Wenn Klang, Körper und Raum in Bewegung geraten

Liquid Loft, Phace und Naishi Wang beim “tanz ist festival” am Spielboden in Dornbirn.
Dornbirn Vom 11. bis 14. Juni steht der Dornbirner Spielboden für „tanz ist im Juni: Klang, Bewegung, Raum“. Im Zentrum stehen Liquid Loft und Phace, Ensemble für Neue Musik, mit „Coal Mine Birds“, ergänzt durch Filmabend und Workshop mit Naishi Wang. Der Tanz ist hier nicht bloß Bewegung, die Musik nicht bloß Begleitung, der Raum nicht bloß Ort des Geschehens. Wenn „tanz ist“ im Juni den Spielboden bespielt, geht es um jenes Zusammenspiel von Körper, Klang, Wahrnehmung und Atmosphäre, aus dem zeitgenössische Bühnenkunst ihre Spannung gewinnt. Liquid Loft und Phaceerforschen im Projektzyklus „Soirée Dansante“ Formate zwischen Choreografie, Rauminstallation und Musiktheater. Der Zyklus widmet sich der Beziehung von Klang, Bewegung und Raum und setzt mit „Coal Mine Birds“ die Arbeit an einem Musiktheater fort, das sich von traditionellen Opernformen löst.
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Der Titel führt zurück in die Welt der Kohlebergwerke, in denen Kanarienvögel einst als lebende Warnsysteme dienten. Kippte ein Vogel in seinem Käfig um, bedeutete dies Giftgasalarm, und die Bergleute mussten eiligst den Weg ins Freie suchen. In „Coal Mine Birds“ wird diese historische Praxis zur Metapher für eine Gegenwart, in der Kunstschaffende oft wie Seismografen erscheinen, die kommende Gefahren und Ungewissheiten früher wahrnehmen als andere. Bei „tanz ist“ sind es die Tänzerinnen und Tänzer von Liquid Loft sowie die Musikerinnen und Musiker von Phace, die diesen Gedanken in eine Musik- und Tanzperformance übersetzen.

Liquid Loft, unter der künstlerischen Leitung von Chris Haring, gehört zu den prägenden Stimmen des österreichischen Gegenwartstanzes. Phace zählt zu den profilierten Ensembles für Neue Musik. In ihrer Zusammenarbeit entsteht kein Nebeneinander von Tanz und Konzert, vielmehr ein Gefüge, in dem Klang, Körper, Raum und Bilder ineinandergreifen. Musik, Tanz und Visuals verschmelzen zu einem Kunstwerk, dessen ernster Hintergrund aufscheint, ohne sich aufzudrängen. Für den Spielboden wird eine spezielle Fassung von „Coal Mine Birds“ erarbeitet. Zu hören sind Kompositionen von Simon Steen Andersen, Alessandro Baticci, Andreas Berger, Jerome Combier, François Sarhan und Agata Zubel. Die Aufführungen finden am Freitag, 12., und Samstag, 13. Juni jeweils um 20.30 Uhr statt. Die Dauer beträgt rund 60 Minuten.
Schwung, Potenzial, Fluss
Bereits am Donnerstag, 11. Juni, eröffnet um 19.30 Uhr ein Filmabend das Programm. Gezeigt wird „Stranger Than Paradise“, ein Film von Liquid Loft, der den Blick auf die künstlerische Handschrift der Kompanie erweitert. Ergänzt wird das Programm durch einen Workshop mit dem kanadisch-chinesischen Tänzer und Choreografen Naishi Wang, der am Samstag, 13., und Sonntag, 14. Juni, jeweils von 13 bis 15 Uhr im Tanzraum in der Annagasse 5 stattfindet. Unter dem Titel „SHI: Schwung, Potenzial, Fluss“ führt Wang in eine somatische Bewegungspraxis ein, die vom chinesischen Begriff 势 inspiriert ist. SHI bezeichnet jenen energetischen Zustand, der einer Handlung vorausgeht. Ausgehend von chinesischer Kampfkunst, Kalligrafie, Malerei und Philosophie geht es nicht um Kraft oder Anstrengung, auch nicht um festgelegte Schritte. Die Teilnehmenden arbeiten mit einem Metronom bei 180 BPM, beginnen mit sanften Kniebewegungen und ruhiger Atmung und gehen dann in kontinuierliche Bewegungszyklen über. Der Workshop ist für Tänzerinnen und Tänzer ebenso zugänglich wie für Laien.
1994 gründete der in Dornbirn geborene Tänzer und Choreograf Günter Marinelli das Projekt „tanz ist“. Aus Performancenächten im Bregenzer Festspielhaus entwickelte sich ein eigenständiges Tanzfestival.