Erkenne dich selbst

Kultur / 24.01.2023 • 18:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gernot Riedmann inmitten seiner Ahnenfiguren 1.
Gernot Riedmann inmitten seiner Ahnenfiguren 1.

Die Berufsvereinigung Bildender Künstler präsentiert eine neue Ausstellung im Künstlerhaus.

Bregenz Die erste Ausstellung der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs im neuen Jahr im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis ist drei altbekannten sowie den neuen Mitgliedern der Vereinigung gewidmet. Severin Hagen, Edmunda Hartmann und Gernot Riedmann bespielen in Einzelausstellungen Erd-, Ober- und Dachgeschoß, die neuen Mitglieder mit Vorarlbergbezug, die im vergangenen Jahr aufgenommen worden sind, insgesamt deren 9, von denen aber nur 7 ihre Arbeiten im Kellergeschoß präsentieren: Matthias Guido Braudisch, Florian Gerer, Christine Lederer, Reinhold Ponesch, Alexander Stark, Amrei Wittwer und WolfGeorg.

Bandbreite

Das griechische Gnothi seauton – Erkenne dich selbst – jene vielzitierte Inschrift über dem Eingang des Apollotempels in Delphi, könnte auch als Motto dieser Ausstellung dienen. Die Bandbreite ist groß. Amrei Wittwers Porzellanskulpturen sind nicht nur Artefakte, sie mutieren zu kultischen Objekten, Schutz- und Abwehrzauber, Heilung und Verdammnis, ausgeführt mit Verve und Akribie. WolfGeorgs Holzskulpturen und Zeichnungen liegen auch bestimmte Schutz- und Abwehrzauber zugrunde: Die gefährlichsten Tiere werden zu Beschützern seiner selbst, Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Wie formulierte es Damien Hirst: Kunst ist wie Medizin – sie kann heilen.

Die Hypokunstpreisträgerin (2019) Christine Lederer „steht“ ihre Frau, ob mit oder ohne Bügelbrett, fotografische Arbeiten, die Rollenzuschreibung, Missstände/Ungleichheiten bei/von Frauen nicht nur hinterfragen, sondern zerpflücken. Gut gegen toxische Männerhirne!

Zwischen „Himmel und Erde“ bewegen sich die auf den ersten Blick sakral anmutenden Werke von Reinhold Ponesch, zutiefst lassen sie aber Metaebenen des Spirituellen schauen. Matthias Braudisch zeigt seinen experimentellen Umgang mit Fotografie in verschiedenen fotografischen Edeldruckverfahren, die Dreidimensionalität suggerieren. Unprätentiös und einladend (im doppelten Sinne des Wortes) sind die Fotoarbeiten von Florian Gerer. Ein in sich geschlossener Kosmos bilden die Arbeiten von Alexander Stark, der mit Sprühdose auf Naturleinen malt, nahezu haptisch und unglaublich suggestiv.

Hagen, Hartmann, Riedmann

Auch eine Art Schutzzauber (Beschützerin, Wächterfigur) wohnt den „Ahnenfiguren“ von Gernot Riedmann inne. Manchmal grobschlächtig mit Kettensäge und Stemmeisen bearbeitet, entstehen unverkennbare, farbenprächtige Artefakte, wie der „Ahnenthron, mit Beschützerin“, die Salome mit dem Haupt des Täufers in Händen, sogar der Minotaurus wird zum Totem, und damit verliert er jeglichen Schrecken.

Riedmann versteht es, die Archetypen von ihren Mythen zu befreien und ihnen das positive Image des Mittler/Vermittlers einzufräsen/kerben.

Malerei und Schrift, inspiriert von Natur und Texten, verbindet Edmunda Hartmann zu einem in sich geschlossenen Werk. Sie entwickelte für ihre Arbeiten mit dem Titel „Gemalt und Geschrieben“ eine eigene Schriftart, Runen nicht unähnlich. Ihre Radierungen bestechen durch Reduzierung, sind kontemplativ und lassen genüsslich ausschwingen. Unter dem Titel „Reliktgebiet“, einem der Biologie und Linguistik entlehnten Begriff, präsentiert Severin Hagen eine umfangreiche Zusammenstellung von Werken der vergangenen 7 Jahre. PVC-Planen, Stahl, Alu sowie diverse Fundstücke sind die Materialien, derer sich Hagen bedient. Seine Skulpturen sind fragile Objekte, denen eine nur kurze Lebensdauer beschieden ist, deshalb bewahrt sie Hagen durch eine zeichnerische Dokumentation vor dem Vergessen. Zurück bleiben eindrucksvolle grafische Bildwerke. THS

Christine Lederer „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“, 2018, Fotografie 2.TSH (3)
Christine Lederer „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“, 2018, Fotografie 2.TSH (3)
Amrei Wittwers Porzellanskulpturen, 2022-23.
Amrei Wittwers Porzellanskulpturen, 2022-23.

Die Ausstellung im Künstlerhaus läuft noch bis 5. März 2023; www.kuenstlerhaus-bregenz.at

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