türen links und rechts wird das Verwirrspiel erst recht entfesselt. Genauso wie durch das Bett, aus dem die Schauspieler mehrmals herauskriechen. Plötzlich stehen wie durch Zauberhand drei Kafkas auf der Bühne und erzählen, wann sie wohin reisen. Erst im Monolog, dann durcheinander, wodurch die Zerrissenheit und das krankhafte Analysieren Kafkas deutlich gemacht wird.

Nicht nur das haben die Schauspieler in ihrem Stück verarbeitet. Es ist bekannt, dass der Schriftsteller bei Lesungen seines Romans „Der Prozess“ oftmals in Lachanfälle ausgebrochen ist. Genau dieses Wissen haben Max Merker und Aaron Hitz genutzt, um Farbe in das düstere Dasein des Genies einzubringen. Als „Kafka“ ein Stück vorlesen möchte, kann er sich vor Lachen buchstäblich kaum mehr auf den Beinen halten, er kugelt sich auf dem Boden. Er lacht, schmeißt sich gegen die Wand und rutscht runter. In diesem Moment schlüpft der Direktor, den Milva Stark verkörpert, durch das Fenster: „Jetzt stacheln sie ihn auch noch an!“

Doch das war nicht die Kirsche auf dem Sahnehäubchen des Slapsticks. Die gab es, als eine Banane mit blankem Hintern durch den Raum lief. Dabei versucht sie vergeblich, die Tür am anderen Ende aufzumachen. Eine Tür schließt sich, schon ist die andere auf. Ein Riesenmaulwurf kommt heraus. Er spaziert seelenruhig vorbei. Beim zweiten Auftritt schiebt er fast alle Gegenstände, samt Bett, im Raum unter einen Teppichboden, setzt sich schließlich darauf und fängt an zu musizieren.

Stürmischer Applaus

Die tiefsinnige, humorvolle und etwas kafkaeske Inszenierung staubt am Ende einen langen und stürmischen Applaus ab. Mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit, Poesie und Humor feierte das Werk in Bregenz seine österreichische Erstaufführung. Nach dem gelungenen Slapstick „Kafka in Farbe“ wird niemand mehr düstere Gedanken mit Franz Kafka assoziieren. VN-pem

Kafka kann Spaß machen
“Kafka in Farbe” kombiniert Slapstick und Literatur.

Weitere Vorstellungen von “Kafka in Farbe” bis 2. Februar am Vorarlberger Landestheater.

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