Frühlingsgefühle an der Stella

Kultur / 24.01.2023 • 15:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stella Vorarlberg    <span class="copyright">Victor Marin (7)</span>
Stella Vorarlberg Victor Marin (7)

Begeisternde Matinee des Hochschulorchesters mit dem Harfensolisten Viktor Hartobanu.

FELDKIRCH Es hatte geschneit in der Nacht, und eigentlich war es am Sonntag bei der Sinfonischen Matinee im gut besuchten Festsaal der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik noch etwas früh für Schumanns „Frühlingssymphonie“.

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Doch Rektor Jörg Maria Ortwein kratzte bei seiner Begrüßung elegant die Kurve und wollte das Werk symbolhaft vor allem als Aufbruch in eine neue Ära für die eben installierte musikalische Bildungseinrichtung verstanden wissen. Man akzeptierte das umso lieber, als das Hochschulsinfonieorchester unter Benjamin Lack das Werk mit so viel Optimismus, Lebensfreude und jugendlicher Frische ausstattete, dass sich bei manchem Zuhörer wohl tatsächlich erste Frühlingsgefühle zu regen begannen.

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„Die beste aller Welten finden“, auch wenn das heute verdächtig nach Parteiprogramm klingt, wollte Leonard Bernstein 1951 mit seinem Musical „Candide“ in einem völlig unpolitischen, dafür philosophischen Sinne nach Voltaire. Diese rhythmisch mitreißende Ouvertüre zum Start hat nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt. Sie liegt den jungen Musikern im Blut und ist eine Rakete, die den letzten Langschläfern ihre Müdigkeit aus den Knochen treibt.

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Danach dominiert mit der Harfe eines der zartesten Orchesterinstrumente überhaupt, das man gerne himmlischen Wesen zuschreibt. Der in einer rumänischen Musikerfamilie geerdete, 1990 in Deutschland geborene und seit fünf Jahren als Dozent einer Harfenklasse am Haus tätige Viktor Hartobanu stellt sich erstmals in diesem Rahmen als virtuoser Solist vor. Sein weißes Ungetüm von einer Konzertharfe besitzt 47 Saiten und sieben Pedale, er beherrscht es aus dem ff, kommt mit der Geschicklichkeit seiner vielen Arpeggien und Glissandi auch locker gegen die Lautstärke des Orchesters an und schwelgt besonders schön im gefühlsseligen Mittelsatz.

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Das dazu ausgewählte Harfenkonzert von 1904 eines deutschen Romantikers namens Albert Zabel glänzt freilich nicht gerade durch Einfallsreichtum, es ist ein recht plattes Stück Gebrauchsmusik, einzig dazu angetan, dem Solisten den Teppich für seine brillanten Harfen-Kaskaden zu bereiten.

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Das Orchester zeigt sich unter Lacks überlegener Anleitung als flexibler, einsatzfreudiger Klangkörper für diesen Zweck, der auch hier die Mittel heiligt. Als Zugabe folgt noch ein „Tanz der jungen Mädchen“ von Alberto Ginastera.

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„O wende, wende deinen Lauf, im Thale blühet Frühling auf!“ Aus dieser verbalen Keimzelle des Dichters Adolf Böttger skizzierte Robert Schumann im Jänner 1841 innerhalb von vier Tagen seine erste Symphonie in B-Dur, die sich unter der Bezeichnung „Frühlingssymphonie“ unvermindert allgemeiner Beliebtheit erfreut.

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Es bedurfte dazu keiner plumpen programmmusikalischen Vorgaben, Schumann ersann auch so ein fantasievolles, farben- und melodienreiches halbstündiges Tongemälde, das dem Orchester mit dem engagierten jungen Konzertmeister Raul Campos die Vorlage für einen emotional erfüllten Vormittag mit vielen schönen Solostellen bereitet und zum Entzücken.

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Fritz Jurmann

Jänner, 18.30 Uhr: „Mit Pauken und Trompeten, Menschen und Musik“ – Gründungsfeier der Stella Privathochschule (Musikalischer Rundgang mit Fest im Pförtnerhaus)

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